Mönchengladbach: Wo die Frorieps lebten

Mönchengladbach: Wo die Frorieps lebten

Im Jahr 1898 baute sich der Maschinen-Fabrikant Paul Froriep in Rheydt eine großzügige Heimstatt. Die "Villa Froriep" diente der Familie bis zum Zweiten Weltkrieg als Wohnhaus. Bis zu der partiellen Zerstörung 1941 wohnten Firmeningenieure dort. Heute ist die Villa ein Hotel.

Rheydt Die ehemaligen Wohnstätten von bekannten Industriellen üben einen besonderen Reiz aus. Als bekanntestes Beispiel in der Region dürfte wohl die Villa Hügel in Essen dienen, die im Jahr 1873 von Alfred Krupp gebaut wurde. Doch eigentlich muss man gar nicht bis ins Ruhrgebiet fahren, um etwas derartiges sehen zu können, denn Mönchengladbach hat seine eigene "Villa Hügel". Diese heißt jedoch "Villa Froriep", steht in Rheydt und ist heute ein Parkhotel.

Das Gebäude wurde im Jahr 1898 vom Unternehmer Paul Froriep errichtet. Er war zu dem Zeitpunkt Geschäftsführer der gleichnamigen Werkzeugmaschinen-Werke, für die Rheydt international bekannt war und laut einer Schrift aus dem Jahr 1922 "jeden Deutschen mit Stolz erfüllt".

Das Unternehmen wurde im Jahr 1867 von Karl Klingelhöffer und Otto Froriep gegründet. Das Spezialgebiet des Unternehmens waren mittlere und schwere Werkzeugmaschinen, die "sogar bis nach Übersee geliefert wurden und zum besten Ruf in der deutschen Schwerindustrie beigetragen haben". Zu den Maschinen der Firma Froriep gehörten beispielsweise Hobelmaschinen, Formveränderungsmaschinen, schwere Bearbeitungsmaschinen für die Kriegs-Industrie sowie Maschinen für die Fabrikation von Radsätzen für Lokomotiven. Im Jahr 1939 waren bei Froriep 1200 Menschen beschäftigt. Nach Bombenangriffen in Jahr 1943 wurden große Teile der Fabrikgebäude zerstört, der Betrieb ging aber trotzdem weiter. Bei Angriffen im Jahr 1944 wurde der Rest der Fabrik schließlich zerstört. 1945 begann man mit dem Wiederaufbau, 1948 waren bereits wieder 344 Arbeiter und Ingenieure beschäftigt. Bei der Schließung der Werke im Jahr 1970 waren es schließlich wieder rund 950 Mitarbeiter.

Die Villa Froriep an der Ecke Hugo-Junkers-Straße/Endepohlstraße diente nach ihrem Bau 1898 zunächst der Familie Froriep als Wohnstätte. Im Krieg zogen die Frorieps nach Baden-Baden, leiteten von dort die Geschäfte und überließen die Villa höher gestellten Ingenieuren zum Wohnen. Anfang der vierziger Jahre wurde das Haus von Bomben zu einem großen Teil zerstört. Der Wiederaufbau begann direkt nach dem Zweiten Weltkrieg.

  • Mönchengladbach : Von außen noch fast genau so wie früher

In einem Schreiben der Firma Froriep an die Stadtverwaltung Rheydt vom 1. Januar 1947 heißt es: "Die Stadt Rheydt übernimmt auf Kosten der Firma die Instandsetzung des Hauses "Villa Froriep". Für die Materialkosten wollte die Stadt Rheydt Sorge tragen. Nach Fertigstellung sollte in dem Gebäude in erster Linie das Stadtplanungsbüro untergebracht werden." Doch aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen wurde aus der Übereinkunft nichts. Im gleichen Schreiben drücken die Verantwortlichen des Maschinenbau-Unternehmens in deutlichen Worten ihren Unmut über diesen Umstand aus.

Nachdem die Villa Froriep nicht Teil der Stadtverwaltung wurde, ist die nächste Station des Gebäudes schließlich die heutige Form: das Hotel.

Im Stadtarchiv Mönchengladbach gibt es einen Bauantrag vom 11. Januar 1949, in dem ein gewisser Herbert Clausen beantragt, die Villa in ein Hotel umbauen zu dürfen. Die Beschreibung der Bausubstanz des Gebäudes lautet in dem Dokument wie folgt: "Das zerstörte Haus wurde zum Teil bereits wieder hergestellt. Mauerwerk, Decken und Dach sind vorhanden. Das Haus soll mit geringen Baukosten als Hotel ausgebaut werden, an der äußeren Gestalt des Hauses ändert sich nichts. Es handelt sich lediglich um das Einziehen von Zwischenwänden."

(RP)
Mehr von RP ONLINE