Mönchengladbach: Wurde Windberg ausbaldowert?

Mönchengladbach: Wurde Windberg ausbaldowert?

Schon wieder haben "falsche Polizisten" versucht, Geld und Wertgegenstände von Senioren zu ergaunern. Und wieder einmal waren Windberger im Visier der Betrüger. Sie kündigten einen geplanten Einbruch um Mitternacht an.

Vor zwei Wochen meldete sich ein Anrufer mit "Hauptkommissar Beckmann", am Mittwoch war es ein "Kriminalhauptkommissar Weber". Beide Namen sind falsch, und von der Polizei sind die Unbekannten ganz gewiss nicht. Trickbetrüger suchen gerade speziell in Windberg potenzielle Opfer - zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen. 19 haben sich bis gestern bei der Polizei gemeldet. Beim letzten Mal waren es sogar an 30. Sie alle berichteten, dass ein angeblicher Kriminalbeamter sie aufgefordert habe, aus Sicherheitsgründen Geld und Wertgegenstände herauszugeben. Der Fremde habe am Telefon von der Festnahme einiger Mitglieder einer rumänischen Einbrecherbande berichtet. Bei den Männern habe die Polizei ein Notizbuch gefunden, in dem auch Name und Adresse des Angerufenen stehe. Dazu gebe es einen Vermerk, dass dort eingebrochen werden soll. Auffallend dieses Mal: "Der Anrufer sagte, dass die geplanten Einbrüche bis 24 Uhr stattfinden sollen", sagt Polizeisprecherin Isabella Hannen. Offenbar habe man so die Senioren unter Druck setzen wollen.

Wieder einmal arbeiteten die Betrüger mit allen Tricks. Im Display der Angerufenen ließen sie die Telefonnummer 02161 29023 erscheinen. Sie ähnelt der zentralen Rufnummer des Mönchengladbacher Polizeipräsidium, die 02161 290 lautet. "Call ID Spoofing" nennt man die Methode, die dafür sorgt, dass eine beliebige Telefonnummer im Display erscheint. "Meistens sitzen diese Dienstanbieter im Ausland", sagt Isabella Hannen. Auch die Anrufe sollen aus dem Ausland kommen - "oft aus einem Call-Center", berichtet die Polizeisprecherin. Deshalb sei es auch so schwierig, die Telefonverbindungen zurückzuverfolgen und damit zu den Hintermännern zu gelangen. Bei der Polizei geht man von Bandenkriminalität aus. Denn im ganzen Land versuchten gerade Trickbetrüger, mit der "Polizei-Masche" Senioren abzuzocken. In Mönchengladbach wurde am 22. März ein 81-Jähriger hereingelegt und um eine fünfstellige Summe betrogen. In Wiesbaden entlockten falsche Polizisten einer 87-jährigen Frau sogar fast eine halbe Million Euro. Bei der neuen Trickbetrügerwelle in Gladbach durch angebliche Kriminalbeamte ließ sich, wie bis jetzt bekannt ist, keiner hereinlegen. Alle Angerufenen wurden stutzig, viele hatten die Warnungen der Polizei in der Zeitung gelesen oder im Radio gehört.

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Dass sich die falschen Polizisten in Mönchengladbach bevorzugt in Windberg potenzielle Opfer suchen, lässt die echte Polizei schließen, dass die Stadt vorher ausbaldowert wurde. Aber auch im Internet seien Immobilienplattformen zu finden, die teure Wohngegenden ausweisen. Und alte Vornamen ließen sich im Netz ganz leicht per Suchfunktion herausfiltern.

Am Mittwoch war aber noch ein weiterer Trickbetrüger in der Stadt tätig. Gegen 11 Uhr klingelte er bei einem 79-Jährigen an der Straße Am Bour in Eicken und bat um ein Glas Wasser. Während der Fremde im Wohnzimmer wartete, holte ihm der Senior das Wasser aus der Küche. Kurz nachdem der Mann die Wohnung wieder verlassen hatte, stellte der 79-Jährige fest, dass sämtliches Geld aus seinem Portemonnaie fehlte. Der dunkel gekleidete Dieb ist etwa 1,70 Meter groß, ein dunkler Hauttyp mit kurzen schwarzen, an den Seiten kahlrasierten Haaren. Er sprach Deutsch mit ausländischem Akzent.

(gap)