Mönchengladbach: "Wir sind die eigentlichen Wahlgewinner"

Mönchengladbach : "Wir sind die eigentlichen Wahlgewinner"

Die Parteizentrale, von der aus Daniel Benkert am Sonntagabend den Wahlausgang verfolgte, ist eine kleine Studentenwohnung. Mit John-Lennon-Poster an der Wand und einem Smiley über der Tür. "107 Stimmen – nicht schlecht", sagt Daniel Benkert und nickt zufrieden. "Darauf kann man aufbauen." In Prozentpunkte ausgedrückt liest sich das so: 0,11.

Die Parteizentrale, von der aus Daniel Benkert am Sonntagabend den Wahlausgang verfolgte, ist eine kleine Studentenwohnung. Mit John-Lennon-Poster an der Wand und einem Smiley über der Tür. "107 Stimmen — nicht schlecht", sagt Daniel Benkert und nickt zufrieden. "Darauf kann man aufbauen." In Prozentpunkte ausgedrückt liest sich das so: 0,11.

Benkert ist seit Februar Mitglied der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative — kurz: PARTEI. Also eben jener politischen Organisation, die 2004 von Redakteuren des Satiremagazins Titanic gegründet wurde. Für Benkert ist es die erste Wahl als Mitglied und kommissarischer Vorsitzender des Ortsverbandes Mönchengladbach.

18 Kleinparteien traten an

Es sind die kleinen Parteien, die für sich genommen kaum nennenswerte Stimmanteile bei Wahlen "gewinnen". Und dennoch treten sie immer wieder an. Gestern holten 18 Parteien ohne Direktkandidaten in Mönchengladbach 4,7 Prozent der Stimmen. Die PARTEI ist die einzige, die einen Ortsverband in der Stadt hat.

Die Freie Union von Gabriele Pauli hat auf ihrer Webseite bislang nur einen Ortsverband angekündigt, Namen oder gar Zahlen fehlen völlig. Auch die PARTEI ist noch nicht ganz so weit. Denn der Ortsverband besteht zur Zeit nur aus Daniel Benkert. Die PARTEI ist er. Der Germanistik-Student, seit Februar Mitglied, ist vom Landesvorsitzenden damit beauftragt worden, einen Ortsverband aufzubauen. Zweimal hat er bislang zur Gründung geladen, beide Male waren sie zu zweit. Das reicht nicht für einen Vorstand.

Die PARTEI, die in Wahlwerbespots im Radio unter anderem für Schokolade und sexy Politiker eintritt, ist nahe daran, ein Witz zu sein. So sah das zumindest der Bundeswahlleiter, als er die PARTEI von der Bundestagswahl 2009 ausschloss. Der Landeswahlleiter hingegen war von ernst gemeinten politischen Zielen überzeugt und ließ sie auf den Stimmzettel.

Benkert meint, niemand solle an der Ernsthaftigkeit der PARTEI zweifeln. "Wir sind keine Jux-Partei. Die FDP ist eine Jux-Partei", sagt Daniel Benkert mit demselben Ansatz eines satirischen Lächelns, wie ihn PARTEI-Gründer Martin Sonneborn zu tragen pflegt. "Wer wie Guido Westerwelle allen ernstes von spät-römischer Dekadenz redet in Bezug auf unsere Arbeitslosen, der hält eine Büttenrede."

Wahlkampf kannte Benkert bislang nur vom Hörensagen, und er hatte eigentlich auch nie vor, politisch aktiv zu werden. Doch beim nächsten Mal will er richtig mitmischen. Mit allem, was dazugehört. Auch auf die Gefahr hin, dass es am Ende sogar auf Politik hinausläuft. Der Abend zeigte, dass Benkert schon etwas davon versteht, wie man Wahlergebnisse der Öffentlichkeit erklären muss. "Wir sind der eigentliche Gewinner der Wahl", sagte er in einer ersten Reaktion auf das Ergebnis aus dem Rheydter Rathaus. "Im Vergleich zu CDU und zur SPD haben wir nicht deutlich an Stimmen verloren."

Das wäre auch schwer gewesen: Denn die PARTEI trat noch bei keiner Wahl in Nordrhein-Westfalen an.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fotos: Wahlgewinner und -verlierer

(RP)