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Mönchengladbach: Wirte wollen kein Sky mehr zeigen

Mönchengladbach : Wirte wollen kein Sky mehr zeigen

Gastronomen, die Fußball live zeigen, müssen dafür ab 1. September im Schnitt 30 Prozent mehr zahlen. Wirte wie Jürgen Post vom "Markt 26" erwägen nun die Kündigung. Es ist die zweite Gebührenerhöhung innerhalb eines Jahres.

Nach der Weltmeisterschaft freuen sich Fußballfans auf den Start der Bundesliga am 22. August. Doch womöglich wird es in der neuen Saison weniger Gaststätten in Mönchengladbach geben, die die Spiele übertragen. Der Grund ist eine Gebührenerhöhung durch den Bezahlsender Sky. Die ersten Wirte in Mönchengladbach haben bereits Schreiben erhalten, in denen ihnen die Erhöhung mitgeteilt wurde. Zum 1. September sollen die Preise steigen - zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres.

"Eine Frechheit" nennt Jürgen Post das Vorhaben. Der Inhaber des "Markt 26" hat vergangenen Sommer eine Erhöhung von 2700 auf 6000 Euro zähneknirschend mitgemacht. "Das war damals nah an der Schmerzgrenze", sagt er. Wie viel es diesmal sein wird, weiß er noch nicht, da er noch keine Post von Sky bekommen hat. Der Sender habe ein Monopol und nutze es aus, meint der Wirt. Bei einer erneuten Erhöhung werde er genau prüfen, ob sich die Liveübertragung der Fußballspiele noch lohnt. Im "Markt 26" gibt es zwei Bildschirme, gezeigt werden die Bundesliga und die europäischen Wettbewerbe. Auch Fußballfans sind sauer auf den Sender und zeigen Verständnis für die Gastronomen.

 Auch Uwe Schmitz vom "Graefen + König" wird Sky unter die Lupe nehmen.
Auch Uwe Schmitz vom "Graefen + König" wird Sky unter die Lupe nehmen. Foto: Grzeschik, David
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Die Preiserhöhung ruft auch den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) auf den Plan. "Wir akzeptieren diese Preiserhöhung nicht", sagt Andreas Graf, Geschäftsführer des Best-Western-Hotels und hiesiger Dehoga-Chef. Der Verband sammelt zurzeit die Schreiben, die an die Gastronomen gegangen sind, um diese zu analysieren. Was Graf bislang gesehen habe, mache ihn wütend. Teilweise würden Preissteigerungen von 100 Prozent verlangt. "Das ist wahnwitzig", so der Hotelier. Graf hält es für möglich, dass der Sender die Euphorie der Fußballweltmeisterschaft gezielt nutzt, um die Aufschläge durchzusetzen. Eine Strategie, wie die Dehoga konkret auf die Preiserhöhung reagiert, sei noch nicht beschlossen worden - dafür sei es angesichts der Menge der noch nicht zugestellten Schreiben noch zu früh. Es sei aber durchaus denkbar, dass es der Verband diesmal darauf ankommen lasse. "Es kann nicht im Interesse von Sky sein, dass am Ende die Abdeckung in der Fläche zurückgeht", sagt Graf. Dass die Preiserhöhungen dazu führen könnten, dass Gastronomen ihr Abo kündigen, legt ein Blick auf die Anzahl der Sky-Kneipen nahe: Vor einem Jahr wurden für Mönchengladbach 90 Betriebe mit Sky-Lizenz gelistet. Derzeit führt das Unternehmen auf seiner Internetseite 75 Betriebe auf.

Der Sender verteidigt auf Anfrage seine Preispolitik. Man schaue regelmäßig, ob die Ausgaben für die Übertragungsrechte und die Produktion in einer wirtschaftlichen Relation stehen zum erhobenen Abo-Preis, so Sky-Sprecherin Britta Krämer. Wie viel einzelne Wirte jeweils zahlen müssen, hänge unter anderem von Faktoren wie der Betriebsgröße, dem Standort und der Kaufkraft ab. In einer Großstadt wie Mönchengladbach, die Heimat eines Bundesligisten ist, seien die Gebühren höher als beispielsweise in einer Kleinstadt abseits des Bundesliga-Geschehens. Im Bundesdurchschnitt läge die Preiserhöhung für Wirte bei 30 Prozent. Alle Gastronomen mit Abo würden nun Post erhalten.

Bei Uwe Schmitz von "Graefen + König" ist der Brief bereits eingegangen. Für seinen Betrieb sollen die Kosten für das Abonnement von 1200 auf 1600 Euro steigen. Daraufhin habe er das Abo gekündigt. Es könne zwar sein, dass er noch einmal verhandelt, aber erfahrungsgemäß sei das Entgegenkommen von Sky gering. "Damit es für uns wirtschaftlich ist, müsste Sky uns in sehr großem Maß entgegenkommen", sagt Schmitz. Er habe sich weitestgehend damit abgefunden, dass im "Graefen + König" zur neuen Saison nicht mehr regelmäßig Fußball läuft. Damit werde er vielleicht 50 bis 60 Gäste weniger haben, dafür aber auch geringere Ausgaben. Zudem gebe es Besucher - unter anderem Familien und besonders Frauen - die es angenehm fänden, wenn kein Fußball gezeigt wird. "Vielleicht werbe ich dann gezielt damit, dass bei uns kein Fußball läuft", sagt Schmitz.

(RP)