Mönchengladbach: Windbergs Wohnwassertraum

Mönchengladbach: Windbergs Wohnwassertraum

Dieses Haus ist einzigartig in der Stadt: Das Hochhaus an der Kärntner Straße versteckt unter seiner zartrosa und grünen Fassade einen Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg und die größte Badewanne der Stadt. Vom Dach kann man auch noch den Kölner Dom sehen – ein Wohntraum.

Windberg Ein Bunker dient selten einer solch farbenfrohen Inspiration. Es ist auch nicht mehr nachvollziehbar, was den Mönchengladbacher Ingenieur Willi Daberkow 1949 zu dieser kühnen Idee anspornte. Er hatte die Idee um die graue Betonmasse herum ein schmuckes Wohnhaus zu bauen. Es dauerte zwar ein wenig, bis es tatsächlich so weit war. Aber heute steht an der Kärntner Straße in Windberg tatsächlich ein rosafarbenes Hochhaus mit grünen Balkonen, das in seinem Kern einen Bunker beherbergt. Rosa und grün statt grau in grau – der Architekt hat also ernst gemacht mit Daberkows Idee.

Kein Zweifel, dieses in Mönchengladbach einzigartige Wohnhaus hat Geschichte. Im Zweiten Weltkrieg retteten Hochbunker vielen Menschen das Leben. Zwischen dem 12. Mai 1940, dem Tag des ersten britischen Bombenabwurfs auf die Stadt, und der Eroberung durch amerikanische Truppen am 1. März 1945, fielen tausende Bomben auf das Stadtgebiet. Ab 1944 gab die Luftschutzwarnstelle im Rathaus Abtei praktisch Daueralarm, die Menschen verkrochen sich in die Luftschutzkeller. Oder sie flüchteten in Hochbunker wie eben jenen an der Kärntner Straße, der mit seinen meterdicken Wänden ebenfalls Schutz bot.

Nach dem Krieg stand der graue Koloss noch relativ unbeeinträchtigt, während die Stadt in sehr großen Teilen in Trümmern lag. Es herrschte massive Wohnungsknappheit. Und so kamen die Briten auf eine simple Idee: Warum nicht die Bunker in der Stadt umfunktionieren? So sprengten sie Löcher in die Außenwände, um den Windberger Hochbunker als Wohnraum nutzbar zu machen. Überall in der Stadt, wie zum Beispiel an der Neusser Straße, wurden Hochbunker auf diese Weise oder auch etwas anspruchsvoller zum Wohnhaus umfunktioniert.

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Dann schlug die Stunde des Willi Daberkow. Nicht in dem Bunker, sondern außen herum sollten Menschen wohnen. Es dauerte aber rund zehn Jahre, bis es soweit war. Ende der 50er Jahre schließlich wurde aus dem Betonskelett das Hochhaus, das eine Art "Wahrzeichen" von Windberg ist. Jedenfalls ist es der höchste Punkt des am höchsten gelegenen Stadtteils der Stadt und somit schon von weitem sichtbar. Es entstanden insgesamt 48 Wohnungen mit jeweils 47 Quadratmetern Wohnfläche in einem Wohngebiet, dessen Bebauung sonst kaum über drei Geschosse hinausreicht. Seit 1962 ist die Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft (GWSG) der Stadt für den Bau zuständig.

Dabei wird der Bunker im Inneren noch heute genutzt. Daberkow hatte nämlich die Idee, den Bunker mitten im Haus als eine Art "Ersatzkeller" zu nutzen. Also haben die Bewohner heute in dem alten Gemäuer ihre Vorratsräume – Abstellkammern mit Geschichte eben. Außerdem ist in dem Bau auch noch ein gigantischer Wassertank untergebracht (siehe unten), der auch heute noch von der NVV genutzt wird. 2002 und 2003 erneuerte die Stadt in dem Gebäude für 355 000 den Brandschutz – damals der aktuellste Brandschutz in der Stadt.

Wer auf dem Dach steht, befindet sich auf dem höchsten Punkt der Stadt – nämlich 115 Meter über dem Meeresspiegel. Vom Dach aus kann man mit bloßem Auge den Düsseldorfer Fernsehturm oder die Neusser Skihalle sehen. Mit dem Fernglas ist sogar der exakt 62,3 Kilometer entfernte Kölner Dom zu erkennen. So ist es mit Wahrzeichen. Köln hat seinen Dom, Windberg seinen Wohnwasserturm.

(RP)