Wohnungsbau in Mönchengladbach: Das eine tun, das andere nicht lassen

Kolumne Mensch Gladbach: Das eine tun, das andere nicht lassen

Besserverdienende ziehen verstärkt in die Stadt — und erwarten ein entsprechendes Wohnangebot. Aber auch für Einkommensschwache muss ausreichend Wohnraum vorhanden sein.

Manchmal hat man ja einen richtig guten Lauf. Dann geht’s aufwärts, was schön ist. Es geht weiter aufwärts, was ganz schön anstrengend sein kann. Und irgendwann kann einen der Erfolg erdrücken. Oder in eine Situation bringen, die man so nicht gewollt hat. Und es ist schwer, das noch zu korrigieren. Mancher Start-up-Unternehmer, der über Nacht zum globalen Spieler wurde, kennt das.

Von der Kategorie globaler Superstar ist Mönchengladbach weit entfernt. Aber nach Jahren der Krise geht es doch aufwärts. Investoren interessieren sich für die Stadt, junge Familien und Besserverdienende ziehen hierher. Was auch daran liegt, was anderswo geschieht: Städte wie Düsseldorf oder Köln sind inzwischen für viele unerschwinglich. Mieten und Immobilienpreise sind dort so stark gestiegen, dass immer mehr Menschen in die Region ausweichen. Sie erwarten adäquaten Wohnraum, modern, gehoben, sind bereit, einen entsprechenden Preis zu zahlen (der dennoch weit unter dem in Düsseldorf liegt).

Mönchengladbach blieb bei diesem Trend lange außen vor, rückt aber seit einigen Jahren stärker in den Fokus. Das ist gut so. Denn es bringt neues Leben und andere Perspektiven in die Stadt, sorgt damit für eine größere Vielfalt, bringt Konsum, Entwicklungspotenzial und ist auch für die sozial ausgewogene Mischung wichtig. Dass Neubaugebiete für diese Zielgruppen entstehen, ist also richtig.

Die Kehrseite der Medaille: Die Mieten und Immobilienpreise steigen dadurch auch in Mönchengladbach. Noch auf niedrigem Niveau, aber sie steigen – und machen das Wohnen auch hier für einige Menschen unerschwinglich. Das geschieht schleichend, so war es in Düsseldorf einst auch. Erst betrifft es die Empfänger sozialer Leistungen, dann Geringverdiener, schließlich die untere, später das Zentrum der Mittelschicht. Wer dann beginnt, gegenzusteuern, wird das bis dahin Verpasste kaum aufholen können.

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Mönchengladbach ist eine Stadt, in der sehr viele Menschen einkommensschwach sind. Das rührt auch aus der Zeit, als die Textilindustrie zusammenbrach. Mönchengladbach ist aber auch eine Stadt, in der das soziale Engagement für Schwächere eine Hauptrolle spielt. Das ist ein Markenzeichen, mit dem sich punkten lässt.

Beim Wohnungsbau wird es auf Dauer nicht ohne eine Quote für Preisbindung gehen. Und in der Spitze der Stadtverwaltung gibt es jemanden, der weiß, wie das geht: In seiner Düsseldorfer Zeit hat Stadtplanungsdezernent Gregor Bonin mit einer politischen Mehrheit aus CDU, Grünen und FDP eine verpflichtende Quote für bezahlbaren Wohnraum eingeführt: Bei Neubauprojekten müssen je 20 Prozent sozial gefördert und preisgedämpft sein. Klar, Mönchengladbach ist nicht Düsseldorf. Aber dort hat sich die Lage inzwischen so verschärft, dass sogar über das Doppelte diskutiert wird.

In Niedrigzinsphasen ist sozial geförderter Wohnraum für Investoren zwar nicht interessant. Aber wer attraktiv ist, darf auch fordern. Zum richtigen Zeitpunkt sollte das Rathaus diesen Joker ziehen.

In diesem Sinne: Ein wohnliches Wochenende!

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