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Mönchengladbach: Zinsschraube sitzt locker

Mönchengladbach : Zinsschraube sitzt locker

Wenn die Börsen abstürzen und sich die Geldmarktpolitik ändert, wirkt sich dies auf die Finanzsituation der Stadt aus. Denn sie finanziert ihre Schulden über Kredite. Momentan sieht es danach aus, als würden die Zinsen sinken.

Börsencrash, volatile Märkte, sinkende Zinsen — dies sind nicht nur für Wirtschaftsexperten, Unternehmenslenker und Banker hochinteressante Zeiten. Auch die Finanzfachleute bei der Stadt schauen immer auf die neuen Entwicklungen. Denn sie wissen: Jeder Ausschlag, jede Nachricht und jede Stimmungsänderung auf den Weltmärkten kann Auswirkungen auf die Finanzsituation der Stadt haben. "Ich schaue morgens als erstes auf die aktuellen Hypothekenkonditionen einer Mönchengladbacher Bank. Dann bekomme ich einen Gesamteindruck, wie ich die Situation einschätzen muss", sagt Stadtkämmerer Bernd Kuckels. Denn wer rund 1,2 Milliarden Euro Schulden verwalten muss, ist darauf angewiesen, jede mögliche Zinsänderung sofort zu nutzen.

Bei Kuckels sind es keine Hypothekendarlehen. Die Verbindlichkeiten der Stadt bestehen im wesentlichen aus Kassenkrediten zu Tagesgeld-Konditionen oder Laufzeiten von drei oder fünf Jahren. Noch vor wenigen Tagen, als der brummende Konjunkturmotor nur eine Richtung — nämlich die nach oben — zu kennen schien, war Kuckels etwas pessimistisch: Denn da sah es ganz genau danach aus, als würde die Zinsschraube angezogen werden. Und jeder halbe Prozentpunkt mehr sorgt bei der Stadt für neues Ungemach, weil damit auch die Kredite teurer werden und die Schulden weiter steigen.

Von den etwas niedrigeren Konditionen hat die Stadt schon profitiert. "Gestern haben wir zwei Kredite für weitere drei Jahre festgeschrieben. Bei dem einen lag der Zinssatz bei 1,995 Prozent, beim anderen bei 2,08 Prozent", sagt Kuckels. Wesentlich wichtiger sind für ihn aber die Tagesgeld-Konditionen — und da wird die Zinsschraube noch nicht nach unten gedreht. Die Stadt, die derzeit 850 Millionen Euro über Kassenkredite finanziert — sie sind vergleichbar mit den Dispo-Krediten von Privatleuten —, hat davon 450 variabel festgelegt, für den Rest gibt es Bindungsfristen von drei oder fünf Jahren. 2010 lagen die Zinsen für Tagesgeld im Schnitt bei 0,56 Prozent. Markant höhere Zinsen würden der Stadt noch schneller den finanziellen Kollaps bringen.

Bis jetzt geht Kuckels' Rechung auf. Für das vergangene Jahr hatte er eine Gesamt-Zinsbelastung von einem Prozent in den Haushalt geschrieben. In diesem Jahr sind es 1,5 Prozent — derzeit sieht es ganz danach aus, als ob die Mischfinanzierung aus festen und variablen Zinsen es möglich macht, dass dieser Wert nicht überschritten wird. Für 2012 geht Kuckels von zwei, 2013 von drei und 2014 dann von 3,5 Prozent aus.

Doch diese Kalkulationen haben mehrere Unbekannte. Und eine sich verschlechternde Weltkonjunktur wirkt sich auch immer negativ auf die Finanzsituation der Stadt aus. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass dann die Einnahmen aus der Gewerbesteuer sinken, ist sehr groß. Und die war zuletzt um neun auf 135,8 Millionen Euro gestiegen. Weitere Verbesserungen um bis zu 15 Millionen Euro bis 2014 weist Kuckels' Finanzplan ebenfalls aus.

(RP)