Moers: 100 Jahre Mode nach Maß

Moers: 100 Jahre Mode nach Maß

Das Atelier Reeker an der Neustraße 26 in Moers feiert am kommenden Samstag ein rundes Jubiläum: Gunda Lippert führt das Unternehmen in vierter Generation. Viele Prominente gehören zu den Stammkunden.

Der Name Reeker steht für Tradition. Das Atelier Reeker steht aber auch für exklusive Mode. Am Samstag begeht das Haus für "Feinste Maßanfertigung und Herrenausstattung" sein 100-jähriges Bestehen. Gunda Lippert führt das Unternehmen in der vierten Generation. Sie übernahm es 2002. "Für mich ist die Führung des weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten und angesehenen Unternehmens schon etwas Besonderes", sagt die 42-Jährige. Und sie sieht sich in der Verantwortung, es im Sinne der Gründerväter weiter zu führen und seine Individualität zu erhalten.

In der Küche genäht

Nach dem Abitur kam sie 1986 als Lehrling in den Betrieb, schnell fiel ihr Talent auf, sie absolvierte die Meisterprüfung und beschäftigt heute als Chefin fünf Gesellen und drei Auszubildende. Schneiderin Ingrid Rosenfeld feiert bereits ihre 40-jährige Zugehörigkeit zum Betrieb. Auf den Tag genau vor 100 Jahren wagte der erste Reeker, Großvater Heinrich, den Schritt in die Selbständigkeit. In der Pfefferstraße eröffnete er unter sehr bescheidenen Voraussetzungen seine erste Schneiderei. In der Küche wurde genäht, für die Anproben ging man dann ins Wohnzimmer.

Im Jahre 1933 übernahm dann sein Sohn Heinrich den Betrieb. Aber bereits in den 50er Jahren beteiligte sich der Handwerksbetrieb an Landes- und Bundeswettbewerben, und 1957 eröffnete die Reeker-Familie im eigenen Haus in Hülsdonk das erste große Atelier. 1961 stieg dann Sohn Heinz in das Unternehmen ein, absolvierte nach der Lehre die Modeschule in München und übernahm 1970 das väterliche Erbe. Seit 1976 schließlich hat das Maßatelier sein Domizil in der Neustraße 26. "Hier bieten wir neben der Maßanfertigung auch Herren-Konfektion an", so Gunda Lippert. Die feinen Stoffe bezieht die Schneidermeisterin aus Italien, England und Frankreich." Die Italiener aber sind die Favoriten", betont die Fashion-Anhängerin. "Unsere Kunden kommen aus ganz Deutschland, sie kommen aus Hamburg und aus München." Ministerpräsidenten waren darunter, Fernsehgrößen, auch ein Bundespräsident ließ sich bei Reeker einkleiden. In Krisenzeiten griffen die Gründer auch schon mal zum Telefonbuch, notierten sich Anschriften von Honoratioren, besuchten sie mit ihren edlen Stoffen, um sie so als Kunden zu werben. Und das oft auch mit Erfolg. Heute zieren lange Reihen von Trophäen als Anerkennung für "Hervorragendes modisches Schaffen" die Wände des Ateliers. "Diese Anerkennungen bekommen wir allerdings nicht geschenkt", bemerkt die Chefin. Auch Jörg Winkelsträter überreichte ihr gestern im Auftrage der Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel als Würdigung eine Urkunde "Zum 100-jährigen Bestehen."

(RP)