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Serie Verschwundene Orte (Teil 4): Als noch die Punks am Südring regierten

Serie Verschwundene Orte (Teil 4) : Als noch die Punks am Südring regierten

Die alte Volksschule, bekannt als "Süden", war über 30 Jahre lang der Treffpunkt der alternativen Szene der Stadt Moers.

Moerser im Alter ab 25 Jahren blicken heute wehmütig auf das Gebäude der alten Volksschule am Südring. Sie erinnern sich an die alten Zeiten. Damals, als die Volksschule liebevoll als "Süden" bezeichnet wurde, man sich dort mit Freunden traf, ein oder auch mal ein paar mehr Bier trank, Punk-Konzerte hörte und manchmal morgens um sechs auf der Couch neben der Theke aufwachte.

So auch Boris Graue. Er war ab dem Jahr 1999 Kulturreferent in Moers und zuständig für das Programm in dem offiziell als Volksschule ausgewiesenen Jugend-Kulturzentrum. "Als ich damals angefangen habe, im Südring zu arbeiten, lag er brach", erinnert sich Graue heute. Sprich: Das Publikum ging zurück, die Punks waren nicht mehr in Moers.

Doch mit Konzerten der Bands "Sondaschule" oder "Wohlstandskinder" holte der heute 44-Jährige nicht nur die "subkulturelle Szene", wie Graue die Punks nennt, zurück nach Moers. Nein. Er verschaffte dem Süden auch einen über Bundesgrenzen anerkannten Ruf. "Wir hatten Publikum aus Holland, Frankreich und England und sogar Bands aus Mexiko," schwärmt Graue. "Sie wollten alle zum Südring". Graue hatte etwas aufgebaut, dass in seiner Art einmalig war in der Stadt und es so auch wohl nicht mehr geben wird. "Natürlich mochte uns nicht jeder", weiß er noch. Doch sein Ziel, eine "rebellische Insel" inmitten der schönen Stadt Moers aufzubauen, gelang. "Wir hatten bei Konzerten fast 400 Leute da - und wir haben bestimmt alle einen kleinen Hörschaden davongetragen", sagt er mit einem Lachen.

 Heute dient sie unter anderem als Senioren-Begegnungsstätte.
Heute dient sie unter anderem als Senioren-Begegnungsstätte. Foto: KT
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Doch es gab auch Widerstand gegen Graues Konzept - gegen Punks in der Innenstadt. "Die Leute fragten damals: ,Oh Gott, was bringt der Graue denn für Leute in die Stadt'", erinnert er sich. Es gab Streit mit städtischen Mitarbeitern, er konnte sich aber immer wieder durchsetzen. Neben Konzerten veranstaltete das Team des Jugend-Kulturzentrums auch Theaterabende, Kabarett oder Jam-Sessions. "Wir waren immer ganz früh dabei, Neues zu etablieren und haben einige Künstler hervorgerbacht."

Doch mit dem Aufschwung kamen auch die ersten Krisen. "Einmal wurde ein Punkkonzert von Neonazis gestürmt, es gab eine Massenschlägerei und berittene Polizisten rückten an", sagt Graue - ein schwarzer Tag. Zudem gab es immer wieder Lärmbeschwerden dass die Konzerte abgebrochen werden mussten, es gab Einbrüche, und nach einer Brandschau wurde das Gebäude sogar für Veranstaltungen wegen Brandschutzmängeln gesperrt. Seit 2009 ist der Süden Geschichte - das Gebäude verkauft. "Bei einer Diaschau mit alten Bildern hatten wir zuletzt alle Tränen in den Augen", sagt Graue. Mit dem Aus sei für einige auch die Kindheit zu Ende gegangen.

(RP)