Mönchengladbach: Zalando-Expansion bringt 700 neue Jobs

Mönchengladbach : Zalando-Expansion bringt 700 neue Jobs

Durch die am Mittwoch verkündete Erweiterung entsteht in Güdderath Europas größtes Zentrum für elektronischen Handelsverkehr. Mit dem Bauvorhaben springt der Regiopark zudem erstmals auf die Nachbargemeinde Jüchen über.

Ob bei der Vertragsunterzeichnung am Montagabend tatsächlich vor Glück geschrien wurde, wie es im Zalando-Werbespot heißt, ist nicht überliefert. So viel aber ist sicher: Die am Mittwoch verkündete Erweiterung des Internet-Versandhändlers im Regiopark um 56.000 Quadratmeter bedeutet für die Stadt einen neuerlichen "Tag der Freude", wie Oberbürgermeister Norbert Bude es ausdrückte. Aber auch für die Nachbargemeinde Jüchen, auf deren Gebiet der Regiopark mit der Expansion erstmals überspringt.

Durch die Erweiterung schafft Zalando auf der Ortsgrenze das größte reine E-Commerce-Zentrum (elektronischer Handelsverkehr) in Europa. "Der Logistikpark wird mit 134.000 Quadratmetern sogar noch 6000 Quadratmeter größer als Zalandos Standort in Erfurt", sagte Dr. Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Im August hat Zalando den Testbetrieb in zwei der drei ersten Hallenteile aufgenommen. Ungefähr 300 Menschen arbeiten dort bereits, wenn 2014 alles fertig ist, sollen es rund 1000 sein. Rechnet man die nun hinzukommende Fläche, die zwei weitere Hallen umfasst, hinzu, "sind wir locker bei weiteren 700 Stellen", so Schückhaus. Offizielle Zahlen will das Versandunternehmen allerdings noch nicht nennen. "Wir freuen uns, ab 2015 auf die zusätzlichen Flächen zugreifen zu können", kommentierte Zalando den Projektstart lediglich. Dann soll auch der Innenausbau der Expansionsflächen abgeschlossen sein.

Alle Beteiligten freut besonders die Tatsache, dass Zalando die zehn Jahre gültige Option bereits nach einem Jahr gezogen hat. "Das ist eine Bestätigung dafür, dass dieser Standort funktioniert", sagte Bude.

Neben der bereits bestehenden, rund 78.000 Quadratmeter großen Immobilie wird nun eine zweite Gebäudeeinheit mit rund 56.000 Quadratmetern Fläche angefügt, wovon 41 000 klassische Lagerfläche, 9000 Zwischengeschossflächen und 6000 Büro- und Sozialräume ausmachen. Die Übergabe der fertigen Immobilie an den Mieter — die Zalando wie gehabt vom Investor Goodman mieten wird — ist für September 2014 geplant. Der Kaufsumme wurde bereits am Dienstag überwiesen. Zahlen wurden gestern zwar nicht genannt, es dürfte sich jedoch um die rund fünfeinhalb Millionen Euro gehandelt haben, die im September 2012 per nicht-öffentlichem Ratsbeschluss festgelegt wurden. Goodman und Zalando legen übrigens Tempo vor: Bereits seit gestern ist das Projekt auf der Baustelle.

Bei der hochkomplexen Vertragsgestaltung waren Fingerspitzengefühl und Geduld gefragt — und eine noch engere Abstimmung mit Jüchen als sonst. Dies habe aber alles reibungslos funktioniert, bestätigte sowohl Bude als auch Jüchens Bürgermeister Harald Zillikens. "Wenn man die Kreisgrenze überschreitet, gilt es vieles zu bedenken — vom Postanschluss bis zur Feuerwehr", sagte Zillikens, der zudem betonte, Jüchen sei der hochzufriedene "Juniorpartner" in der Konstellation, Mönchengladbach der federführende Akteur. Unter anderem sei es kurzfristig nötig gewesen, einen eigentlich auf Mönchengladbacher Gebiet geplanten Grünkeil auf Jüchener Gebiet umzuplanen, sagte Schückhaus.

Die Erweiterung von Zalando ist nicht nur ein Meilenstein für die Stadt als deutschland- und europaweiter Logistikstandort, sondern auch für die Arbeitslosenstatistik. Speziell minderqualifizierte Arbeitskräfte erhalten die Chance auf einen Job. Auch der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist wichtiger Bestandteil der Erweiterung. So entstehen unter anderem weitere Ein- und Ausfahrtmöglichkeiten für Lkw sowie neue Parkplätze für künftige Mitarbeiter.

Der 2008 gegründete Onlineversandhandel Zalando entwickle sich weiterhin positiv, betonte Schückhaus, auch wenn die Zahlen bisher noch rot gefärbt sind. Dies liege aber allein an dem hohen Expansionstempo des Unternehmens, und selbst bei heute hochprofitablen Internetriesen wie Amazon sei es am Anfang nicht anders gewesen. "In seinem Stammgeschäft im deutschsprachigen Raum liegt man schon bei einer schwarzen Null", so der WFMG-Geschäftsführer.

(RP)
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