Moers: 30 Moerser wollten Kennzeichen MO-RD

Moers: 30 Moerser wollten Kennzeichen MO-RD

Politisch war MO-RD bereits im April 2011 tot, doch der Kreis beachtete einen Hinweis nicht. 30 Moerser reservierten die Kombination.

Politische Entscheidungen verjähren nicht — erst recht nicht, wenn es sich um MO-RD handelt. Bereits im April 2011 hat der Moerser Bürgerausschuss einem Antrag zugestimmt, der das Kennzeichen MO-RD verhindern sollte. Ein entsprechender Hinweis aus dem Rathaus an die zuständige Kreisverwaltung erfolgte im Juni.

Rückblickend war die Moerser Politik wohl einfach zu schnell: Bei der Kreisverwaltung/Zulassungsstelle erinnerte sich jedenfalls niemand an die Moerser Ächtung der Kombination MO-RD. Als vor acht Tagen die Reservierungsphase für Wunschkennzeichen mit Ortskennung MO startete, war besagte Kombination normal abrufbar: 30 Moerser griffen zu, zahlten die Reservierungsgebühr und müssen sich nun dennoch mit einem anderen Kennzeichen zufrieden geben.

Denn die Kreisverwaltung hat am vergangenen Dienstag noch einmal Post aus dem Moerser Rathaus erhalten. Nach einem Hinweis der FWG-Fraktion wurden Bürgermeister Norbert Ballhaus aktiv und erinnerte Landrat Ansgar Müller an das alte Anliegen. Am Mittwoch kam dann die Antwort aus Wesel: Der Bitte wird statt gegeben — MO-RD nicht zugelassen.

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Dabei gibt es dafür eigentlich keine rechtliche Handhabe. Die bundesweite Regelung, Kennzeichen mit historisch belasteten Kombinationen (SS, HJ, SA) nicht zuzulassen, ist als Empfehlung an die Zulassungsstellen zu verstehen. Ein entsprechendes Gesetz fehlt. Ganz ähnlich ist die Situation nun in Moers. "Wir folgen einer Bitte, damit ist diese Kombination nicht mehr zulässig. Welche Kennzeichen zugelassen werden, obliegt einzig der Zulassungsstelle — in diesem Fall der Kreisverwaltung Wesel", sagt Kreissprecher Gerhard Patzelt.

Die 30 Moerser, die sich bereits ihr Wunschkennzeichen MO-RD gesichert haben, werden nun von der Zulassungsstelle kontaktiert. "Ihnen wird beispielsweise die Kombination MO-DR angeboten, sollte der Wunsch mit dem Namen des Fahrzeughalter begründet sein", sagt Patzelt. Diejenigen, die keine andere Kombination wünschen, erhalten ihre Reservierungsgebühr erstattet, versichert die Kreisverwaltung.

In Moers ist man erleichtert, dass der Fauxpas in Wesel nun ohne Folgen bleibt. Bürgermeister Norbert Ballhaus befürchtete einen Imageschaden für die Stadt: "In MO-RD erkennt man natürlich sofort den Zusammenhang mit dem Kapitalverbrechen. Ich freue mich deshalb, dass der Kreis unserer Bitte nachgekommen ist." Dem FWG-Fraktionsvorsitzenden Claus Peter Küster geht diese Reaktion allerdings nicht weit genug: "Ich erwarte eine Entschuldigung der Kreisverwaltung. Das hat jemand gepennt. Für Angehörige von Mordopfern wäre es unzumutbar gewesen, auf diese Weise ständig an das Verbrechen erinnert zu werden."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sie fahren noch mit MO-Kennzeichen

(RP/rl/jco/top)
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