Mönchengladbach: Zeitarbeitsfirmen wollen Gütesiegel

Mönchengladbach : Zeitarbeitsfirmen wollen Gütesiegel

SPD-Bundestagsabgeordnete Gülistan Yüksel hospitierte bei Start NRW.

Vor zwei Jahren wagte Ali Sharbaawi mit Mutter und drei Geschwistern die Flucht aus dem syrischen Aleppo nach Deutschland. Nach seiner Ankunft machte der 24-Jährige Sprachkurse, Praktika und den Pkw-Führerschein. Sein Ziel war es, schnell einen Job zu finden. Anfang November 2017 stellte er sich bei der Zeitarbeitsfirma Start NRW vor. "Was uns am meisten erstaunt hat, war seine Motivation", so Thomas Hansen, Leiter der Niederlassung an der Lüpertzender Straße. Nach nur zwei Wochen hatte Sharbaawi eine Stelle in einem Industriebetrieb. "Die Arbeit gefällt mir, die Kollegen sind alle sehr nett zu mir", erklärt der Syrer. So positiv wie Sharbaawi sehen aber nicht alle das Thema der Zeit- und Leiharbeit.

Zu den Skeptikern gehört die SPD-Bundestagsabgeordnete Gülistan Yüksel. "Zeitarbeit war für mich immer ein rotes Tuch. Die Tatsache, dass im Vergleich zu Festangestellten weniger Lohn für die gleiche Arbeit gezahlt wird, ließ bei mir den Eindruck der Ausbeutung aufkommen", sagt die Politikerin. Als sie die Einladung bekam, in einem Büro einer Zeitarbeitsfirma zu hospitieren, nahm sie dies an. "Ich wollte mehr über die Branche und speziell über eine regionale Zeitarbeitsfirma erfahren" - auch im Hinblick auf die Arbeitsmarktintegration von Migranten.

"Unser Anliegen ist es, Menschen zu helfen, die nicht auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Wir richten uns besonders an junge Menschen, Berufsrückkehrer, Migranten und Minderqualifizierte", erklärte Start-Geschäftsführer Markus Tesch der SPD-Politikerin.

Durch Beratungen würden Qualifikationen, Fähigkeiten und Interessen eines jeden Bewerbers geprüft, anschließend wird versucht, ihn an eine Kunden-Firma zu vermitteln. Zu kämpfen habe die Zeitarbeitsfirma vor allem mit dem Imageproblem der Branche. "Es gibt Unternehmen, die nur darauf aus sind, Profit zu machen. Den Arbeitssuchenden eine langfristige Perspektive zu verschaffen oder darauf zu achten, dass die Kunden-Firma keine Ausbeutung betreibt, rückt oft in den Hintergrund", sagt Tesch.

Die Zusammenarbeit mit namhaften Unternehmen, die Bezahlung der Beschäftigten nach Tarifverträgen und die Betreuung der Angestellten auch nach der Vermittlung sollen helfen, das Image zu verbessern. "Wir bräuchten eine Art Gütesiegel für Zeitarbeitsfirmen, an dem Arbeitssuchende qualitativ gute Firmen erkennen können", forderte Tesch im Gespräch mit Yüksel.

Stolz sei er auf die "Partnerschaftliche Ausbildung". Dies ist ein Angebot für junge Menschen, einen Arbeitsvertrag mit der Firma einzugehen und in einem Betrieb - meist Industrie und Handwerk - in die Lehre zu gehen. "Dieses Projekt hat seit seiner Entstehung 2004 sehr viele Ausbildungsplätze geschaffen, wo sonst keine wären", so Tesch. "Denn viele oft kleinere Unternehmen schrecken vor dem immensen Bürokratie-Aufwand zurück, den ein Auszubildender mit sich bringt."

Am Ende ihrer Hospitation war Yüksel positiv überrascht.

(dola)
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