Mönchengladbach: Wo der Fachkräftemangel am größten ist

Mönchengladbach: Wo der Fachkräftemangel am größten ist

In Unternehmen löst dies Unwohlsein aus, bei Arbeitslosen genau das Gegenteil: Fachkräfte werden händeringend gesucht. Es gibt derzeit viele gute Jobs in Mönchengladbach. Aber man muss bereit sein, sich dafür zu qualifizieren.

Der Arbeitsmarkt in Mönchengladbach pulsiert. Und schaut man sich die Entwicklung der gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in der Stadt an, scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis die 100.000er-Marke geknackt ist. 96.392 Menschen hatten zum Stichtag 30. Juni 2017 einen der Arbeitsplätze, für die Arbeitgeber Sozialversicherungsabgaben bezahlen. Allein zum Juni 2016 ist das ein Zuwachs um 2,8 Prozent. Aber wie passt das zusammen mit so vielen Menschen ohne Arbeitsplatz (die Quote ist wieder gestiegen auf 10,4 Prozent)? Warum gibt es so viele Erfolge in der Gladbacher Wirtschaft in Form von Ansiedlungen, aber immer noch so viele Menschen, die davon nicht profitieren? 3183 offenen Stellen stehen zum Jahresbeginn 14.303 Arbeitslosen gegenüber. "Wir haben tatsächlich eine ausgesprochen hohe Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften, aber die Arbeitslosen haben oft die dafür notwendige Qualifizierung nicht", sagt Angela Schoofs, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit.

Foto: Jürgen Laaser

Dabei wird zum Teil händeringend gesucht, und das nicht nur im Handwerk, wo die Auftragsbücher zum Teil überquellen aufgrund des Baubooms. Das zeigt sich etwa in Berufen der Metallerzeugung, -bearbeitung und im Metallbau, in Maschinenberufen, in Mechatronik-, Energie- und Elektronikberufen. Der Bedarf in den Firmen mit diesen Berufsgruppen hat sich zum Teil in diesem Jahr verdoppelt im Vergleich zum Vorjahr. Auf ebenfalls konstant hohem Niveau ist die Nachfrage nach Verkäufern, nach Fachkräften in Verkehr und Logistik (Busfahrer wie auch Lagermitarbeiter), nach Pflegern (Schoofs: "Diese Nachfrage können wir einfach nicht decken"), nach Werbefachleuten und Marketingexperten, nach Informatikern und anderen IT-Spezialisten.

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Die starke Nachfrage gilt heute auch noch in solchen Bereichen, die auf absehbare Zeit durch die Digitalisierung verändert werden. Schoofs: "Ein Händler, der seine Waren online vermarktet, braucht jetzt Verkäufer, die auch etwas von IT verstehen. Die Anforderungen in den Berufen verändern sich, und darauf müssen Unternehmen mit Weiterbildung frühzeitig reagieren." Auch wer gut ausgebildet ist, muss sich auf Veränderungen einlassen.

"Wir kümmern uns derzeit stark um zwei Zielgruppen: um Jugendliche und um Langzeitarbeitslose", sagt Schoofs. "Ausbildung ist das Gebot der Stunde. Die duale Ausbildung ist ein Pfund für die Wirtschaft. Sie bedeutet für junge Leute gute Karrierechancen und eine hohe Fertigungsqualität." Tatsächlich ist über die Jahre die Jugendarbeitslosigkeit gesunken, zumindest nach den durchschnittlichen Jahresquoten. Die Quote liegt derzeit bei 9,0 Prozent (1282 15- bis 24-Jährige ohne Job). Am größten ist das Problem aber bei den Menschen, die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II ("Hartz IV") beziehen. 6109 Menschen sind derzeit langzeitarbeitslos in der Stadt, und das ist ein gewaltiger Zuwachs im Vergleich zum Dezember 2016 um satte 16,0 Prozent. "Der Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit ist zäh und langwierig", sagt Schoofs. "Aber in der Stadt tut sich etwas. Wir hoffen, dass in den Jobcentern die Sonderprogramme zur Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen greifen." Wichtig sei vor allem zu verhindern, dass Menschen, die ihren Job verlieren, in eine Spirale Langzeitarbeitslosigkeit rutschen.

(RP)
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