Mönchengladbach: Wie RP-Redakteur Hurtmanns auf die "Fohlenelf" kam

Mönchengladbach: Wie RP-Redakteur Hurtmanns auf die "Fohlenelf" kam

Sie waren jung, wild und ungestüm. Die Rede ist ausnahmsweise einmal nicht von veralteten Rockern, die zu ihren besten Zeiten Hotelzimmer auseinander genommen und wilde Drogenpartys gefeiert haben. Sondern von der Mannschaft von Borussia Mönchengladbach, die zu ihren Anfangszeiten – seit 1965– die Bundesliga mit ihrem frischen Spiel aufmischte.

Sie waren jung, wild und ungestüm. Die Rede ist ausnahmsweise einmal nicht von veralteten Rockern, die zu ihren besten Zeiten Hotelzimmer auseinander genommen und wilde Drogenpartys gefeiert haben. Sondern von der Mannschaft von Borussia Mönchengladbach, die zu ihren Anfangszeiten — seit 1965— die Bundesliga mit ihrem frischen Spiel aufmischte.

Als Erfolgstrainer Hennes Weisweiler Mitte der 1960er Jahre nach Mönchengladbach kam, war die Vereinskasse nicht besonders üppig bestückt. Für große Stars war kein Geld da, also musste der Nachwuchs ran. Das Weisweiler-Team hatte ein Durchschnittsalter von 21,5 Jahren. Zu seinem Kader gehörten unter anderem Günter Netzer, Jupp Heynckes, Bernd Rupp und Herbert Laumen. 92 Tore hatten sie am Ende ihrer ersten gemeinsamen Saison geschossen. Von der Regionalliga West ging es im Direktmarsch in die Bundesliga.

Enger Kontakt zu Vogts

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Wilhelm August Hurtmanns, Sportredakteur der Rheinischen Post in Mönchengladbach, folgte den Borussen zu dieser Zeit auf Schritt und Tritt. Er berichtete über den Klub, hatte einen Platz im Mannschaftsbus und stand in engem Kontakt zum damals jungen Berti Vogts. Auch Hurtmanns war von der Spielweise der jungen Gladbacher höchst angetan. Er drückte der Mannschaft damals ein Prädikat auf, das sie bis heute trägt und pflegt. Wie junge Fohlen seien die Spieler der Borussia, schrieb Hurtmanns damals in seinen Artikeln. Der Vergleich schien auch Kollegen anderer Medien durchaus zu gefallen. Und so wurde der Begriff der "Fohlenelf" schnell in ganz Fußball-Deutschland adaptiert. Noch heute werden die Gladbacher Spieler liebevoll so genannt — auch wenn einige Spieler wie Filip Daems (33) und Martin Stranzl (32) dem Fohlenalter wohl schon entwachsen sind. Und mit "Jünter" haben die Borussen ein Maskottchen, das die Fohlentradition weiter trägt und nicht nur bei den jüngeren Anhängern gut ankommt.

Hurtmanns hat zu seiner aktiven Zeit noch einen anderen Begriff geprägt, zu dem allerdings eine ordentliche Portion mehr Fantasie gehörte. Das alte Borussen-Stadion an der Bökelstraße verdiente seiner Ansicht nach wohl einen etwas knackigeren Zusatz. In Anlehnung an das Fritz-Walter-Stadion des 1. FC Kaiserslautern, das man dort auch Betzenberg nennt, dachte sich Hurtmanns wohl, dass man aus der Bökelstraße doch prima einen Bökelberg machen kann. Und so wurde auch der "Bökelberg" schnell zum Synonym für das Stadion an der Straße. Zur Nebensache wurde, dass der Betzenberg tatsächlich in 286 Metern Höhe über der Stadt thronte. Der "Gipfel" des Bökelbergs erhebt sich gerade einmal 61 Meter über den Stadteil Eicken. Doch das interessierte in Fußball-Deutschland sowieso niemanden.

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(RP)