Panini-Börse: 682 Sticker müsst ihr sein

Panini-Börse : 682 Sticker müsst ihr sein

Ob Müller, Lewandowski oder Neymar: Sie wollen sie alle. Moerser Panini-Sammler haben sich im Cafe Extrablatt getroffen. Bis zum Endspiel sollen die Alben komplett sein.

Manuel Neuer und Christiano Ronaldo sind die großen Idole des sechsjährigen Louis, aber an diesem Abend sind ihm ausnahmsweise ein paar andere Fußballer wichtiger. Zum Beispiel Naïm Sliti. Der Tunesier, der beim französischen Erstligisten FCO Dijon unter Vertrag steht, dürfte vielen FußballFans hierzulande völlig unbekannt sein. Doch Louis kennt ihn - und er braucht Sliti. Dringend. Genau wie den japanischen Spieler Hiroshi Kiyotake und den Belgier Vincent Kompany. Deren Gesichter zieren die Sticker, die Louis für sein PaniniSammelalbum noch fehlen.

Maximilian Lempens (11) und Ralf Riebschläger tauschen ihre doppelten Bilder. Foto: Reichwein

"Wir sammeln dieses Jahr wegen der WM in Russland zum ersten Mal. Mein Sohn ist jetzt in dem Alter und plötzlich ist die ganze Familie mit dabei, sogar unser kleinster, obwohl der erst drei Jahre alt ist", sagt Vater Conrad Hüsch. "Es fehlen noch knapp 80 Bilder, dann ist unser Album komplett." Ein paar der Sticker will Louis in den nächsten Stunden ergattern - bei der Tauschbörse im Cáfe Extrablatt. Auch wenn die deutsche Mannschaft am Wochenende ihr erstes Gruppenspiel verloren hat, am Moerser Altmarkt ist die Stimmung gut. "Wir sind alle fußballverrückt, daran ändert auch eine Niederlage nichts", sagt Hüsch.

Vor dem Café treffen sich an diesem Abend knapp 50 Sammler, um während der WM die letzten Sticker zu ergattern. Ob FC-Bayern-Stars wie Mats Hummels und Thomas Müller oder kaum bekannte Torhüter aus der dänischen Liga, hier zählt jeder Spieler gleich. Hüsch hat eine Liste dabei, auf der er mit seinem Sohn notiert hat, welche Spieler der Familie noch fehlen. "Am Ende muss das Album voll sein, das ist alles, was meinen Kindern wichtig ist", sagt er und lacht. Der 44-Jährige, eigentlich eher ein Vereinsfan als WM-Gucker, wie er sagt, wurde von der Sammeleidenschaft des Sohnes angesteckt. "Als Kind hab ich auch gesammelt, aber später hat mich das nicht mehr interessiert. Jetzt ist bei jedem Einkauf mindestens eine Packung drin", sagt er. Je nach Supermarkt kostet so ein Päckchen mit fünf zufälligen Bildern zwischen 70 und 90 Cent. Für ein volles Sammelalbum muss man schätzungsweise mehrere hundert Euro investieren. "Das wollen wir uns eigentlich gern sparen und sind deshalb zum Tauschen hergekommen."

Das Café Extrablatt hat bereits im Vorfeld ordentlich die Werbetrommel für die Panini-Börse angeworfen - besonders im Netz. "Die Leute haben zwar auch bei den vergangenen Turniere im und vor dem Café getauscht, dieses Mal haben wir aber eine eigene Veranstaltung ausgeschrieben", sagt Extrablatt-Betriebsleiter Igar Stepanov. Und die Einladung zieht: Auf dem Altmarkt treffen sich die Sammler bereits vor dem offiziellen Beginn um sieben Uhr.

Der Andrang ist groß. Stepanov schickt deshalb schon eine halbe Stunde zuvor dutzende Sammler ins Obergeschoss. Dort hat das Café auch eigene Sticker ausgelegt. Für besonders seltene Sticker, die goldenen, oder Legenden wie Pelé und Mirsolav Klose wird im Verhältnis zwei zu eins getauscht. Irgendwann stehen knapp 50 Sammler um die Tische, vergleichen die Stickernummern, feilschen um fehlenden Fußballer und fachsimpeln über die WM-Spiele. "Klar, was die deutsche Mannschaft da am Wochenende abgeliefert hat, war nicht die beste Leistung", sagt ein Vater. "Aber das wird noch besser."

Währenddessen läuft Louis mit einem Stapel Sticker zwischen den Stühlen umher. Hüsch vergleicht indes die Liste mit denen der anderen Sammler. Am Ende kann er viele Zahlen streichen, voll ist das Album allerdings nicht - aber die WM hat ja auch gerade erst begonnen.

(atrie)
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