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Moers: 200 Kinder fiebern mit Schneekönigin

Moers : 200 Kinder fiebern mit Schneekönigin

Das Schlosstheater feierte gestern Premiere mit einer eigenen Version des Märchens von Hans Christian Andersen.

MOERS Plötzlich ist es stockdunkel, und Gerda ist fort. 200 Jungen und Mädchen, die gerade noch mit dem Sitznachbarn in der Festivalhalle am Solimare fröhlich getuschelt haben, verschlägt es den Atem. Denn jetzt wird es richtig spannend, sogar ein bisschen gruselig. Alle Blicke sind auf den Jungen Kai gerichtet. Er muss sich allein auf die Suche nach seiner Freundin machen, viele Rätsel lösen und Abenteuer bestehen. Dass sie in einem Theater sitzen und alles nur ein Spiel ist, haben die Kinder jetzt vergessen. Regisseurin Susanne Zaun hat für das Moerser Schlosstheater eine ganz eigene Version der "Schneekönigin" auf die Bühne in der Festivalhalle gezaubert - mit schönen Bildern, aber auch einigen Längen, die eine Herausforderung an die Konzentration des jungen Publikums sind.

In Susanne Zauns Inszenierung geht es nur vordergründig um eine Gruselgeschichte, die mit dem Auftauchen einer mysteriösen Spieluhr ihren Anfang nimmt. Dahinter verbirgt sich eine liebevolle Erzählung über Freundschaft, Zusammenhalt und Identität. Das Stück startet in der Lebenswelt der Zuschauer. Kai darf bei seiner Freundin Gerda übernachten. Beide freuen sich "wie die Schneekönige" auf ihre Mitternachtsparty im Pyjama. Sie wollen sich das Gruseln lehren, so richtig unheimlich mit Hexen, Verwünschungen und Entführungen.

Und weil in Märchen immer "etwas abgehackt wird", zum Beispiel eine Hacke, um in zu kleine Schuhe zu passen, ein Finger, um ihn als Schlüssel zu benutzen, erzählt Gerda (Marissa Möller) ihrem Freund Kai (Matthias Heße) das Märchen von der Schneekönigin. Das Stück weicht von der Märchen-Vorlage ab, die aus der Feder von Hans Christian Andersen stammt. Während sich darin das Mädchen ihren Freund suchen und viele Abenteuer bestehen muss, dreht Susanne Zaun die Geschichte um und lässt Matthias Heße als Kai auf die Suche gehen. Marissa Möller schlüpft in alle anderen Rollen und Kostüme. Mal ist sie Frau Rose, die Kai dazu bringt, immer schneller zu tanzen, dann Frau Prinz, die sich ein selbst gedichtetes Sommerlied wünscht, und zuletzt Frau Räuber im wilden Fellmantel. Ein Hingucker ist das Bühnenbild, das Mamoru Iriguchi in die Festivalhalle gesetzt hat. Jede Station, die Kai passiert, ist passend zur Situation mit Couch, Rosenstrauß und Lampenschirm oder als Räubehöhle eingerichtet.

In der Inszenierung ergeben sich immer wieder auch schöne Möglichkeiten, das junge Publikum ins Geschehen einzubeziehen. Gestern durften die Schulkinder Kai dabei helfen, die auferlegten Rätsel zu lösen. "Zaunkönig", "Herbst", "Sonnenblume" rufen sie in das Spiel hinein. Sobald Marissa Möller im Hintergrund zu sehen ist, reagieren die Kinder wie beim Kasperle-Theater und rufen: "Dort ist sie." Großen Applaus gibt es bestimmt auch in der nächsten Aufführung, wenn Sebastian Heße an der Mini-E-Gitarre ein Sommerlied für Frau Prinz anstimmt. Gestern klatschten die Kinder im Takt mit.

Das neue Kinderstück könnte für das Schlosstheater ein Erfolg werden - allein, was die Besucherzahlen betrifft. Bereits vor der Premiere gab es 3000 Kartenvorbestellungen, Vorstellungen bis ins neue Jahr sind geplant. Die nächsten Aufführungen sind morgen, am 4., 5., 9. und 10. Dezember. www.schlosstheater-moers.de

(RP)