Musik in Moers: Abschied aus der Moerser Residenz

Musik in Moers : Abschied aus der Moerser Residenz

Es war das neunte und zugleich letzte Residenzkonzert des scheidenden Improvisers vom Moers Festival 2019, dem mexikanischen Vibraphonisten und Schlagzeuger Emilio Gordoa. Sein offizielles Abschiedskonzert in der Grafenstadt gibt er am 22. Dezember um 18 Uhr im Bollwerk 107. Am 11. Januar 2020 ist mit dem Übergabekonzert an seinen Nachfolger – „er ist weiblich und von ganz weit her“, so verrät Moers Festivalleiter Tim Isfort gegenüber dieser Zeitung –, dann aber endgültig Schluss.

In seiner Residenz am Kastell traf Gordoa am Sonntagabend zusammen mit dem Britten Richard Scott, seines Zeichens Komponist, Improvisator und Elektroniker, auf das Künstlerduo Uwe Oberg und Silke Eberhard. Seit fünf Jahren spielen der Wiesbadener Pianist und die Berliner Saxofonistin und Klarinettistin zusammen. Wenn vier Ausnahmemusiker zusammenkommen, liegt hochexplosive Spannung in der Luft. Dramaturgisch aufgebaut war das Konzert wie ein dialektischer Dreischritt, bestehend aus These, Antithese und Synthese. Den Aufschlag servierten Gordoa und Scott: Gordoa an einer großen Pauke mit allerlei Schlagwerkzeug und kleinen wie großen Becken, Scott dagegen mit einem kleinen Elektronik-Koffer auf dem Tisch, aus dem jede Menge Regler und Kabel herausragten, mit denen er viel Synthetisches und Bassiges produzierte. Das zweite Set spielte dann das Duo Eberhard und Oberg. Seine Klänge, erzeugt auf „klassischen Instrumenten“, einem Altsaxophon und einem Flügel, stellten eine Art musikalischen Gegenentwurf her: viel Rhythmik und Töne mit manch einer, wenn auch nur angedeuteten Melodie. Das Finale war großes Kino: Mal sorgten das Saxophon, mal die Elektronik für Atmosphäre, mal das Schlagwerk und mal das Piano. Es wurde rückgekoppelt, dem Elektroniktisch zugesetzt und auf Tasten und Saiten geschlagen. Ein Konzert zum Hören und zum (Zu-)Sehen.

Olaf Reifegerste