Mönchengladbach: Zwerg Nase und eine optimistische Gans

Mönchengladbach: Zwerg Nase und eine optimistische Gans

Aleander Betov richtet das Märchenstück nach Wilhelm Hauff wunderbar kindgerecht als Figurentheater ein. Mit viel Musik und Witz werden die kleinen und großen Theaterbesucher bestens unterhalten. Die Premiere war ausverkauft.

Eine gute Stunde dauert die Aufführung, doch diese 65 Minuten im Theaterstudio haben es in sich: Zwei schmale, architektonisch waghalsig geneigte Häuser rahmen die kleine Bühne, ihre Form und Farbigkeit lassen an Hundertwasser denken. Dazwischen Körbe, prall gefüllt mit Gemüse und Obst. Hier ist die Heimat von Jakob (Christoph Bertram), der auf Geheiß seiner Mutter (Nina Rejek) mit den Kiepen zum Markt ziehen soll, um die frischen Waren zu verkaufen.

Und schon setzt es Rauch und Grusel: Eine Hexe macht Jakobs Plan zunichte. Mit Magie zwingt die krallenfingrige Alte mit der Hakennase und den schlackernden Armen und Beinen den Jungen zu sich nach Hause, bildet ihn zum Koch wider Willen aus. Kaum hat Jakob von seinem ersten Süppchen probiert, verwandelt sich der arme Kerl in einen Zwerg mit langer Nase.

Ausverkauft ist die Premiere der neusten Puppentheater-Inszenierung des Theaterchorsängers Alexander Betov, der in seiner bulgarischen Heimat seine Liebe zu dieser Gattung des Kindertheaters entdeckte. Auch "Zwerg Nase" ist wieder ein Gemeinschaftswerk von ihm und seiner Chorkollegin Sabine Sanz, die das Hauff-Märchen für die Bühne bearbeitete. Als Profimusiker haben die beiden wieder alle musikalischen Register gezogen: Eine Friseurpuppe singt aus dem Fenster die berühmte Tempo-Arie des Figaro aus Rossinis Oper "Der Barbier von Sevilla", und Sabine Sanz hat auch vor einer lustigen Parodie auf die Arie der Königin der Nacht (aus Mozarts "Zauberflöte") keine Bange. Toll, diese selbst vorher produzierten Musikbeiträge! Nicht minder eindrucksvoll die fantasievollen Puppenkreationen, allesamt nach Betovs Entwürfen.

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Sein Prinzip, die Darsteller der Figuren mit diesen eng an den Körper montierten Kostümen agieren zu lassen, bewährte sich auch in "Zwerg Nase" aufs Neue. Und nötigt großen Respekt für die Spiel- und Sprechleistung der beiden Schauspieler ab. Sabine Sanz hat sich witzige Dialoge mit viel Liebe zu kurzweiligen Verweisen ausgedacht: "Stillgestanden und nicht gerührt, erst wird gekocht und dann serviert", fordert die Hexe, die mit fiesem, schrillem Lachen ihren Charakter offenbart. "Gänsefleisch und Schweinespeck, das ist mein idealer Lebenszweck", rappt der dicke Herzog frei nach der Operette "Der Zigeunerbaron", sein knurrender Magen drängt ihn dazu, einen Koch zu finden. Das ist dann natürlich - Jakob.

Eine misslungene Pastete bringt die Wende zum Guten: Jakob rettet die Gans, die in einem großen weißen Reifrock in der herzoglichen Küche schmachtet. Mimi denkt jedoch stets positiv, erinnert sich rechtzeitig an das rettende Zauberkräutlein "Nies-mit-Lust". Das perfektioniert nicht nur die Speise für den französischen Gourmet-Gast des Herzogs, sondern verwandelt Jakob wieder in seine natürliche Gestalt und die schlaue Gans zu einer jungen, hübschen Frau zurück. Ende gut, alles gut. Und der Schlussapplaus bestätigt dies entschieden.

Eine weitere Aufführung von "Zwerg Nase" folgt Sonntag, 12. März, 15 Uhr, im Theaterstudio.

(ri-)
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