Mönchengladbach: Wikipedia-Gründer begeistert Schüler

Mönchengladbach: Wikipedia-Gründer begeistert Schüler

Zunächst bemerkt ihn kaum jemand, den Mann, der die offene Enzyklopädie im Netz gegründet hat. Erst als sich Dutzende Kameras auf ihn richten, wird es ganz still dort, wo gerade noch rund 70 Schüler durcheinanderredeten und aufgeregt herumliefen.

Jimmy Wales ist da. Auf diesen Augenblick haben die Jugendlichen lange hingefiebert und sich detailliert vorbereitet. Das Treffen mit dem Wikipedia-Gründer haben sie bei einem Wettbewerb des Initiativkreises gewonnen. Einen minuziösen Plan gibt es, in dem exakte Zeiten für jede Frage an den Netz-Pionier vorgesehen sind. Themendiskussion: 35 Minuten. Statement zu einem Zitat zum Thema Jugend: drei Minuten. Persönliche Fragen: 15 Minuten. Und die Schüler haben eine Menge Fragen.

Wie Jimmy Wales zum Thema Urheberrecht stehe, in Zeiten, da man alles bei Facebook teilt. Für ihn ist es ein schwieriges Thema. "Wir wollen, dass unsere Arbeit so frei wie möglich ist und dass die Nutzer Inhalte teilen können", sagt er. Manche Vorschriften des Urheberrechts würden aber auch die Arbeit der Wikipedia-Autoren beschränken. "Wenn man bei Youtube ein Video vom Kindergeburtstag hochlädt und im Hintergrund läuft ein bekanntes Lied, dann ist das keine Piraterie, sondern bloßer Gebrauch", findet Wales.

Dass die Informationsfreiheit auch im Netz ihre Grenzen hat, macht Wales am Beispiel von China deutlich. "Dort wurde Wikipedia vor ein paar Jahren ganz gesperrt, jetzt sind es einzelne Inhalte wie der Beitrag zum regimekritischen Künstler Ai Weiwei oder zu Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo." Die 18-jährige Alina Zumkley weist darauf hin, dass viele Schüler Wikipedia als Grundlage für Referate nutzen, vieles werde einfach aus den Beiträgen kopiert. Wales hat dazu eine entspannte Position: "Nehmt es, aber verweist auf die Quelle." Besser sei es allerdings, den Quellenhinweisen in den Fußnoten nachzugehen. Lexika seien vor allem dazu da, sich einen Überblick über ein Thema zu verschaffen.

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Und dann singt er auch noch. Bevor Geburtstagskind Hannah ihre Frage stellen kann, stimmt Wales ein "Happy Birthday" für die Siebtklässlerin an und alle Schüler fallen mit ein. Bei den Schülern hat er spätestens damit gewonnen. "Er war sehr sympathisch. Man denkt ja immer, dass berühmte Leute irgendwann abheben", sagt Sissel Lucka (17), die auch im Redaktionsteam der Schülerzeitung "Mittelpunkt" sitzt. Das findet auch ihr Mitschüler Alexander Falk. "Er hat auf alles sehr ausführlich geantwortet. Ich habe ihn mir allerdings größer vorgestellt", sagt er und lacht.

Oberstufenschülerin Alina liegt vor allem das Thema Plagiate am Herzen. "Ich achte sehr darauf, welche Quellen ich benutze, zum Beispiel für meine Facharbeit. Es kann schnell passieren, dass man etwas kopiert und dann vergisst, die Quelle anzugeben", meint sie. Was sie an Wales besonders beeindruckt hat, war allerdings sein Rat: "Ich fand es klasse, dass er gesagt hat, wir sollten alles ausprobieren, während wir jung sind, und Fehler riskieren."

(RP)
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