Moers: 13 neue Stolpersteine finden ihre Plätze

Moers : 13 neue Stolpersteine finden ihre Plätze

Gestern hat der Künstler Gunter Demnig weitere Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer der Nazis verlegt. An der Filderstraße 6 ist ein Stein Wilhelm Küsters gewidmet. Er wurde ermordet, weil er geistig behindert war.

Emotional ergreifend und aufgrund des am Mittag noch hochsommerlichen Wetters auch körperlich anstrengend gestaltete sich gestern die Verlegung weiterer Stolpersteine in Moers vor Häusern von NS-Opfern. Im üppigen Tross zogen die Teilnehmer an 13 Standorte, an denen der Kölner Künstler Gunter Demnig die Stolpersteine mit Messinghaube und Namenszug in den Bürgersteig versenkte. 69.000 sind es mittlerweile weltweit, die an Lebensorte von Menschen erinnern, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. 79 Stolpersteine sind in fünf Jahren in Moers verlegt worden. Gemeinsam engagieren sich der Verein Erinnerung für die Zukunft, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und örtliche Schulen für das Projekt.

Das Anliegen formulierte gestern Bernhard Schmidt vom Verein Erinnerung für die Zukunft: "Wir wollen die Schicksale der NS-Opfer in die Erinnerung zurückrufen." Dabei ging es um Wilhelm Jakob Küsters, dessen Eltern an der Filder Straße 6 gelebt hatten. Jakob selber lebte nie dort, sondern war an der Adresse nur gemeldet. Wilhelm Küsters, geboren am 14. Februar 1919, war geistig behindert, klein und untergewichtig. "Spät lernt er zu laufen, lernt nie zu sprechen", so Renate Irle (Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit) über den Jungen. Die Eltern erhofften sich Hilfe von Heil- und Pflegeanstalten. Ab 1924 lebte er in diversen Einrichtungen. Am 25. Mai 1943 wurde der 24-Jährigen in die Thüringische Landesheilanstalt Stadtroda verlegt. Am 6. Oktober 1943 vermerkt die Krankenakte ein plötzlicher Exitus aufgrund von Herzschwäche. "Lebensunwertes Leben" wurde beendet, sprich systematisch getötet. "Sie wurden verhungert", sagte Renate Irle.

Jugendliche des Gymnasiums Filder Benden hatten mit ihrer Lehrerin Sarah Brand eigene Beiträge vorbereitet. Unter anderem erörterten sie, wie heute Heil- und Pflegeanstalten arbeiten, wie moderne Therapien, beispielsweise bei Depressionen, greifen. Der Posaunenchor um Stefan Büscherfeld begleitete die Aktionen musikalisch. "Die Aktion ist sehr gut, damit diese Menschen nicht vergessen werden", so das Fazit der Schülerinnen Lara, Anna und Nele. "Auch in heutiger Zeit ist es immer noch enorm wichtig, ein Bewusstsein bei den Jugendlichen zu schaffen", sagte die stellvertretende Schulleiterin Gudrun Kanacher und erteilte Parolen wie "aufgezwungener Erinnerungskultur" eine deutliche Absage.

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Berührt von der Anteilnahme zeigte sich Familie Küsters, die sich mit an der Recherche zum Leben ihres Onkels beteiligt hatte. "Wir haben den Bruder unseres Vaters nie kennengelernt. Dass Jugendliche sich so mit Wilhelm auseinandergesetzt haben, finden wir sehr gut", hieß es aus dem Familienkreis.

(RP)
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