Mönchengladbach: Wurden zwei 23-Jährige Auftragsmörder?

Mönchengladbach: Wurden zwei 23-Jährige Auftragsmörder?

Sie sind 23 Jahre alt, haben Abitur und machten beide eine Ausbildung. Dann nahmen sie Geld dafür, einen Mann umzubringen - so die Polizei. Zwei Mönchengladbacher sitzen seit Mittwoch in Haft. Der Vorwurf: Mord aus Habgier.

Der Mord auf dem Campingplatz in Niederkrüchten ist geklärt. Vier Menschen sollen ihn gemeinsam am 18. Januar dieses Jahres begangen haben: die Lebensgefährtin des Opfers, ihr Sohn und zwei Mönchengladbacher. Die Geschichte, die dahinter steckt, "hätte kein Drehbuchautor erfinden können", sagt Ingo Thiel, Leiter der Mordkommission.

Am Tag, an dem Sturm Friederike über das Land fegte, fand die Polizei Roland P. tot auf dem Campingplatz. Der 54-Jährige hatte zahlreiche Verletzungen. Die Tür zum Wohnwagen war eingetreten, einige Gegenstände daraus fehlten. Doch an einen "Raubmord" mochten Thiel und sein Team von Anfang an nicht glauben. Die Mordkommission, die zeitweise bis zu 40 Ermittler und Wissenschaftler umfasste, begann mit der Spurensuche, bei der Taucher, Hubschrauber, Spürhunde und ein Experte des LKA Hessen für Hautschuppen zum Einsatz kamen. Die Ermittler trafen sich mit Profilern zu Fallkonferenzen, ärgerten sich über Provider, die Handydaten trotz richterlichen Beschlusses nicht herausrücken wollten, und führten stundenlange Vernehmungen durch. Heraus kam: Die Lebensgefährtin des Mordopfers fühlte sich schon lange nicht mehr wohl in der Beziehung mit Roland P., der "speziell und besitzergreifend" gewesen sein soll. Ihr Sohn (20) bot Hilfe an. Beide sollen den Plan gefasst haben, den unliebsamen Lebensgefährten aus dem Weg zu räumen. Und sie sollen dazu zwei Auftragsmörder angeheuert haben: die beiden 23-jährigen Mönchengladbacher, ein Maurerlehrling - genauso wie der Sohn der Lebensgefährtin - und ein angehender Einzelhandelskaufmann. Keiner von ihnen ist laut Thiel bis dahin kriminalpolizeilich aufgefallen. Beide haben Abitur. "Klassische Gewalttäter oder Auftragskiller sind das nicht", sagt der Leiter der Mordkommission. "Die haben das Geld gut gebrauchen können", antwortet Thiel auf die Frage, ob die jungen Männer den Mordauftrag wegen Schulden annahmen. Wie hoch der Betrag war, den Mutter und Sohn den beiden zahlten, will der Kriminalhauptkommissar nicht so genau sagen, nur, dass er "relativ gering" war.

Die beiden bekamen den Auftrag, dafür zu sorgen, "dass P. nicht mehr aufsteht", sagt Thiel. Für ihn und für Staatsanwalt Benjamin Kluck eine klare Anstiftung zum Mord. Letzterer sieht Heimtücke und Habgier als Mordmerkmale. Heimtücke, weil das Opfer arg- und wehrlos in seinem Campingwagen saß. Habgier, weil die beiden 23-Jährigen einen gewissen Geldbetrag für die Tatausführung entgegennahmen.

Spurensuche am Tatort "Campingplatz Laarer See". Foto: Günter Jungmann
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Zur Klärung des Falls mussten die Ermittler nicht nur viele Puzzleteile zusammensetzen, sie mussten sie auch erst einmal finden. Spürhund "Miss Marple" führte die Polizei zu einer Tatwaffe, einem Pflasterstein, an dem Blut haftete, aber auch Hautpartikel von der Lebensgefährtin des Opfers, wie der DNA-Experte aus Hessen belegte. In einem See, den Taucher bei minus zwei Grad Außentemperatur erkundeten, wurde P.'s Handy gefunden. Die Ermittler fanden heraus, dass es manipuliert worden war. Auf dem Handy gab es einen fingierten Kontakt.

Akribisch und mühselig wurden Bewegungsbilder rekonstruiert. Mühselig, weil der Mordkommission "von Providern Daten ganz vorenthalten oder nicht vollständig überlassen wurden". Thiel spricht von einer "beschissenen Speicherfristen-Lage". Diese Daten seien für die Mordkommission immens wichtig, "nicht nur für unsere Leute, auch für Mordkommissiomnen im ganzen Land".

Trotz aller Schwierigkeiten reichten die Ermittlungsergebnisse im Fall "Campingplatz-Mord" am Ende aus, um alle vier Tatverdächtigen festzunehmen und in Untersuchungshaft zu bringen. Die beiden Mönchengladbacher hatten in den ersten Vernehmungen zwar ihre Beteiligung geleugnet, am Ende aber "passten ihre Aussagen mit unseren Ermittlungen zum Tathergang übereinander", sagt Ingo Thiel.

(gap)