Moers: Abgeordneter sieht in "Tuwas" Geschäftsmodell der Zukunft

Moers: Abgeordneter sieht in "Tuwas" Geschäftsmodell der Zukunft

Die Moerser Genossenschaft gibt Langzeitarbeitslosen eine neue Chance. Überschüsse fließen sofort in neue Qualifizierungsmaßnahmen.

Für Frank Heintel und Rainer Tyrakowski-Freese musste sich dringend etwas ändern. "Wir haben uns gefragt, ob wir gegen Langzeitarbeitslosigkeit und Armut nicht etwas tun können", erinnert sich Heintel. Vor zwei Jahren kamen die beiden dann auf eine Idee. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern gründeten die beiden langjährigen Sozialfachleute die "Tuwas"-Genossenschaft und bauten das Sozialkaufhaus "Polster und mehr" auf. Dort finden heute 40 ehemalige Langzeitarbeitslose Beschäftigung, zehn davon sogar in unbefristeten Arbeitsverhältnissen. "Die meisten davon sind Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chance gehabt hätten", sagt Heintel. Außerdem können Menschen ohne finanzielle Mittel in dem Kaufhaus Möbel für kleines Geld erwerben. Das Sozialkaufhaus an der Kronprinzenstraße ist inzwischen sogar Ausbildungsbetrieb.

Mit der Gründung einer Genossenschaft beschritten Heintel und seine Mitstreiter damals Neuland, in Moers war es die erste Neugründung seit zehn Jahren. Inzwischen sind sie so etwas wie Pioniere, denn ihr Konzept ist auch in sozialpolitischer Hinsicht ein voller Erfolg. Die Genossenschaft in Trägerschaft der Diakonie hat sich ganz dem Ziel verschrieben, Arbeitslosen eine Perspektive zu geben. Bei dem Sozialunternehmen steht die Gewinnvermehrung, anders als bei klassischen Unternehmen damit nicht im Mittelpunkt. "Wenn Gewinne übrigbleiben, schaffen wir davon neue Stellen", sagt Heintel. Um Langzeitarbeitslose möglichst erfolgreich zu vermitteln, beschäftigt das Sozialkaufhaus neuerdings sogar einen Jobcoach. Fassen die Arbeitslosen auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß, profitiert davon auch der Staat, der nicht mehr für den Lebensunterhalt der Arbeitslosen aufkommen muss. Experten wie Eric Meyer und der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold bezeichnen Genossenschaften auch deswegen vorsichtig als "Modell der Zukunft".

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Meyer ist Geschäftsführer des Instituts für Genossenschaftswesen an der Universität Münster und war gemeinsam mit Giegold nun zu Gast bei "Tuwas", um über die Organisationsform zu diskutieren. Beide machten deutlich: Der größte Vorteil der Genossenschaft ist die Entscheidungsmacht der Mitglieder. Das liegt an der Organisationsform: "Jeder, der sich mit unseren Zielen identifiziert, kann für einen Preis von 500 Euro Anteile zeichnen. Jeder der das tut, erhält dafür das gleiche Stimmrecht", sagt Heintel. Bislang haben bei der "Tuwas"-Genossenschaft 35 Unterstützer Anteile gezeichnet. "Diese Mitglieder treffen ihre Entscheidungen selbst", sagte Eric Meyer. Steht eine unternehmerische Entscheidung an, entscheiden die Mitglieder demokratisch. "Auch darin unterscheidet sich die Genossenschaft von herkömmlichen Geschäftsformen", sagt Heintel, für den vor allem "die kurzen Wege und das gemeinsame Interesse" die Vorteile einer Genossenschaft sind.

(RP)
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