Mönchengladbach: Zwölf Quadratmeter Dante

Mönchengladbach: Zwölf Quadratmeter Dante

Auf zwölf großformatigen Holztafeln hat der Sakralkünstler Wolfgang Franken Dantes "Göttliche Komödie" in Szene gesetzt. Sie sind für das Naturheilkundehaus in Wuppertal bestimmt. Bald muss Franken sich von den Bildern trennen.

Mächtig stehen sie in seinem Atelier. Vier Tafeln zeigen Höllenszenen, auf sechs ist der Läuterungsprozess - das Fegefeuer - zu sehen, dann folgt der Eingang zum Paradies und - endlich - das Ankommen im Paradies. Das ist gelb, orange und blau - verheißungsvoll. Jedes Bild misst einen halben an zwei Meter, macht zusammen zwölf Quadratmeter Dante. Dessen "Göttliche Komödie" hat Wolfgang Franken 30 Jahre lang beschäftigt. Schon früh hat sich der Sakralmaler auf die große Vision Dante Aligheris eingelassen.

Und jetzt endlich hat er sie künstlerisch in Szene gesetzt. Drei Monate lang hat er an den Bildtafeln gearbeitet, dazu klassische Musik gehört und gelegentlich eine schlaflose Nacht verbracht. Sinnend, wie es weitergehen soll. Jetzt ist das große zwölfteilige Werk vollendet und wartet auf den Transport nach Wuppertal. Dort sollen die zwölf Bildtafeln im Naturheilkundehaus dauerhaft gezeigt werden. Darüber freut sich Wolfgang Franken, er wird sie aber auch vermissen, wenn sie aus seinem Atelier verschwunden sind.

Bettina Witting leitet das Naturheilkundehaus in Wuppertal, in dem naturheilkundliche Therapien gelehrt, und Aus- und Fortbildung in naturheilkundlichen und therapeutischen Berufen angeboten werden. "Sie hatte von meiner Ausstellung im Kloster Neuwerk erfahren und kam mich dort besuchen", sagt Wolfgang Franken. Von den religiösen Arbeiten war sie so begeistert, dass der Kontakt blieb. Ende vergangenen Jahres hielt Franken in dem Wuppertaler Haus ein Symposium zu Dantes "Göttlicher Komödie" ab, dann folgte der große Auftrag.

Die Seelen, die Wolfgang Franken durch die Hölle und das Fegefeuer irren lässt, haben keine Gesichter. In dem ganzen Zyklus taucht genau ein Auge auf - im letzten Bild, das den Angekommenen im Paradies mit einem Auge zeigt. "Der hat das Göttliche gesehen", sagt der Künstler. Er sieht in der Erzählung Dante Aligheris eine Parallele zum Kreuzweg und zum Osterfest. "Da ist langes Leiden und endlich die Erlösung."

  • Probleme im NRW-Berufsverkehr : Acht Kilometer Stau auf der A52

Die Reihe der Höllenbilder ist in gedeckten Farben gehalten. Die Verdammten werden drangsaliert von spitzen Dornen und feurigem Regen. Ausgesprochen expressiv hat der Künstler mit flottem Pinsel weiße Farbe über die Szenen gewischt. Sie deuten das Treiben, Getriebenwerden, Haltlose der gesichtslosen Seelen an. Aber auch die Bewegung, die sie letztlich zum Läuterungsberg treibt. Die Verdammten kämpfen sich durch den Berg, bis sie auf dem Gipfel endlich das irdische Paradies finden.

Wolfgang Franken hat den Aufbau und die Komposition jeder einzelnen Bildtafel exakt geplant. Auf maßstabgerechten Papierblättern hat er die Geschichte Bild für Bild aufgebaut. Dann hat er sich an die großen Formate gewagt und Szene für Szene in der zeitlichen Abfolge gemalt. "Ich habe während der Arbeit die Phasen selbst durchlebt", sagt er. Sie haben ihn auch nachts beschäftigt. "Diese Geschichte lässt einen ja nicht unberührt", sagt der Sakralkünstler.

In einigen Tagen wird die "Göttliche Komödie" das Atelier Frankens verlassen. Dann hat er wieder Platz - für neue Arbeiten. Pläne hat Franken bereits. Bevor er die jedoch angeht, wird er einen runden Geburtstag feiern. Morgen wird der Künstler 70 Jahre.

(isch)
Mehr von RP ONLINE