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Mönchengladbach: Zwei Schafe für die Paul-Moor-Schule

Mönchengladbach : Zwei Schafe für die Paul-Moor-Schule

Tierparkchefin Katrin Ernst übergab der Förderschule gestern die beiden Kamerunschafe Rica und Schnucki. Auf dem Gelände im Hardter Wald leben diese sich in ihrem neuen Zuhause ein. Tiere spielen eine große Rolle im Unterricht.

Es klingelt zur Pause. Die Kinder stürmen aus dem Klassenraum. Mitten im lebhaften Gewusel - Janosch. Der Deutsch-Kurzhaar-Rüde ist die Ruhe selbst. Geduldig wartet er, bis die Kinder ihre wetterfesten Klamotten angezogen haben. Dann geht's nach draußen. Diese Pause unterscheidet sich von den meisten anderen: Die Schafe werden gebracht. Aufgeregt halten die Schüler bunte Schilder hoch: "Herzlich willkommen, Rica und Schnucki" steht darauf. Und dann sind sie da. Die Tierparkleiterin, Dr. Katrin Ernst, sitzt höchstpersönlich am Steuer des Autos, das den Anhänger auf den Schulhof zieht. Zwei große Transportboxen werden in das Gehege geschleppt, die Klappen geöffnet. Und dann springen sie heraus. Rica und Schnucki stürmen los, schlagen Haken, machen eine Vollbremsung am Gatter. Die Kinder sind begeistert.

"Herzlich willkommen: Mit bunten Plakaten hießen Schüler und Lehrer die beiden Schafe willkommen. Foto: Hans-Peter Reichartz

Seit 30 Jahren spielen Tiere in der Paul-Moor-Schule am Rand des Hardter Waldes eine wesentliche Rolle. "Anfangs gab es Therapiepferde und drei Hängebauchschweine", sagt Konrektorin Marion Middendorp. Die Schweine hauten häufig ab und sausten durch den Hardter Wald. Der Hausmeister und die Polizei immer hinterher. "Damals wurde ernsthaft überlegt, die Tiere komplett abzuschaffen." Aber dann entschied sich die Schulleitung genau für das Gegenteil. "Im Laufe der Jahre haben wir immer mehr Tiere angeschafft", sagt Klaus Kohn. Für die geistig und körperlich oft schwerstbehinderten Schüler bietet der so genannte tiergestützte Unterricht große Chancen, sich auf den Alltag als Erwachsener einzustellen. Heute gibt es in der Schule, die von 130 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen besucht wird, Hühner, Katzen, Kaninchen, Ponys, Hunde, Fische, eine Schildkröte und - Rica und Schnucki.

Die beiden Kamerunschafe sind inzwischen zur Ruhe gekommen. Seite an Seite stehen sie in dem Gehege, das in Eigenleistung und mit finanzieller und tatkräftiger Unterstützung des Unternehmens AFL Telecommunications GmbH und der Santander-Bank gebaut wurde. "Ohne Freunde und Förderer könnte die Schule das alles nicht stemmen", sagt Klaus Kohn.

Wozu die Tiere im Schulbetrieb gut sind, erklärt Marion Mideendorp: "Unsere Schüler haben klare Aufträge. Sie müssen die Ställe und Gehege sauber halten und die Tiere versorgen." Selbst extrem emotional gestörte Kinder entwickeln Vertrauen über die Tiere. "Die Tiere heilen die Seele der Kinder", so drückt es Marion Middendorp aus. Allein die Anwesenheit etwa von Janosch im Unterricht würde die Schüler beruhigen.

Katrin Ernst hat der Schule schon die nächste Ideee geliefert. Das Projekt "Stabheuschrecken" soll noch in diesem Jahr angegangen werden. "Die Stabheuschrecke ist das ideale Schultier", sagt die Tierparkchefin. "Sie sind pflegeleicht, sind nicht laut, stinken nicht, und sie können nicht fliegen." Die Schüler übernehmen die Verantwortung für die Pflege der Terrarien (dafür werden noch Sponsoren gesucht!) und für die Tiere. Und dann werden wohl demnächst auch Esel die Schule bereichern und Schüler und Lehrer erfreuen. Die Eselfreunde Kathrin Reiners und Jens Dix wollen dabei helfen. Sie waren gestern im Hardter Wald, um die Ziegen zu begrüßen. Und ein Geschenk hatten sie auch dabei - einen Salz-Leckstein mit Karotten-Gebinde. Rica und Schnucki wird es gefreut haben.

(RP)