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Mönchengladbach: Zuwanderer bevorzugen?

Mönchengladbach : Zuwanderer bevorzugen?

Die Verwaltung will bei Bewerbungen Menschen mit Migrationshintergrund bei gleicher Eignung bevorzugen. Das sehen CDU und FDP anders. Darum entscheidet der Rat erst im kommenden Jahr.

Gülistan Yüksel staunte nicht schlecht über den Verlauf der letzten Ausschussitzung. Die Vorsitzende des Integrationsrates stieß aus beruflichen Gründen erst verspätet zur Sitzung dazu und wunderte sich darüber, dass die Tagesordnung bereits so weit fortgeschritten war. Und noch mehr habe sie sich über die nicht genehmigte Beratungssvorlage zur interkulturellen Öffnung der Verwaltung gewundert – obwohl diese zuvor Gegenstand eines Arbeitskreises gewesen und „dort ausführlich diskutiert worden war“.

FDP hat Beratungsbedarf

Die Vorlage sieht vor, dass die Verwaltung bei allen Neueinstellungen und besonders bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen, Bewerber mit Migrationshintergrund bei gleicher Eignung verstärkt berücksichtigen soll. Das hieße für die städtischen Behörden, dass diese Maßnahmen entwickeln müssten, die eine Erhöhung der Beschäftigtenzahlen mit Migrationshintergrund bewirken.

Der Anteil in der Verwaltung würde dann idealerweise auch in etwa dem Anteil der Migranten in der Stadt entsprechen. „Migranten in der Verwaltung können Türöffner für Migranten in Mönchengladbach sein und helfen, das teils belastete Verhältnis untereinander zu verbessern“, heißt es als Begründung in der Vorlage.

Die FDP äußerte allerdings Bedenken hinsichtlich des Vorschlags und meldete in Person von Ratsherr Dr. Uwe Aschmutat zusätzlichen Beratungsbedarf an. Will heißen, dass die FDP bis zur nächsten Sitzung des Integrationsrates Erfahrungsberichte aus anderen Städten prüfen möchte, die – wie etwa Düsseldorf – nach einem ähnlichen Konzept verfahren. „Uns war die Verwaltungsvorlage schlichtweg zu dürftig“, sagt Aschmutat. Er betont, dass die FDP grundsätzlich nicht gegen derartige Vorschläge sei. Sie sehe in dieser Sache aber keinen zwingenden Handlungsbedarf. In dieser Argumentation wird die FDP von der CDU unterstützt, die in erster Linie Bedenken hinsichtlich der Formulierung geäußert hatte. „Egal, wie man ein solches Papier aufsetzt, irgendwem tritt man damit immer auf die Füße“, sagt Wolfgang Oertel, Mitglied der CDU im Integrationsrat. „Man kann doch weder einem Gladbacher noch einem Migranten plausibel erklären, dass bei gleicher Qualifikation einer von beiden bevorzugt oder benachteiligt wird.“ Vielmehr sei es ohnehin Gang und Gebe, dass gut ausgebildete Menschen bevorzugt eingestellt würden – egal, welcher Nationalität sie angehören. Ein derartiges Schriftstück sei demnach nicht zwingend nötig.

Gülistan Yüksel hofft auf eine schnelle Klärung der offenen Fragen. „Schließlich ist Integration eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wenn diese gewünscht ist, sollte sie auch überall umgesetzt werden“, so Yüksel. „Die ethnische Vielfalt der Stadt sollte auch in der Verwaltung abgebildet sein – auch, um Migranten leichter ansprechen und betreuen zu können.“

(RP)