Moers: 23 Flüchtlinge im Hotel, Kaltmiete: 2000 Euro

Moers: 23 Flüchtlinge im Hotel, Kaltmiete: 2000 Euro

Laut einem WDR-Bericht verursacht die Unterbringung von Flüchtlingen in Hotels in NRW Millionenkosten. Auch Moers wird genannt. Im Vergleich muss die Stadt in der Xantener Straße aber kaum etwas zahlen.

Es mag zunächst nach einem Zahlendreher klingen, was der WDR in einer landesweiten Umfrage zur Asylpolitik der größten Städte in Nordrhein-Westfalen erhoben hat. Bis zu 4500 Euro im Monat legt die Stadt Köln für ein einziges Hotelzimmer auf den Tisch, in dem mehrere Flüchtlinge wohnen. Im Durchschnitt sind 31 Euro für die Übernachtung von einer Person fällig, den Rabatt, den es für jahrelange Belegverträge gibt, schon eingerechnet. Tausende Menschen sollen in Köln in mehr als 40 ehemaligen Hotels unterkommen - trotz der hohen Preise zum Teil unter katastrophalen Bedingungen. Unter den insgesamt sechs Städten, die laut WDR Flüchtlinge in Hotels beherbergen, taucht auch Moers mit einer Unterkunft auf.

Heißt das also, in der Grafenstadt fallen ebenfalls horrende Summen für die Unterbringung von Flüchtlingen an, weit über dem was gewöhnliche Mietshäuser sonst kosten? Nein. Im dem Bericht ist Moers die einzige Stadt, für die keine Übernachtungskosten ausgewiesen sind - aus gutem Grund: Die Stadt Moers nutzt besagtes Hotel als gewöhnliches Mietshaus, die Kosten liegen weit unter den Fällen von Köln. "Ende 2014 haben wir das ehemalige Hotel Am Kamin in der Xantener Straße gemietet, nachdem die Zahlen der Asylbewerber in diesem Jahr immer weiter angestiegen waren", sagt Stadtsprecher Klaus Janczyk.

  • Bis zu 4500 Euro Monatsmiete für ein Hotelzimmer : Teure Flüchtlingsunterbringung in Kölner Hotels

Zu dem Zeitpunkt stand das Hotel bereits leer, der Betrieb war seit Jahren eingestellt. Zwischenzeitlich zog ein Restaurant in das Erdgeschoss des 1963 errichteten Baus. "Das Gebäude hat noch die Architektur, ansonsten aber nichts mehr mit einem Hotel zu tun", sagt Janczyk. Nach kleineren Modernisierungsarbeiten wurde das Objekt mit mehreren Einzel- und Doppelzimmern im Frühjahr 2015 freigegeben. Insgesamt 23 Personen können dort aufgenommen werden. Im Fachbereich Soziales rechnete man zur Eröffnung mit einer Mietdauer von fünf bis zehn Jahren. Heute wohnen dort 12 Flüchtlinge mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus, darunter eine Familie. "Für die Stadt sind die Wohnkosten dort nicht teurer als in vergleichbaren Objekten, die wir in Moers für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzen", sagt Janczyk.

Wie viel die Stadt pro Monat für die Miete in der Xantener Straße zahlt, will Janczyk nicht sagen. Der Vertrag, der noch bis November 2019 läuft, sei damals in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Stadtrats ausgehandelt worden. Nach Informationen unserer Redaktion aus einer Vorlage für die Ratsmitglieder soll die Kaltmiete aber bei 2000 Euro im Monat liegen. Das liegt deutlich unter den Kölner Zahlen. Im "Hotel" in Moers kostet eine Übernachtung bei voller Auslastung nur knapp 2,90 Euro pro Flüchtling - kalt.

(atrie)
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