Moers: Ärger um Bordell-Werbung in Genend

Moers : Ärger um Bordell-Werbung in Genend

Seit etwa einer Woche sorgen großflächige Plakate im Gewerbegebiet für Unmut. Petra Jabs, neue sachkundige Bürgerin der SPD-Fraktion im Stadtrat, würde am liebsten jedes von Hand abmontieren. Die Stadt hat kaum eine Handhabe.

Vor etwa einer Woche, auf dem Weg zum Baumarkt, sind die Plakate Konrad Göke von der SPD-Fraktion zum ersten Mal aufgefallen. Eine hübsche junge Frau lächelt den Auto- oder Lastwagenfahrer, der auf der Grafschafter Straße in Richtung Gewerbegebiet Genend unterwegs ist, von einem Foto an. Für Kosmetikwerbung sind ihre Haare zu blond und die Lippen zu rot. "100 Girls - the new generation - 11 bis 5 Uhr" steht in Neon-Schrift auf dem Pappschild. Gewerbegebieteinwärts, an der Alexander-Bell-Straße, hängen weitere Exemplare. Ganz klar, hier wirbt ein Großbordell um willige Kunden.

Petra Jabs, neue sachkundige Bürgerin der SPD-Fraktion im Stadtrat, macht das wütend. "Ich störe mich seit Jahren an diesen Plakaten, die immer wieder an verschiedenen Stellen auftauchen, weil sie ein äußerst fragwürdiges Frauenbild vermitteln", sagt sie. "Frauen werden damit unverblümt zur Ware degradiert, und das ist nicht in Ordnung. Jeder, der so ein Plakat sieht, müsste eigentlich anhalten, aussteigen und es abmontieren!"

Bei Konrad Göke rennt Jabs damit offene Türen ein. "Es ist einfach unerträglich, dass man gezwungen wird, so etwas hinzunehmen", sagt der Fraktionssprecher. "Auch, wenn es rechtlich zulässig ist."

Tatsächlich gebe es aus Sicht der Stadt kaum eine Handhabe gegen Bordell-Werbung im öffentlichen Raum vorzugehen, solang diese kein Verkehrshindernis darstellt, nicht gegen Gesetze oder Verordnungen verstößt und/oder nicht offenkundig pornografisch ist, betont Stadtsprecher Klaus Janczyk. Heißt: Weil die Blondine auf dem Plakat nicht nackt ist, und auch nirgendwo explizit steht, dass die "100 Girls" ihren Körper gegen Geld verkaufen, darf dafür geworben werden.

"Was kommerzielle Außenwerbung betrifft, hat die Stadt Moers einen Vertrag mit einem Unternehmen abgeschlossen", sagt Janczyk. "Dort muss jedes Plakat angemeldet werden." Konkrad Göke bezweifelt allerdings, dass das im Fall der Genend-Werbung geschehen ist. "Die Masche ist wahrscheinlich, es drauf ankommen zu lassen", sagt er. Das Unternehmen, mit dem die Stadt Moers in Sachen Plakatwerbung zusammenarbeitet, war für unsere Redaktion gestern nicht erreichbar.

Der Annahme, dass Kommunen grundsätzlich keine Möglichkeit haben, gegen überbordende und anstößige Bordell-Werbung vorzugehen, widerspricht im Übrigen die Stadt Trier. Dort hat der Stadtrat Anfang des Jahres entschieden, Werbetafeln für Bordelle in einem Radius von 500 Metern um Kitas und Schulen zu verbieten. Die Stadt stützt sich dabei auf das am 1. Juli vergangenen Jahres in Kraft getretene Prostituiertenschutzgesetz. Im Paragrafen 32 dieses Gesetzes geht es um ein Werbeverbot, und das besagt: Wenn Rotlichtwerbung den Jugendschutz gefährdet, findet sie nicht statt. Trier ist nach eigenen Angaben die erste Stadt in Deutschland, die gegen Prostitutionswerbung vorgeht. Der Verband der Plakatwirtschaft hat Widerstand gegen die neue Regelung angekündigt.

(RP)
Mehr von RP ONLINE