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Mönchengladbach: Wintermäntel für spanische Windhunde

Mönchengladbach : Wintermäntel für spanische Windhunde

Normalerweise werden in den Räumen der Firma Sunset Verpackungsfolien hergestellt. Am Samstag ist das anders. Dann werden die Mitarbeiter des Unternehmens Mäntel für Windhunde in spanischen Auffangstationen nähen.

Aribato, Marie, Rani, Mia und Duchesse haben es gut. Anja Stendel hat sie aus spanischen Tötungsstationen gerettet und ihnen ein schönes neues Leben geschenkt. "Ich bin total per Zufall an die Windhunde gekommen", sagt sie. Vor vier Jahren bekam sie sozusagen einen Notfall ins Haus: Duchesse. Durch die Hündin wurde sie auf das Schicksal der Galgo Espanol aufmerksam. Die Tiere werden in Südspanien als reine Nutztiere zur Hasen- und Kaninchenjagd eingesetzt. Wenn sie nicht mehr erwünscht sind, werden sie ausgesetzt, in Tötungsstationen abgeschoben oder qualvoll umgebracht. "Nach Ende der Jagdsaison gibt es spezielle Feste, bei denen die Windhunde in Bäumen aufgehängt werden, bis sie nach langem Todeskampf verenden", sagt Anja Stendel. "Eine andere Variante besteht darin, sie lebendig in ein eigens ausgehobenes Erdloch zu werfen. Dann werden sie von den Festgästen gesteinigt — im Beisein von Kindern." Es sei bekannt, dass 50 000 Galgos nach der Beendigung der Jagdsaison — Ende Januar — ums Leben gebracht werden.

Das Schicksal der in Spanien massenhaft gezüchteten Hunde hat Anja Stendel derart erschüttert, dass sie sich der Tierschutzorganisation "Sonnenscheinhunde" anschloss. Dieser Verein kooperiert mit dem spanischen Tierschutz. Der bevorstehende Winter bereitet den Tierfreunden in Spanien, die die Auffangstationen für die von ihnen geretteten Windhunde betreuen, große Sorgen. "Die Hunde leben dort auf nacktem Betonboden", sagt Anja Stendel. Auch in Spanien wird es für die kälteempfindlichen Hunde im Winter ungemütlich. "Deshalb nähen wir warme Mäntelchen für die Tiere." Und das gleich im großen Stil.

Anja Stendels Tierliebe ist in dem Betrieb, in dem sie arbeitet, bekannt. Schnell fanden sich Kollegen bereit, ihr zu helfen. Und am kommenden Samstag dürfen die Mitarbeiter der Firma Sunset in Güdderath, in der normalerweise Verpackungsfolien hergestellt werden, die Arbeitsräume des Unternehmens nutzen, um 100 bunte warme Wintermäntelchen zu nähen. Um 9 Uhr geht es los. "Wir nähen, bis wir das Material verarbeitet haben."

Vertriebsleiter Björn Seibert betrachtet die Aktivitäten seiner Mitarbeiter mit Wohlwollen. "Ich habe zwar selber keinen Hund, finde aber das Engagement von Frau Stendel und die Hilfsbereitschaft der Kollegen toll", sagt er. Deshalb stellt die Geschäftsleitung nicht nur die Räume, sondern auch die Maschinen und das Nähmaterial zur Verfügung. "Das ist eine außergewöhnliche Aktion, die wir sehr gern unterstützen."

Anja Stendel hat das Schnittmuster für die Hundemäntel erstellt. Genäht werden die Kleidungsstücke aus Fleecedecken, die sie im Textildiscount für 2,99 Euro das Stück kauft. "Billiger dürfen die nicht sein, dann ist der Stoff zu dünn." Einige Decken haben Kollegen schon gespendet. "Wir hoffen, dass wir 100 Stück zusammenbekommen." 50 Mäntel will sie dann umgehend nach Spanien schicken, die anderen 50 werden im Internet versteigert. "Es gibt viele Windhundhalter in Deutschland, die sich über solche Mäntel für ihre Tiere freuen", sagt Anja Stendel.

Die Mäntelchen sind echte Unikate. Jedes wird nicht nur mit Liebe genäht, jedes bekommt auch noch eine Applikation. Aribatos Kleidungsstück ist mit einem Herz versehen, das von Marie ziert ein Knochen, und der Mantel, den Rani zum Fotoshooting tragen darf, hat ein kleines Täschchen mit Klettverschluss an der Seite. Um den Hals der Hunde kuschelt sich ein warmer Rollkragen, ein breiter Stoffstreifen wird unter dem Bauch durchgezogen und an der Seite befestigt. So hat das Kleidungsstück Halt und erfüllt seinen Zweck. Anja Stendels Hunde fühlen sich sichtlich wohl in der warmen Ummantelung. Das Material ist weich und anschmiegsam.

Anja Stendel hofft, dass weitere Tierfreunde sich für das Schicksal der spanischen Windhunde interessieren und möglicherweise helfen wollen. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.sonnenscheinhunde.de.

(RP)