Mönchengladbach: Wirte sehen bei Restaurant-Ampel rot

Mönchengladbach : Wirte sehen bei Restaurant-Ampel rot

Noch in diesem Jahr könnte ein Ampelzeichen über die Hygiene von Lokalen informieren. Das Verbraucherministerium ist für das Kennzeichnungssystem. Mönchengladbacher Wirte und Gastronomen lehnen es ab.

Ob ein Restaurant gut oder schlecht ist, liegt oft nicht nur am Essen, sondern auch an der Sauberkeit. Der Blick hinter die Kulissen bleibt dem Gast dabei meist verschlossen, er bekommt von den regelmäßigen Besuchen der Lebensmittelkontrolleure nichts mit. Geht es nach dem Willen des NRW-Verbraucherministeriums, hat das schon bald ein Ende. Eine so genannte Restaurant-Ampel soll künftig den Hygienezustand von Lokalen signalisieren. Grün für sauber, Gelb für schmuddelig, Rot für "besser weiter gehen" — so stellt sich die Landesbehörde das neue Transparenzsystem vor. Gladbachs Restaurant-Betreiber und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) lehnen das Vorhaben jedoch ab.

"Hier werden Dinge simplifiziert und Menschen stigmatisiert", sagt Uwe Schmitz, Inhaber des Restaurants Graefen und König. Er befürchtet, dass die Gastronomen den Kontrolleuren auf Gedeih und Verderb ausgeliefert werden. "Die entscheiden dann über Leben und Tod." Wer eine gelbe oder rote Bewertung bekäme, könne schließlich sofort aufhören, Essen zu verkaufen. Schmitz: "Ich war schon immer der Meinung, dass sich der Markt von selbst reguliert." Zudem hätten Gäste ein feines Gespür dafür, ob in einem Restaurant vernünftig gearbeitet werde oder nicht.

Als Grundlage für die Restaurant- Ampel würden die Ergebnisse der Hygienekontrollen des Lebensmittelüberwachungsamts dienen. Die sechs Mitarbeiter führen täglich Betriebskontrollen durch, nehmen Proben in Bäckereien, Imbissbuden oder Getränkehallen. "Wir unterscheiden zwischen Planproben, außerplanmäßigen Kontrollen und Verdachtsproben", erklärt Chef-Lebensmittelkontrolleur Dr. Karl-Heinrich Becker. Zu einer möglichen Einführung der Restaurant-Ampel will sich Becker nicht äußern. Dass seine Kontrolleure zu Fehlurteilen kommen könnten, hält er aber für ausgeschlossen. Man gehe mit Augenmaß vor und wisse zwischen Dreck, der einen Tag alt ist, und schlimmeren Verschmutzungen zu unterscheiden. Becker: "Wenn am Abend vorher viel los war, berücksichtigen wir das natürlich."

Fest steht jedoch: Die Kontrolldichte richtet sich nach der Risikobewertung. Deswegen kann es sein, dass Gaststätten mit hohem Risiko zwei bis drei Mal pro Jahr überprüft werden, andere nur ein Mal in drei Jahren. Genau das bemängelt Gladbachs Dehoga-Chef Andreas R. Graf: "Da nicht alle Betriebe zeitgleich kontrolliert werden und auch Nachkontrollen selten zeitnah stattfinden, ist eine Wettbewerbsverzerrungen programmiert." Die Restaurant-Ampel werde so zu einem "modernen Pranger", moniert der Dehoga-Chef. Graf: "Wir lehnen das Vorhaben deshalb ab."

Auch Holger Böker, Inhaber des Geneickener Bahnhofs, findet: "Es gibt noch zu viele Fragezeichen." Sauberkeit müsse zwar oberstes Gebot sein. Dafür könne er in seinem Lokal auch garantieren. "Doch die Rahmenbedingungen stimmen nicht", beklagt der Gastronom. Denn geht es nach der Ampel-Bewertung, müsste es in Bökers Lokal eine separate Damen-Umkleide geben. "Weil ich die aber nicht besitze, würde ich ein gelbes Ampelzeichen erhalten. Das ist nicht schlecht durchdacht, sondern ein Witz."

Wie praktikabel die Restaurant- Ampel — für die es bislang keine gesetzliche Grundlage gibt — ist, will das Verbraucherministerium in diesem Halbjahr bei einem Pilotversuch in zwei NRW-Städten prüfen. Die Ergebnisse der dortigen Lebensmittelkontrollen sollen in einem Punkte-System zusammengefasst werden und im Internet sowie über eine App abrufbar sein. Ist das Vorhaben erfolgreich, soll die Ampel landesweit eingeführt werden.

(RP)
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