Mönchengladbach: Wie viele Hotels verträgt die Stadt?

Mönchengladbach : Wie viele Hotels verträgt die Stadt?

Die Hotelkette B&B hat am Montag ein Areal im Bereich City-Ost gekauft, auch in das Neubauprojekt am Abteiberg gerät Bewegung. Am Stadion ist ein weiteres Hotel geplant. Jedoch ist die Belegungsquote schon jetzt niedrig, zudem naht die Einführung einer Bettensteuer. Eine Analyse.

Die Hotelkette B&B hat am Montag ein Areal im Bereich City-Ost gekauft, auch in das Neubauprojekt am Abteiberg gerät Bewegung. Am Stadion ist ein weiteres Hotel geplant. Jedoch ist die Belegungsquote schon jetzt niedrig, zudem naht die Einführung einer Bettensteuer. Eine Analyse.

Nach Möglichkeit noch im ersten Quartal 2012 will die Hotelkette B&B mit dem Bau eines sechsgeschossigen, 18 Meter hohen Hotels mit Flachdach an der Breitenbachstraße beginnen. Dies sagte gestern Dirk Dratsdrummer, Sprecher des Immobilienentwicklers Aurelis, Region West, gegenüber der Rheinischen Post. Aurelis ist Eigentümerin des insgesamt 77 000 Quadratmeter großen Areals östlich des Hauptbahnhofs, das als "City-Ost" neu entwickelt werden soll. "B&B hat am Montag den Vertrag über ein 2750 Quadratmeter großes Grundstück unterschrieben", sagte Dratsdrummer. Der Bauantrag sei am 14. September eingereicht worden.

Auch noch dieses Jahr, idealerweise sogar noch diesen Monat, will die Entwicklungsgesellschaft EWMG eine Grundsatzvereinbarung ("Letter of intent") mit dem Münsteraner Projektentwickler VI Group erzielen. Dies sagte gestern Rolf Theißen, Geschäftsbereichsleiter Immobilien, Verwaltung und Entwicklung. Die VI Group plant einen Hotelneubau an der Stelle des alten Hauses Zoar am Abteiberg und soll, unter Einbeziehung bisher tätiger Partner, das Vorhaben im Rahmen eines beschränkten Architektenwettbewerbs realisieren. "Die Größenordnung liegt bei 90 Betten", so Theißen. Eine Hotelgruppe aus NRW soll das Drei- bis Vier-Sterne-Haus betreiben, nachdem zuvor Art'otel abgesprungen war. Diese Gruppe hatte ein größeres Hotel bauen wollen.

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Ein neues Hotel am Abteiberg, ein neues Hotel im Bereich City-Ost, ein neues Borussia-Hotel in Stadionnähe, das der Verein bereits seit längerem plant, und dazu möglicherweise noch ein neuer herbergsähnlicher Betrieb an der Waldhausener Straße, den die Stadttochter GWSG anvisiert: Das Mönchengladbacher Gastgewerbe steht vor Umwälzungen, selbst wenn nicht jedes dieser Projekte am Ende auch eins zu eins in die Tat umgesetzt werden sollte.

Aus 2136 Hotelbetten in 38 Betrieben können Touristen und Geschäftsreisende schon heute wählen, wenn sie in Gladbach übernachten. Diese Zahl, die das Statistische Landesamt IT NRW im Juni für Betriebe ab neun Betten aufwärts in der Vitusstadt erhob, ist gleich in mehrfacher Hinsicht interessant: Sie lag 200 Betten über dem Wert des Junis 2010 — zum Teil möglicherweise durch die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft bedingt, auch wenn sich diese den Hoteliers zufolge kaum auf die Übernachtungszahlen niederschlug. Die Zahl hat sich in den letzten Jahren aber auch kontinuierlich nach oben entwickelt. Und: Sie übertrifft deutlich die Zahl der vergleichbar großen Stadt Krefeld (im Juni 1548 Betten in 20 Betrieben). Jedoch befindet sich der Auslastungsgrad der Gladbacher Hotellerie, obwohl er gegenüber Juni 2010 leicht anstieg, mit 32,7 Prozent klar unter dem Landesschnitt (39 Prozent). In den letzten zehn Jahren tat er das stets, pendelte zwischen 30 und 35 Prozent.

Gerade bei der Auslastungsquote, die somit eben auch den Betten- "Leerstand" ausdrückt, zeigt sich Gladbachs Abhängigkeit von Düsseldorf. 23 629 Hotelbetten waren in der Landeshauptstadt im Juni verfügbar, durch eine Reihe von Bauprojekten wird die Zahl noch weiter ansteigen — um bis zu 1500. Ein kritischer Umstand für die Vitusstadt. Denn: Ist in Düsseldorf Messe oder steht ein Großereignis wie der Eurovision Song Contest an, schwappen die Hotelgäste zwar schnell aufs Umland und damit auch auf Mönchengladbach über. Ist das jedoch nicht der Fall, sind in Düsseldorf so viele Hotelzimmer in allen Preiskategorien verfügbar, dass das Umland eher leidet. Mit einer Auslastungsquote von 44,4 Prozent im Juni musste sich Düsseldorf unter den Großstädten im Lande nur Köln (44,8), Hagen (45,0), Aachen (46,9) und Oberhausen (50,0) beugen.

Hat Gladbach also bereits heute eine ausreichende oder vielleicht schon zu hohe Bettenkapazität? Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein Blick auf die Übernachtungszahlen. Denn diese sind, allen Unkenrufen über die ach so "unattraktive" Stadt zum Trotz, in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. 230 767 Übernachtungen waren es 2010, dem Rekordjahr in dieser Hinsicht. 2011 könnte sogar noch besser ausfallen: In den ersten sechs Monaten verzeichneten die Hoteliers im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 18 Prozent bei der Zahl der Übernachtungen — von 106 003 auf 125 056. Dieser Anstieg wurde unter den Großstädten NRWs nur von Oberhausen getoppt. Ein Umstand, den der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) auf die Frühjahrsmessen in Düsseldorf zurückführt — aber da es die nicht zum ersten Mal gab, muss die Entwicklung auch andere Gründe haben.

Generell sieht der Dehoga einige der Neubaupläne kritisch. Geschäftsführer Christian Jäger befürchtete zuletzt im August ein weiteres Absinken des Auslastungsgrades. "Für den Betrieb eines weiteren 90-Betten-Hotels wären selbst bei der derzeit schlechten Belegungsquote rund 11 000 zusätzliche Übernachtungen pro Jahr notwendig. Ein Konzept, wie zusätzliche Gäste nach Mönchengladbach gebracht werden sollen, ist die Stadt bisher schuldig geblieben."

Ein Punkt, den man auch anders sehen kann. Denn: Der Stadtrat beschloss bereits vor Jahresfrist eine Bettensteuer, deren Einführung der Dehoga mit Sorge sieht. Die Maßnahme soll die Stadtkasse pro Jahr um 600 000 Euro entlasten, wovon jeweils 200 000 Euro an die Marketinggesellschaft MGMG gingen — und die würde damit gezielt für den Tourismusstandort werben. Gelten soll die Maßnahme so lange, wie die vom Bund beschlossene Mehrwertsteuersenkung für das Hotelgewerbe gilt — und eben diese Ausfälle ausgleicht. Als Bettensteuer fällig werden sollen nicht, wie ursprünglich geplant, fünf Euro pro Übernachtung, sondern, nach Kölner Vorbild, fünf Prozent des Übernachtungspreises. Die Stadt will vor der Einführung 2012 aber noch die finale Rechtsprechung abwarten, nachdem es Klagen gegeben hatte. Bald dürfte es so weit sein: Das Kölner Verwaltungsgericht erklärte die Steuer im Juli für zulässig. Nun steht noch die Berufung aus, die im September beim Oberverwaltungsgericht Münster eingelegt wurde.

Aachen etwa hat jedoch bereits jetzt zum 1. Januar 2012 eine Bettensteuer beschlossen. Die Begründung: "Die große Mehrheit der Aachener Ratspolitiker ließ sich von dem Schreckensszenario nicht überzeugen, dem zufolge die Aachener Hoteliers laut eigener Aussage mit herben Einbrüchen bei den Übernachtungszahlen rechnen." Die Politik berief sich darauf, dass "andere Städte diese Abgabe längst eingeführt hätten, ohne dass das dortige Hotelgewerbe massive Einbußen hätte verzeichnen müssen".

(RP)