Mönchengladbach: "Wir fühlen uns abgehängt"

Mönchengladbach : "Wir fühlen uns abgehängt"

Das Rathaus will die Innenstadt stärken, doch Händlerin Gina Lehnen und Gastronom Nino Abate spüren davon wenig.

Wenn es um den Aufschwung in Mönchengladbach geht und um die unterschiedlichen Konzepte, mit denen die Verantwortlichen im Rathaus jetzt auch die Innenstadt von Gladbach aufwerten wollen, bleiben Gina Lehnen und Nino Abate skeptisch. Sie führt seit 1985 an der Stephanstraße ein exklusives Geschäft für edle Wäsche, er ist seit 1986 Chef der beliebten "Tavernetta da Nino" an der Postgasse. Mit Sorge beobachten die beiden, wie dieser Teil der Innenstadt nicht attraktiver wird, sondern abbaut. "Wir verkommen zur Bahnhofsgegend, sind wie abgeschrieben", sagt Lehnen. "Dabei sind wir doch auch ein Mehrwert für die Stadt", sagt Abate.

Parken "Das ist eine Katastrophe", sind sich beide einig. Die meisten ihrer Stammkunden kämen nicht mit Bus oder Fahrrad, sondern mit dem Auto. Tagsüber gilt auf den Straßen im Umfeld jedoch eine Kurzparkzeit von maximal einer Stunde - für ein Mittagessen oder eine intensive Kundenberatung zu wenig Zeit. Das Parken mit Ticket wird erschwert, weil die 1,80 Euro bar und passend zu zahlen sind. Die benachbarten Parkhäuser seien entweder voll, dreckig oder werden von den Kunden als zu unsicher eingestuft. Eins auf der Oskar-Kühlen-Straße macht abends bereits um 20.30 Uhr zu. "Das Auto von Gästen aus Viersen war mal eingesperrt, sie kamen nicht mehr raus", sagt Abate. Andere Gäste haben schon einen reservierten Tisch storniert, nachdem sie auf der Suche nach einem Parkplatz dreimal erfolglos um den Block gefahren sind. Er kann sich nur wundern, dass in der Umgebung selbst abends um 23 Uhr noch Knöllchen an Falschparker verteilt werden. Sie fordern, dass das Parken tagsüber auf zwei Stunden ausgedehnt wird, Parkhäuser abends länger öffnen und die Knöllchen-Verteiler nicht so streng vorgehen.

"Wir arbeiten an Ideen, um das Problem zu entschärfen", sagt Stadtplaner Taco de Marie. Das Kurzzeitparken soll für einen raschen Wechsel sorgen und animieren, die Parkhäuser zu nutzen. Abends könne man aber mehr Platz zum Parken freigeben. Die Parkhäuser müssten freundlicher und sicherer gestaltet sein, vor allem aber länger öffnen. "Darauf müssen wir einwirken", sagt de Marie.

Toilette Bismarckplatz Dass sich auf dem Platz eine Trinker- und Drogenszene trifft, ist ein bekanntes Problem, aber vermutlich nur schwer zu verhindern. "Aber die Stadt muss dort Toiletten aufstellen", sagt Lehnen. Ständig stehe jemand bei ihr im Laden und wolle auf Toilette gehen. Abate kennt das Phänomen auch. Regelmäßig sei zu beobachten, dass selbst Frauen aus diesen sich am helllichten Tag zwischen Autos erleichtern. Die Lösung sei nur eine Toilette auf dem Bismarckplatz - "die kann ja auch schön gestaltet sein", sagt Lehnen. Stadtplaner de Marie gibt ihr Recht: "Frau Lehnen tut mir leid, die Trinker kann man nicht steuern."

Beschilderung Seit der Eröffnung des Minto spüren Lehnen, Abate und andere Händler, dass die Laufkundschaft in ihrem Bereich weit weniger geworden ist. "Früher war mehr Bewegung im Viertel", sind sie sich einig und wünschen sich, dass auf der Hindenburgstraße Hinweisschilder oder Fahnen auf das hinweisen, was in den Seitengassen an Angebot ist. Das jedoch widerspreche der neuen Gestaltungssatzung der Stadt, sei ihnen gesagt worden. Taco de Marie will auch dafür eine Lösung finden: Im Rahmen der touristischen Beschilderung sei eine Erweiterung der Kriterien denkbar.

(dr)
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