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Mönchengladbach: Zalando bringt die Region massiv nach vorne

Mönchengladbach : Zalando bringt die Region massiv nach vorne

Die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit spricht über die Anwerbung von Mitarbeitern für den Regiopark, über die Ausbildung bei den dortigen Logistikunternehmen – und darüber, warum gerade Langzeitarbeitslose profitieren.

Die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit spricht über die Anwerbung von Mitarbeitern für den Regiopark, über die Ausbildung bei den dortigen Logistikunternehmen — und darüber, warum gerade Langzeitarbeitslose profitieren.

Frau Schoofs, warum ist es eine gute Nachricht, dass Zalando die Option auf eine Expansion im Regiopark wahrgenommen hat?

Angela Schoofs Weil die Arbeitslosen in der Stadt, aber auch in der ganzen Region von den Stellen profitieren, die jetzt noch zusätzlich eingerichtet werden. Und ich finde besonders gut, dass es sich hier um ein interkommunales Projekt handelt. Die Frage, wer wo arbeitet, hängt heute einfach nicht mehr mit kommunalen Grenzen zusammen. Wenn die Region stark bleiben will, sind wir gerade auf interkommunale, überregionale Projekte angewiesen. Noch mehr freue ich mich allerdings, wenn die Logistikfirmen demnächst auch ihre Ausbildungsplätze bei uns melden.

Bisher passiert das also noch nicht?

Schoofs Bei Zalando noch nicht, nein, aber die Firma steht hier in Mönchengladbach ja auch noch ganz am Anfang. Außerdem bilden Logistiker mit mehreren Niederlassungen oftmals zentral aus. Für die Logistiker gilt in Sachen Ausbildung, was im Prinzip für alle Firmen gilt: Sie könnten noch mehr tun. Es müsste nicht sein, dass wir mehr Bewerber als Stellen haben. Es ist angesichts des demografischen Wandels doch gerade jetzt wichtig, dass Firmen über Ausbildungsplätze das Potenzial der Region aufzeigen — sonst gehen die jungen Leute weg. Und das kann niemand wollen.

Wie arbeitet die Arbeitsagentur mit Zalando bei der Besetzung der zunächst 1000 Stellen zusammen?

Schoofs Generell gilt: Anders als früher, als es bei den individuellen Beratungen darum ging, herauszuarbeiten, was jemand nicht kann, arbeiten wir heute heraus, was jemand gut kann. Wir geben Menschen in individuellen Gesprächen die Möglichkeit, Interessen und Stärken zu bestimmen und somit ein passendes Berufsfeld zu wählen. Sollte sich dabei zeigen, dass ein Beruf im Bereich Logistik das Richtige ist, werden diese Interessenten zu Gruppeninformationen eingeladen, die wir monatlich anbieten, über Jobmöglichkeiten informiert und an Firmen vermittelt, etwa Zalando.

Werden bestimmte Qualifikationen benötigt?

Schoofs In der Regel erhalten Arbeitnehmer eine Einarbeitung von Zalando selbst. Für bestimmte Qualifikationen oder Weiterbildungen bieten wir Bildungsgutscheine an, die die Bewerber dann bei einem Bildungsträger ihrer Wahl einlösen können. Hierbei muss aber betont werden, dass berufliche Weiterbildung als Aufgabe für das ganze Berufsleben betrachtet werden muss.

Welcher Anteil der neuen Zalando-Mitarbeiter wird denn über die Agentur vermittelt?

Schoofs Das lässt sich erst sagen, wenn die Einstellungswellen abgeschlossen sind. Klar ist aber: Es werden viele Arbeitslose dafür gewonnen, und die kommen gut an.

Welche Rückmeldungen geben die bereits eingestellten Arbeitskräfte denn?

Schoofs Die Menschen sind froh, dass es Arbeit für sie gibt. Speziell für Niedrigqualifizierte, die seit langem arbeitslos sind, ist es sehr wichtig zu sehen, dass sich in dieser Region etwas tut und dass sie wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Das hat etwas mit Wertschätzung und Würde zu tun. Gerade Langzeitarbeitslosen, die durch viele Absagen sehr frustriert sind, kommen diese Jobs sehr gelegen. Auch von den Unternehmen selbst gibt es positive Rückmeldungen, denn Arbeitswillige werden immer gerne angenommen.

Wird die Arbeitsagentur auch bei der Einrichtung der mindestens 700 Stellen helfen, die durch die Expansion entstehen sollen?

Schoofs Ich gehe davon aus, dass wir das bisherige Vorgehen beibehalten. Unser Job ist es, Menschen und Arbeit zusammenzubringen. Davon profitieren alle Beteiligten.

Ist gesichert, dass alle Mitarbeiter bei Zalando selbst und nicht bei Subunternehmen angestellt werden?

Schoofs Mir ist nichts Gegenteiliges bekannt.

Ist vorstellbar, dass durch die vielen Logistikansiedlungen eine Marktsättigung entsteht und keine arbeitswilligen Bewerber mehr zu finden sind?

Schoofs Auf keinen Fall. Das Schöne ist ja: Mönchengladbach ist keine Insel. Und es kann wirklich nie zu viele Arbeitsplätze geben.

JAN SCHNETTLER UND MELISSA KIAK FÜHRTEN DAS GESPRÄCH MIT ANGELA SCHOOFS.

(RP)