Moers: Ärger um die alte Friedhofskapelle

Moers: Ärger um die alte Friedhofskapelle

Eine Moerserin beschwert sich über das Benehmen von Obdachlosen, die sich regelmäßig auf dem Friedhof an der Rheinberger Straße aufhalten. Die Kapelle sei ein historisches Gebäude und der Friedhof eine Gedenkstätte, sagt sie.

Es ist eine Frage, die in jeder größeren Stadt aufkommt, in der Menschen auf der Straße leben: Wo und wie dürfen sich Obdachlose an bestimmten Orten aufhalten? Grundsätzlich erst mal überall und immer, lautet die Antwort. Sind ja in der Regel erwachsene und freie Menschen. Das sieht auch Ursula Krämer so.

Die Moerserin geht oft durch die Parkanlagen der Stadt spazieren. Dabei ist ihr aufgefallen, dass sich das Bild und die Stimmung rund um die kleine, heute vom Schlosstheater genutzte Kapelle an der Rheinberger Straße in letzter Zeit geändert haben. "Es ist dort lauter geworden", sagt sie. "Seit mehreren Wochen beobachte ich auch, dass sich teilweise stark alkoholisierte Obdachlose rund um die Kapelle aufhalten." Grundsätzlich, betont die Moerserin, habe selbstverständlich jeder das Recht dazu. "Was ich aber sehr übel finde, ist, dass die Männer und Frauen dort hinter der Kapelle die Hosen runterlassen und jede Notdurft verrichten - samt ihrer Hunde. Der Anblick ist ekelhaft und die Lautstärke eines Friedhofs nicht würdig."

Das hat Ursula Krämer so auch der Stadt, oder genauer: dem Ordnungsamt, geschrieben. Auch den bunten Bauwagen, den das Theater dort aufgestellt hat, findet die Moerserin nicht optimal platziert. "Die Obdachlosen lagern darunter ihre Sitzmöbel", sagt sie. "Die Kapelle ist ein historisches Gebäude und der Friedhof eine Gedenkstätte. Beides sollte entsprechend gepflegt und gewürdigt werden. Es gibt doch sicher andere Plätze, an denen sich die Menschen aufhalten können."

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Tatsächlich befindet sich rund um die ehemalige Bonifatiuskirche der älteste Moerser Friedhof. Rund 70 zum Teil fast 500 Jahre alte Grabsteine stehen dort. Der Friedhof diente auch den Grafen als Grabstätte. Sie wurden in einer Gruft in der Kirche - der heutigen Friedhofskapelle - beerdigt. Ende 1800 fanden dort die letzten Bestattungen statt.

Um das Friedhofswesen kümmert sich in Moers eigentlich die Enni. "Das Friedhofsgrundstück an der Rheinberger Straße gehört heute der Stadt", sagt Sprecher Klaus Janczyk. "Weil dort keine Bestattungen mehr stattfinden, sind wir als Kommune dafür zuständig." Das Areal rund um die Friedhofskapelle sei als Szene-Treffpunkt bekannt.

"Quasi schräg gegenüber ist die Methadon-Ausgabestelle des Kreisgesundheitsamtes", sagt Janczyk. "Unser Ordnungsamt ist regelmäßig vor Ort, schaut nach dem Rechten und spricht die Leute, die sich dort aufhalten, an. Selbstverständlich kann das aber nicht rund um die Uhr geschehen. Grundsätzlich sind das freie Menschen, die ihren Aufenthaltsort selbst bestimmen und sich überall dort aufhalten dürfen, wo es auch für andere Menschen erlaubt ist - solange sie keine Ordnungswidrigkeiten begehen."

(RP)
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