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121 neue Stolpersteine in Moers

Erinnern für die Zukunft in Moers : Elf neue Stolpersteine für Moers

Am Dienstag und am Donnerstag werden in Moers elf Stolpersteine verlegt. Die Anzahl der Steine steigt damit auf 121. Sie erinnern an die Opfer der NS-„Euthanasie“ und an den Beginn der systematischen Deportation Moerser Juden ab dem 10. Dezember 1941.

„Die große Geschichte ist abstrakt, sie bewegt nicht“, sagt Ulrich Hecker als Vorsitzender des Vereins „Erinnern für die Zukunft“. „Aber das Schicksal einer Person, einer Familie bewegt. An einer Biographie entzündet sich Anteilnahme.“ So will dieser Verein mit der Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit Moers vor allem jungen Menschen, Biographien von Personen und Familien nahebringen, die im Deutschland der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden, wie die sechs Personen der Moerser Familie Callmann. Für sie werden am Donnerstagmorgen an der Kreuzung von Baerler Straße und Klever Straße sechs Stolpersteine verlegt. Insgesamt elf Stolperstein werden am Dienstag und am Donnerstag in Bürgersteigen der Grafenstadt platziert, um an die Ermordeten und Entrechteten zu erinnern, um die Sinne für Gegenwart und Zukunft zu schärfen sowie alle Formen der Diskriminierung entschieden zu bekämpfen.

So beschreibt Heidi Nüchter-Blömecke als Mitglied der Christliche-Jüdischen Gesellschaft das Denken, das Stolpersteine in den Köpfen auslösen soll. Sie gehört dem Arbeitskreis Stolpersteine an, wie weitere rund acht bis zehn Personen dieser Gesellschaft und des Vereins „Erinnern für die Zukunft“. Dieser Arbeitskreis nahm die Idee des Kölner Künstlers Gunter Deming auf, der 1992 in der Domstadt die ersten Pflastersteine verlegte. Seit 2013 verlegt er auch jedes Jahr Stolpersteine in der Grafenstadt. Mit den neuen sind es 121. Und es könnten in den nächsten Jahren noch mehr werden, weil noch längst nicht alle Opfer aus der um 1933 etwa 350 Personen umfassenden Moerser Synagogengemeinde berücksichtigt sind. Außerdem gibt es noch eine erhebliche Zahl von Opfern der NS-„Euthanasie“, an die zu denken ist.

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Die sechs neuen Stolpersteine an der Kreuzung von Baerler Straße und Klever Straße werden dort verlegt, wo bis 1955 das Haus stand, in dem die Familie Callmann lebte. Sie erinnern auch an den 10. Dezember 1941, an dem die systematische Deportation Moerser Juden begann. Die anderen fünf Stolpersteine stehen für Personen, die Opfer der der NS-Krankenmorde, der sogenannten „Euthanasie“, wurden. Personen aus Heil- und Pflegeanstalten, die nicht als heilbar galten, wurden in besondere Einrichtungen eingewiesen, um dort ermordet zu werden. Eine davon ist Katharina Nühlen, die an der Westerbruchstraße 33 in Hochstraß wohnte.

Anfang 1940 wurde sie in die Heilanstalt Bedburg-Hau bei Kleve eingewiesen. Am 4. April wurde sie in die Tötungsanstalt von Schloss Grafenegg bei Reutlingen in Württemberg verlegt, wo sie am gleichen Tag bei der „Aktion T4“ ermordet. „Benannt war diese Aktion nach der Tiergartenstraße 4 in Berlin, wo sich die zuständige Behörde befand“, sagt Lutz Hartmann als Leiter des Arbeitskreises Stolpersteine. „T4 wurde beendet, als sich die Kirchen kritisch einschalteten. Die Morde gingen danach aber in der „wilden Euthanasie“ weiter.“

Immer sind Schulklassen eingebunden, wenn die Stolpersteine verlegt werden, am Donnerstag bei Familie Callmann zum Beispiel vom Gymnasium Adolfinum. „Das Thema ist ein Unterrichtsprojekt eingebunden“, sagt Bernhard Schmidt vom Verein „Erinnern für die Zukunft“. Auch die Stadt ist eingebunden. Dienstag ist die stellvertretende Bürgermeisterin Claudia van Dyck dabei, am Donnerstag Bürgermeister Christoph Fleischhauer.

Termine der Stolpersteinverlegung:

Dienstag: 11Uhr, Lerchstraße 25, für Ilse Schmidt, Donnerstag, 10 Uhr, Baerler Straße 64, für Familie Callmman-Sternberg, 10.45 Uhr, Westerbruchstraße 33, für Katharina Nühlen, 11.10 Uhr, Westerbruchstraße 92, für Sofi Hoffmann, 11.35 Uhr, Kornstraße 18, Pauline Hätzel,

12 Uhr, Engelbrechtstraße, für Christine Leonhards.