Moers: 20 Jahre Hospiz Haus Sonnenschein

Moers: 20 Jahre Hospiz Haus Sonnenschein

Fachkräfte und Ehrenamtliche begleiten Sterbende in den Tod - und machen das Leben bis zum Schluss lebenswert.

Sterbenskranke in ruhiger und adäquater Atmosphäre auf ihrem letzten Weg zu begleiten, um dem Tod so den Schrecken zu nehmen: Dieser Aufgabe widmet sich seit 20 Jahren das Rheinberger Hospiz Haus Sonnenschein, das sich in Trägerschaft der St.-Josef-Krankenhaus GmbH Moers befindet.

Dieses Jubiläum wird im Monat März besonders gewürdigt. "Wir wollten nichts für ,Großkopferte' machen, sondern mit einem Veranstaltungsreigen zum Thema viele Menschen ansprechen", betonte St.-Josef-Geschäftsführer Ralf Nennhaus gestern. Deshalb habe man sich für eine ungewöhnliche Fotoausstellung unter dem Titel "Das letzte Hemd" sowie verschiedene Vortragsveranstaltungen, Musik und auch Kabarett entschieden. "Auch wenn wir damit eventuell anecken", betont Nennhaus. Die Vernissage ist am Samstag, 10. März, im Moerser Peschkenhaus.

Wie schwierig es war, Sterben und Tod ins (gesellschaftliche) Leben zu bringen, daran erinnert sich Beate Bergmann, seit Gründung Leiterin des stationären Hospizes in Rheinberg, noch gut. Als das Haus im Juli 1998 im Schwesternheim des ehemaligen Krankenhauses öffnete, hätten die Rheinberger vom ,Siechenhaus' gesprochen, so Bergmann. Doch wie bedeutsam die Einrichtung für den gesamten Niederrhein ist, haben Rheinberger längst erkannt: Mittlerweile 15 examinierte Pflegefachkräfte sowie 15 ehrenamtliche Mitarbeiter begleiten Schwerstkranke beim Abschiednehmen - von Gewohnheiten, Menschen und vom Leben.

Bei der Eröffnung war "Haus Sonnenschein" das erste und einzige Hospiz im Kreis Wesel. Entsprechende Einrichtungen gab es lediglich im Duisburger Norden sowie in Kevelaer. Bewohner kamen und kommen von ganzen Niederrhein sowie aus dem westlichen Ruhrgebiet. "Aber auch Menschen, die irgendwie einen Bezug zur Stadt haben, kontaktieren uns", erzählt Beate Bergmann. So wie unlängst ein Berliner, der in Rheinberg aufgewachsen war.

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Rund 1700 Menschen haben die Mitarbeiter in den vergangenen 20 Jahren auf ihrem letzten Weg begleitet. Die Bewohner verbrachten im Durchschnitt 31 Tage in der Einrichtung, die über acht Plätze verfügt. Damit fühlt sich die Einrichtung gut aufgestellt. "Es gibt aber auch Zeiten, in denen müssen wir Anfragende auf eine Warteliste verweisen", unterstreicht Beate Bergmann.

Fünf Prozent des Jahreswirtschaftsvolumens muss das Hospiz übrigens über den Träger finanzieren. "Das macht in unserem Fall 35.000 Euro aus", rechnet Nennhaus vor. Hier leistet der Förderverein seit vielen Jahren wertvolle Arbeit in Sachen Spendenakquise.

Mit der Zukunft der Rheinberger Einrichtung beschäftigt sich derzeit die St.-Josef-Krankenhaus-GmbH. Das Objekt sei hinsichtlich Bausubstanz und Einrichtung bewertet worden - eine Grundsanierung oder ein Neubau kommen in Frage. "Eine Entscheidung darüber wird in diesem Jahr fallen", sagt der Geschäftsführer.

(RP)