Moers: 400 Verdi-Mitglieder protestieren am Kö

Moers: 400 Verdi-Mitglieder protestieren am Kö

In einem Demonstrationszug marschierten Arbeiter und Angestellte des öffentlichen Dienstes gestern morgen zur Kundgebung am Königlichen Hof. Die Gewerkschaft fordert mehr Anerkennung und höhere Löhne.

Sie pfiffen in Trillerpfeifen. Sie ließen Pestrasseln klappern. Und sie schwenkten weiß-rote Fahnen, auf denen stand: "Wir sind es wert!" Am Dienstag versammelten sich 250 Verdi-Mitglieder vor dem Moerser Bahnhof. Und von Minute zu Minute wurden es mehr. Geschätzte 400 marschierten schließlich in einem Demonstrationszug zum Königlichen Hof, um dort mit einer Kundgebung auf die Interessen der Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst aufmerksam zu machen. "Wir bringen den Müll weg, reinigen öffentliche Gebäude und pflegen Parkanlagen", berichtete Ulrich Möwes. "Mehr Wertschätzung wäre schön."

"Wir sind es wert!": Teilnehmer der Kundgebung tragen Westen mit dem Slogan des Verdi-Warnstreiks auf dem Rücken. Foto: Christoph Reichwein

Der freigestellte Personalratsvorsitzende der Enni bezieht seine Forderung nicht nur auf das Einkommen, für das die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft 6,0 Prozent mehr Lohn und Gehalt fordert. Möwes fordert Wertschätzung. "Für viele Menschen sind die Leistungen des öffentlichen Dienstes selbstverständlich", sagte der 50-Jährige, der ebenfalls Mitglied der Verdi ist. "Entsprechend gering ist die Anerkennung."

Der ehemalige Bergmann der Zeche Niederberg in Neukirchen-Vluyn, der vor 25 Jahren zur Stadt Moers und seinem Serviceunternehmen wechselte, argumentierte aber auch aus Sicht der Arbeitgeber. "Der öffentliche Dienst muss attraktiver werden, um in Zukunft freiwerdende Stellen besetzen zu können", so Möwes. "Bei der Enni steht ein demografischer Wandel bevor. Von 280 Mitarbeitern hören in den nächsten eineinhalb Jahrzehnten 130 auf. Über Auszubildende ist das nicht aufzufangen. Schon jetzt gibt es Mitarbeiter, die abwandern, weil sie woanders mehr bekommen. Auf dem Markt mangelt es an Fachkräften, Technikern und Ingenieuren."

  • So lief der Warnstreik in Moers

Um mehr junge Menschen für Berufe im öffentlichen Dienst zu interessieren, fordert Verdi bei der bundesweiten Verhandlung in Potsdam, die Ausbildungsvergütung pauschal um 100 Euro im Monat zu erhöhen sowie die unteren Lohngruppen um 200 Euro. "Wer Fachkräfte will, muss Fachkräfte ausbilden und honorieren", unterstrich Peter Swietlik, Personalratsmitglied des Kamp-Lintforter Entwässerungsunternehmens Lineg, bei der Kundgebung.

Die Verdi-Mitglieder, die gestern neben Moers aus Neukirchen-Vluyn, Kamp-Lintfort und Rheinberg zum Königlichen Hof gekommen waren, betonten den finanziellen Spielraum, den die öffentliche Hand habe. "Die Steuereinnahmen steigen", sagte Dominik Kofent, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Linker Niederrhein. Kofent vertritt zwischen Neuss und Kleve 30.000 Mitglieder. "Die gute Kassenlage muss sich auf dem Lohnzettel wiederfinden."

Heute gehen die punktuellen Warnstreiks weiter, die am Montag in Düsseldorf begonnen hatten. Dann sollen Verdi-Mitglieder beispielsweise in Wesel und Dinslaken auf die Straße gehen. "Die Warnstreiks werden in den Betrieben angekündigt", berichtete gestern Ulrich Möwes. "Während der Warnstreiks treten immer einige neue Mitglieder ein, obwohl die Arbeit der Gewerkschaft viel mehr als nur Streik ist. Der Organisationsgrad bei der Enni Stadt und Service ist gut. Von den 280 Mitarbeitern gehören 160 Verdi an. 100 waren beim Warnstreik dabei."

(got)
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