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Mönchengladbach: Wir sind innovationsfreundlich

Mönchengladbach : Wir sind innovationsfreundlich

Wirtschaftsförderer Dr. Ulrich Schückhaus erklärt, warum die Stadt genau die richtige Lage für Logistik hat, warum die Expo Real für die Stadt die beste der vergangenen zehn Jahre war, wo Tante JU landen könnte und wer demnächst von MGL aus durchstartet.

Die Stimmung auf der Gewerbeimmobilienmesse Expo Real in München war ausgesprochen gut. Was macht Sie so optimistisch, dass es der erfolgreichste Messeauftritt Gladbachs aller Zeiten sein könnte?

Dr. Ulrich Schückhaus Genau weiß man das erst in einem halben Jahr, aber gefühlt war das tatsächlich der beste Auftritt in zehn Jahren. Das liegt hauptsächlich an Mfi. Mit den zwei großen Modellen des Handels- und Dienstleistungszentrums hatten wir praktisch einen zweiten Messestand. Ich habe ständig Besuchergruppen herübergeführt, und ich spürte überall Begeisterung. Mfi war sehr überzeugend. Zum anderen hatten wir viele Investitionsangebote mit nach München gebracht, die gut nachgefragt wurden.

Die Zusammentreffen zwischen der Stadt und Mfi auf der Messe wirkten sehr herzlich. Zu wie viel Prozent sind Sie sicher, dass der Rat am 22. Dezember darüber entscheiden kann?

Schückhaus Zu 90 Prozent. Wir müssen an dem sehr komplexen Vertragswerk noch letzte Punkte klären. Zudem muss Mfi ein finales Angebot abgeben. Mfi hat gesagt, das kriegen wir hin.

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Gab es denn auch neue Anfragen?

Schückhaus Sicherlich, vor allem aus dem Bereich Logistik, aber auch für Innenstadtgrundstücke. Ich habe den Eindruck, dass die Stadt mittlerweile ein gewisses Standing als innovationsfreundlicher Standort hat. Die Branche sagt: Hier ist mehr los als in vergleichbaren anderen Städten.

Also geht die Rechnung der Stadt auf, sich als Logistikstandort zu verkaufen?

Schückhaus Wir haben das 2001 als Ziel definiert, damals waren wir aber kein Logistikstandort. Jetzt gucken alle nach Mönchengladbach. Das Fraunhofer-Institut sieht uns als eine Zukunftsregion für Logistik. Und dabei handelt es sich nicht um Flächenfresser, sondern um arbeitsplatzintensive Betriebe.

Warum finden Investoren aus diesem Bereich Mönchengladbach im Moment so schön?

Schückhaus Das Kernargument ist natürlich die ideale Position zwischen den Häfen in den Benelux-Ländern und den Absatzmärkten im Rheinland und im Ruhrgebiet. Irgendwo dazwischen müssen die Waren ja raus aus dem Container, verpackt werden, etikettiert und so weiter. Und Mönchengladbach hat da das Know-how und die passenden Flächen. Genauso wie in der Textil-Logistik. Das ist ein Renner.

Auch wegen Esprit, das noch Optionen auf weitere Flächen im Regiopark hat. Werden die gezogen?

Schückhaus Wir hoffen das natürlich, auch wenn es derzeit noch zu früh ist, darüber zu spekulieren. Aber um die Nachfrage nach Logistikflächen bedienen zu können, ist gerade ein weiterer Bebauungsplan für 250 000 Quadratmeter in Arbeit.

Auf der Messe war Mönchengladbach wieder mit einem gemeinsamen Niederrhein-Stand mit Krefeld und den Kreisen Kleve, Wesel, Viersen und Neuss vertreten. Ist das zeitgemäß?

Schückhaus Selbstverständlich setzen wir auf den regionalen Gedanken. Es war aber auch immer so, dass Mönchengladbach auf dem Stand eine sehr gewichtige Rolle spielt, weil wir traditionell viele Standpartner aus der Stadt mitnehmen und entsprechend viele interessante Projekte anbieten können.

Wie erklären Sie sich nur ein Jahr nach der Krisenmesse eine solche Euphorie auf dem Markt?

Schückhaus 2008 und 2009 waren im Vergleich zu 2010 Trauerveranstaltungen. Jetzt merkt man Optimismus. Auch die Banken gucken wieder, was passiert.

Wann merkt man die Investitionsfreude denn auf dem Arbeitsmarkt?

Schückhaus Das müsste sich 2012 bemerkbar machen. Wir haben derzeit 83 000 Beschäftigte in Mönchengladbach, wir können die 85 000 wieder packen.

Spielt die Frage, ob die Stadt hochqualifizierte oder geringqualifizierte Arbeitsplätze braucht bei der Unternehmensansiedlung eine Rolle?

Schückhaus Alle Unternehmen sind willkommen. Die Frage ist aber, wer anklopft. Und da hat sich Mönchengladbach mit Logistik und Maschinenbau einen Namen gemacht. Diese Vorteile stellen wir heraus.

Wie geht es den Maschinenbauern?

Schückhaus Überwiegend gut. Der Textilmaschinenbau läuft exzellent, und im Anlagenbau hat ein Auftragspolster über die Krise hinweggeholfen. Werkzeugmaschinenbauer wie Monforts hatten mehr Probleme. Die Insolvenz ist der Krise geschuldet. Wichtig ist, dass sich die Unternehmen auf dem Weltmarkt spezialisieren. Was die Arbeitsplatzentwicklung angeht, sind die Firmen allerdings gut durch die Krise gekommen.

Am Freitag wurde die Bleichwiese eröffnet. Jetzt gibt es einen niederländischen Investor, der sich sehr für das Grundstück interessiert. Wie lange bleibt die Wiese?

Schückhaus Wir sind in ersten Vorgesprächen mit einer niederländischen Gruppe, haben aber auch andere lockere Anfragen. Es wird mindestens ein Jahr für ein tragfähiges Konzept brauchen und ein weiteres Jahr für Bebauungspläne. Das heißt, die Bleichwiese wird mindestens zwei Jahre als Interimsnutzung zur Verfügung stehen, vielleicht auch länger.

Geht es um Büros, Wohnungen, oder gar ein Hotel?

Schückhaus Vieles ist denkbar, ein Investor muss abschätzen, in welchen Segmenten ein entsprechender Bedarf ist.

Braucht Mönchengladbach noch Hotels?

Schückhaus Die Stadt ist ganz gut ausgestattet. In manchen Bereichen sehe ich Bedarf, zum Beispiel in der Zwei-Sterne-Kategorie.

Was halten Sie von der Bettensteuer für Hotels?

Schückhaus Aus Sicht der Hoteliers ist das natürlich kritisch zu sehen. Auf der anderen Seite haben sie gerade ein Geschenk von der Bundesregierung bekommen, das ich ohnehin nicht verstanden habe. Das ist also ein Nullsummenspiel. Eine Bettensteuer wird glaube ich niemanden davon abhalten, in Mönchengladbach zu übernachten.

Die Tante JU soll nach Mönchengladbach kommen. Wie weit ist das Projekt?

Schückhaus Wir haben uns mit dem Projekt beim Wettbewerb Erlebnis NRW beworben. Der Standort ist absolut noch nicht festgelegt. Ich würde die JU 52 zwar gerne in Rheydt sehen, kann mir aber auch den Nordpark oder den Flughafen vorstellen. Im November ist die Jurysitzung, im Dezember wissen wir, ob wir dabei sind.

Welche Perspektive hat denn noch der Flughafen?

Schückhaus Ich sehe die Entwicklung als positiv, weil alle Optionen offen bleiben. Mehr war nach der Vorgeschichte nicht zu erwarten. Fluglotsen und das Instrumentenlande-system bleiben genauso wie die Bestrebungen des Flughafens Düsseldorf, Business-Flieger nach Mönchengladbach umzuleiten.

Das Gespräch führten Ralf Jüngermann und Andreas Gruhn.

(RP)