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Moers: 223 Bürger gegen Flüchtlingsheim Utfort

Moers : 223 Bürger gegen Flüchtlingsheim Utfort

Bürgermeister Christoph Fleischhauer liegt seit gestern eine Unterschriftenliste vor, mit der Bürger sich gegen die Errichtung von Containern an der Rathausallee in Utfort wehren. Dort sollen männliche Asylbewerber wohnen.

Inge Kunter (70) wohnt schon ein halbes Leben in Eick-West. Sie kann sich noch gut erinnern, wie es war, als Dutzende junger Männer aus aller Herren Länder in Containern an der Rathausallee untergebracht wurden. "Da gab's viele Schlägereien." Deshalb war sie auch wenig begeistert, als sie von den Plänen der Stadt Moers erfuhr, dass auf dem städtischen Grundstück mitten in einer Wohnsiedlung erneut behelfsmäßige Unterkünfte für 40 alleinlebende Asylbewerber aufgebaut werden sollen. "Wenn das Familien wären, würde ich ja nichts sagen, aber bei 40 jungen Männern auf einem Haufen habe ich schon Bedenken."

Ähnlich sieht es auch die Verkäuferin in der Bäckerei gegenüber: "Wir wissen noch, wie das vor 20 Jahren war. Vor allem die Frauen im Viertel haben Angst." Gut eine Woche lang lagen in der Bäckerei und anderen Utforter Geschäften Unterschriftenlisten aus. Am Ende hatten 223 Bürger den Aufruf von Bernhard Pannenbecker unterschrieben, dessen Grundstück an den geplanten Containerstandort angrenzt. In seinem Schreiben an den Bürgermeister erinnert auch er an frühere Missstände: "Manche Mitbürger wurden in ihrer Ruhe gestört, manche wurden auch teilweise bestohlen. Frauen wurde nachgestellt. Die Zustände vor allem zum Ende der Asylantenzeit an der Rathausallee waren katastrophal. Die Unterschreibenden wünschen keine erneute Situation, so wie sie sie damals erlebt haben." Zudem bezweifelt der Beschwerdeführer, dass sich die Männer aufgrund der hohen Fluktuation überhaupt integrieren lassen.

Damit hat sich in Moers bereits die zweite Bürgerinitiative gegen den Bau von Flüchtlingunterkünften gebildet. Gegen die Erweiterung des Wohnheims an der Franz-Hanielstraße hatten fast 100 Anwohner mit ihrer Unterschrift protestiert.

Fleischhauer, der nicht weit von der geplanten Unterkunft in Eick-West vor, hat zwar Verständnis für die Proteste. "Man kann aber nicht einfach von einer höheren Gefährdung sprechen, nur weil da junge männliche Flüchtlinge hinkommen. Wir müssen uns jetzt mit den Bürgern zusammensetzen und zusehen, welche Sorgen wir ihnen nehmen können." Bereits terminiert ist ein Treffen des Bürgermeisters mit Anwohnern der Franz-Haniel-Straße. Im Dezember soll es einen Runden Tisch geben. Bei allem Verständnis für die Sorgen der Bürger müsse aber auch klar sein, "dass wir die unterzubringen haben, die uns zugewiesen werden."

Unterdessen gibt es auch in Utfort Stimmen, die die Unterschriftenaktion kritisch sehen. So schreibt Theo Wolsing: "Statt die Aufstellung der Container zu verurteilen, wäre es sinnvoller, auf die Betroffenen zugehen und sie bei der Eingliederung ins hiesige Leben unterstützen. Damit meine ich durchaus auch, ihnen bestimmte Regeln und Gewohnheiten der einheimischen Bevölkerung zu erklären."

(RP)