Mönchengladbach: Wie Joseph Beuys' Kunst eine Schneise schlug

Mönchengladbach: Wie Joseph Beuys' Kunst eine Schneise schlug

Museum Abteiberg und Stadt rücken derzeit durch ein Bauprojekt enger zusammen. Bei der Eröffnung des Hauses 1982 hatte der Künstler dies bereits vorweggenommen - für die einen war das seinerzeit ein Skandal, für die anderen ein symbolischer Akt.

Er wollte, so hat er es selbst gesagt, "etwas für die harmonische Abwicklung dieser Sache tun und für das autonome Jugendzentrum, das da genau vor dem Museum liegt". So war Joseph Beuys, er konnte und wollte nicht anders. Als während der hochoffiziellen Eröffnung des Museums Abteiberg am 23. Juni 1982 die Protestrufe Jugendlicher in die Ausstellungshallen schallten, durchbrach der Künstler das Protokoll, eilte nach draußen und sprühte mit grüner Farbe "Haus Zoar muss bleiben - Joseph Beuys" auf eine Mauer auf der anderen Seite der Abteistraße.

Der Bagger hat in den letzten Tagen unermüdlich gearbeitet. Das alte Jugendheim ist fast verschwunden. Das Foto stellte Peter Mohr der RP zur Verfügung. Foto: Karl Boland

Diese Mauer steht heute noch, der Schriftzug aber wurde irgendwann übertüncht. Das Ärgernis, als das viele Mönchengladbacher die Aktion damals empfunden hatten, wurde damit unsichtbar. Nachzulesen ist das Beuys-Ereignis in einem Aufsatz von Hans Schürings im Rheydter Jahrbuch 28 von 2009. Die Fotos, die darin zu sehen sind, stammen vom Gladbacher Politikwissenschaftler Karl Boland: "Ich stand zufällig genau daneben."

Die Mauer ist noch da, der Schriftzug nicht. Und gleich nebenan wird derzeit das ehemalige Jugendheim abgerissen. Foto: Inge Schnettler
  • Fotos : Wie Beuys die Kunst auf die Straße brachte

Gleich neben der "Beuys-Mauer" klafft heute ein riesiges Loch. Das ehemalige Jugendheim, das schon seit Jahren leer stand und verrottete, macht einer neuen Bebauung Platz. Das Grundstück zwischen der Krichel- und der Abteistraße bebaut der Architekt Dr. Burkhard Schrammen mit einem modernen Gebäudekomplex. In der unteren Etage - gleich gegenüber dem Eingang zum Museum wird ein Café sein - mit Außenterrasse. Darüber freut sich Museumsleiterin Susanne Titz schon lange - die Gastronomie des Museums hatte wegen dessen Lage von Anfang an keine Chance, wirklich angenommen zu werden. Der Treffpunkt vor und nach dem Museumsbesuch soll das Café auf der anderen Straßenseite werden. Und da ist sie wieder - die Verbindung. Plötzlich ist sie da. Hüben und drüben. Museum und Stadt wachsen zusammen. Da passiert etwas ganz im Beuys'schen Sinne.

Foto: Karl Boland

Und auch im Sinne des Architekten Hans Hollein. Der hatte immer einen Durchstich gewollt - zur Hindenburgstraße. Dieses Vorhaben, das den Menschen auch die Schwellenangst vor dem Museum nehmen sollte, ist bis heute nicht realisiert - aber immer noch in der Diskussion. Die neue städtebauliche Situation wird der Sache auf jeden Fall aber schon einen großen Schritt entgegenkommen. Und im Sinne des Rahmenplans Abteiberg ist sie ein Signal. In der Oberstadt ist Bewegung dringend nötig. Der Rahmenplan umfasst den Bereich zwischen Aachener Straße, Viersener-/Stepgesstraße, Hitta- und Fliethstraße, Altstadt, Alter Markt, Jonas-Park und Berliner Platz. Der Plan befasst sich unter anderem auch mit dem Abteiberg, der eine herausragende Besonderheit der Stadt ist. Münster, Citykirche, Museum Abteiberg, Alter Markt, Hindenburgstraße, Geroplatz - hier entsteht ein neues Ensemble. Das Museum kommt der Stadt ein wenig näher, und die Stadt nähert sich langsam aber unaufhaltsam dem Museum.

Foto: Karl Boland
(RP)
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