Mensch Gladbach: Wunder gibt es immer wieder

Mensch Gladbach: Wunder gibt es immer wieder

Die Entsorger von der GEM können Unglaubliches - zum Beispiel im Stadion mal eben 3000 Quadratmeter Choreo verschwinden lassen. Revolutionäres auch beim Verkehr: Gladbach plant tatsächlich die erste Fahrradstraße. Immerhin bleibt der Dauerstreit um Sonntagsöffnungen verlässlich.

Diese Dynamik in der Stadt, spüren Sie die auch? Alles ist in Bewegung. Neubürger kommen, Investoren auch. Der Platz wird knapper, die Stadtsparkasse könnte - wie andere Makler - viel mehr Immobilien vermitteln als auf den Markt kommen. Die Stadt wird sauberer, überall wird gekehrt, gemäht und gesaugt. Aufbruch. Das schlägt schon mal um in Übereifer.

Oder wie anders ist zu erklären, was zu Wochenbeginn im Stadion geschah? Da hatten die Ultras für das Halbfinalspiel um den DFB-Pokal eine riesige Choreo vorbereitet - 3000 Quadratmeter Stoff sollten sich beim Spiel der Borussia gegen Frankfurt über die Nordkurve spannen. Doch einen Tag vorher war das textile Werk plötzlich weg. Wie sich herausstellte, hatten Mitarbeiter der städtischen Entsorger-Tochter GEM das Ganze beim Säubern des Stadions verschwinden lassen. Die Ultras tobten, und wer weiß, wie das Spiel mit dieser großformatigen Unterstützung ausgegangen wäre ... Schluchz. Unbeantwortet blieb bisher aber noch eine ganz andere Frage: Wie haben die GEMler das geschafft? Immerhin brauchte es mehrere Dutzend kräftiger Kerle, um den Stoffballen zu bewegen. Optimistisch ausgedrückt lässt sich sagen: Die GEM kann Berge versetzen. Sie sollte sich nur die Zeit nehmen und abwägen, welche genau sie versetzt.

Ein weiteres Wunder dieser Woche: Die Stadt plant eine Fahrradstraße. Davon gibt es in manchen anderen Städten schon sehr lange sehr viele. In Düsseldorf allerdings bisher auch nur eine - und die wird nicht mal ihrem Zweck gerecht. Für Mönchengladbach, noch immer ein Paradies der Autofahrer, kommt das einer Revolution gleich. Denn: Auf der Fahrradstraße haben tatsächlich Radfahrer Vorrang, Autos sind nur geduldet und müssen sich geduldig unterordnen, wenn zwei oder drei oder vier nebeneinander radeln. Sachen gibt's, die gibt's gar nicht. Womöglich wird die Stadt am Ende den Vorstoß des Radler-Clubs ADFC, mit einer App Radwegeparker zu melden und die Ordnungswidrigkeit zu ahnden, so richtig unterstützen. Die anstehende Tour de France und ein leidenschaftlich radfahrender Oberbürgermeister machen's möglich.

Zu viel der Neuerungen, finden Sie? Dann haben wir eine gute Nachricht. Denn es gibt bei all dem Trubel auch eine echte Konstante: Der Streit um die verkaufsoffenen Sonntage blieb auch in dieser Woche ein Dauerbrenner, führt gewissermaßen die Top Ten der politischen Aktivitäten an. In den ersten Monaten dieses Jahres ging es darum, dass wegen restriktiver Landesgesetze und klagewütiger Gewerkschafter die Stadtverantwortlichen die Vorstöße der Händler für viele Sonntagsöffnungen abschmetterten, speziell für die Gladbacher Innenstadt. Nun klappt der verkaufsoffene Sonntag doch, und zwar morgen, wenn auch mit eigenwilligen Grenzziehungen. Beim aktuellen Disput sind die Rollen vertauscht: Die Stadt will den Läden am Tag der Tour, am 2. Juli, erlauben zu öffnen. Das aber wollen die meisten Händler nicht, weil sie fürchten, im Gegenzug eine Sonntagsöffnung in der lukrativeren Adventszeit zu verlieren. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht ... Wir sagen deshalb: Bis nächste Woche!

(RP)