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Genhausen: Wo Gladbach am Ende ist

Genhausen : Wo Gladbach am Ende ist

Für Gladbach ist es die Stadtgrenze, für 44 Menschen ist das Dörfchen Genhausen aber der Nabel der Welt: Es liegt im tief im Rheindahlener Land und besteht aus zwölf Häusern. Es gibt dreimal so viele Kühe wie Einwohner, und an drei Tagen in der Woche liefern Bäcker frisches Brot. Und es hat sogar einen eigenen Bahnhof, der die Bewohner stolz macht.

Hans-Herbert Massen schwellt stolz die Brust, er hebt den Zeigefinger und betont jedes Wort gesondert: "In Berlin, München — egal wo du bist: Überall steht Genhausen im Fahrplan." Recht hat er. Genhausen liegt mit seinen 44 Einwohnern auf der Rangliste der kleinsten Gladbacher Honschaften zwar ziemlich weit vorne. Andererseits hat Genhausen tatsächlich einen eigenen Bahnhof, der letzte im VRR. Und der ist die Verbindung zur weiten Welt. "Von Genhausen aus kommst du überall hin", sagt Franz Wyen. Verantwortlich dafür ist die Rurtalbahn, die Mönchengladbach mit Dalheim verbindet.

Mehr Kühe als Einwohner

Genhausen liegt mitten im Rheindahlener Land, einen Steinwurf vor der Stadtgrenze zu Wegberg. Es gibt dreimal so viele Kühe wie Einwohner, sieben Katzen, zwei Waschbären, die angeblich gesichtet wurden, genau zwölf Häuser und eben diese Zugverbindung. Mittwochs, donnerstags und samstags kommen Bäckerwagen durch das Dorf gefahren — die einzige Möglichkeit, Lebensmittel einzukaufen, seitdem Elfriede Tepaß vor Jahren das Tante-Emma-Lädchen aufgab. Dort hing im Flur lange Jahre die einzige Möglichkeit, mit der "Außenwelt" Kontakt aufzunehmen: ein öffentlicher Fernsprecher, der für alle Dorfbewohner da war. Bis Hans-Herbert Massen 1964 nach langen Verhandlungen mit der Post endlich ein eigenes, das zweite Telefon im Dorf bekam.

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Heute ist Genhausen, das grüne Dörfchen an Gladbachs Grenze, für die Dorfbewohner so etwas wie der Nabel der Welt. Mindestens. Einerseits gibt's ja den Zug, und andererseits quetschen sich gleich zwei Buslinien durch die schmale Straße. Sogar mehrmals am Tag. "Früher war hier samstags um 15 Uhr Feierabend", erinnert sich Günter Hahnen, der sich selbst als Immigrant aus Rheindahlen bezeichnet. Wer durch die Straße geht, merkt, wie sehr das Dörfchen von der Landwirtschaft geprägt ist. Einige der Häuser sehen windschief aus, viele sind dekoriert mit alten Wagenrädern. Und fast die gesamte linke Straßenseite bilden zwei heute noch bewirtschaftete Bauernhöfe. Der eine gehört Leopold Jans, der andere Leopold Jansen.

Das Durchschnittsalter der Bewohner beträgt 53 Jahre, und die meisten leben seit Generationen in dem Dorf, von dem keiner so genau weiß, wie alt es eigentlich ist. "Wir sind ein Rentnerdorf", sagt Hans-Herbert Massen und grinst. Dafür aber ein recht rüstiges. Die älteste Dorfbewohnerin fährt mit 83 Jahren noch immer munter auf dem Fahrrad durch die Felder.

Eines aber fehlt Günter Hahnen: Im Gegensatz zu den Nachbardörfern Woof und Knoor gibt es keine Ortseingangsschilder. Hahnen klagt: "Dabei habe ich die Bezirksvertretung schon zwei Mal darauf angesprochen." Ein Bahnhof ist eben nicht genug.

(RP)