Serie Junge Macher Aus Mg: Zwischen Frühschicht und Wasserschlacht

Serie Junge Macher Aus Mg : Zwischen Frühschicht und Wasserschlacht

Als Schulsanitäter haben Daniel Schmitz und Annika Schulz gelernt, wie sie Mitschülern helfen können. Nun wollen sie ihr Wissen weitergeben.

An seinen ersten großen Einsatz erinnert sich Daniel Schmitz noch gut. Der heute 24-Jährige war 13 Jahre alt und Schüler der Gesamtschule Espenstraße, als er als ausgebildeter Schulsanitäter per Alarm-Signal zu einem Einsatzort gerufen wurde. Dort erwartete ihn ein schreckliches Bild: ein offenes Knie, viel Blut, die Kniescheibe deutlich zu sehen. Um den Verletzten hatte sich eine kleine Traube von Menschen gebildet, die - ebenfalls unter Schock stehend - ratlos herumstanden. Auch Schmitz schreckte kurz zusammen, als er die Verletzung sah. Dann aber rief er den Rettungsdienst, hielt das Knie ruhig, schiente es, deckte die Wunde steril ab, forderte die Schaulustigen auf zu gehen und beruhigte sanft den Verletzten. Ganz so, wie er es zuvor in der Ausbildung gelernt hatte.

Erst später, als die Sanitäter eintrafen, wurde Schmitz bewusst, was er gerade getan hatte: Dass er durch seinen Einsatz jemanden wirklich helfen konnte. Schnell stellte sich durch die Anerkennung seiner Lehrer und Mitschüler ein Gefühl des Stolzes ein, das sich vergrößerte, als der Verletzte sich nach seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus bei Schmitz für dessen Hilfe bedankte.

Auch für die 21-jährige Annika Schulz war ihr erster Einsatz prägend. Es war ihre allererste Schulsanitätsdienstschicht, als sie 2011 in der Gesamtschule Neuwerk auf einen Verletzten mit Beinbruch traf. Durch einen regelrechte Kurve im Bein, erkannte Schulz den Bruch sofort. Sie alarmierte den Rettungsdienst und schiente das Bein. Als die Sanitäter eintrafen, zweifelten diese an der Diagnose und machten sich zunächst über Schulz lustig. "Als sie dann aber das Bein sahen, mussten sie feststellen, dass ich Recht hatte. Manchmal wird dem Schulsanitätsdienst eben noch nicht so viel Vertrauen geschenkt. Dabei hat auch er bereits viel drauf", sagt sie.

Der Schulsanitätsdienst und die Möglichkeit, etwa bei Schul- und Sportfesten im richtigen Moment zur Stelle sein zu können, wurden schnell zur Leidenschaft von Daniel Schmitz und Annika Schulz. "Ich hatte schon immer Interesse daran, Menschen zu helfen. Auch mein Vater, der in der Feuerwehrleitstelle der Berufsfeuerwehr arbeitet, hat mich inspiriert", sagt Daniel Schmitz. Annika Schulz führte zunächst das Verliebtsein in einen Schulsanitäter in die Erste-Hilfe-Ausbildung. Aus der jungen Liebe wurde zwar nichts, dafür wuchs jedoch Schulz' Liebe zum Sanitätsdienst immer weiter. Bis zu ihrem Abitur leitete sie den Dienst in Neuwerk und lernte worauf es ankommt, wenn jemand Hilfe braucht. "Manchmal reicht es schon, die Hände der betroffenen Person zu halten und zu sagen, dass alles gut wird. Der häufigste Fall in der Schule ist tatsächlich ein Kreislaufkollaps wegen schlechter Noten - noch vor Sportverletzungen", sagt Schulz. Auch Schmitz blieb dem Sanitätsdienst bis zu seinem Abitur an der Gesamtschule Espenstraße treu.

Schaut man sich den Weg der beiden nach dem Abitur an, finden sich weitere Ähnlichkeiten: Sowohl Daniel Schmitz als auch Annika Schulz machten einen eineinhalbjährigen Freiwilligendienst bei der Johanniter-Unfall-Hilfe und schlossen den Freiwilligendienst zusätzlich mit einer bestandenen Prüfung als Rettungssanitäter ab. Daniel Schmitz arbeitet heute weiterhin als Rettungssanitäter bei den Johannitern. Los geht es morgens früh, dann stehen neun Stunden Schicht auf der Wache an, bei denen Schmitz nie genau weiß, was ihn erwartet, wenn das nächste Mal der schrille Alarm erklingt und nur eine knappe Information über den Einsatzort auf dem Melder erscheint. "Dass kein Einsatz wie der andere ist, macht für mich aber gerade den Reiz der Arbeit aus. Man muss in jedem Fall individuell auf den Patienten eingehen: vom Akademiker, der unbedingt mit seinen Titeln angesprochen werden möchte, bis zum Bewohner einer Sozialwohnung, der bereits seit Tagen im Bett liegt", sagt Schmitz.

Annika Schulz befindet sich derzeit in der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin am Krankenhaus Bethesda. Um 4 Uhr morgens steht sie auf, um 6 Uhr beginnt die die Frühschicht, um kurz vor 14 Uhr ist die Schicht beendet. Für Schulz ist die Lust, anderen Menschen zu helfen, damit jedoch nicht befriedigt. Wenn sie ein paar Tage frei hat, meldet sie sich als ehrenamtliche Kraft auf der Wache der Johanniter-Unfall-Hilfe und fährt mit ihren Kollegen - ihren Freunden - den Einsatzwagen. Für sie heißt das: "Zur Ruhe kommen".

Besonders wichtig ist Annika Schulz und Daniel Schmitz aber die Jugendgruppe, die sie in geraden Kalenderwochen immer freitags von 17.30 bis 19 Uhr leiten. 18 Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren treffen sich dann in der Johanniter-Dienststelle im Dohrweg 59. Gemeinsam lernen sie, wie Verbände richtig angelegt werden, wie man erkennt, welche Ursache dahinter steckt, wenn ein Patient einen Krampfanfall erleidet oder wie man einen Patienten richtig beruhigt. Auch in den Kletterpark oder in das Freibad geht es mal.

Gerade bereitet sich die Gruppe auf einen Erste-Hilfe-Wettkampf vor, Ende Juni soll es wieder einen "24-Stunden-Tag" geben, bei dem Jugendliche eine simulierte 24-Stunden-Schicht erleben können. Über Pfingsten geht es in ein Zeltlager mit Kindern und Jugendlichen aus ganz Deutschland. "Vor ein paar Jahren hat es dort sogar eine riesige Wasserschlacht mit bestimmt 500 Teilnehmern gegeben", erinnert sich Daniel Schmitz lachend.

Jetzt wurden Annika Schulz und Daniel Schmitz für Mönchengladbach in das Führungsteam der Johanniter-Jugend im Regionalverband Niederrhein gewählt. Schmitz als Leiter, Schulz als seine Stellvertreterin. Das bedeutet fünf Stunden ehrenamtliche Arbeit, die durch Telefonate und E-Mails pro Woche zu der Vorbereitung der Jugendgruppe dazu kommt. Zu viel wird das Schulz und Schmitz aber bislang nicht. Sie wollen für alle Kinder und Jugendliche im Regionalverband ein vielfältiges Programm schaffen und die Jugend so für den Rettungsdienst motivieren. "Es gibt nichts wichtigeres, als früh mit der Ersten Hilfe anzufangen. Und auch wenn die Arbeit mal stressig ist und der Rücken schmerzt: Am Ende des Tages weiß man, dass man etwas Gutes erreicht hat", sagt Schulz.

(mcv)
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