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Wie Hubert Jungbluth mit Puppe Ursula seine Fische im Teich rettete

Skurriles Hobby : Hubert und seine Ursulas

Drei Schaufensterpuppen zieren Hubert Jungbluths Garten. Ben und die Ursulas sollen den Reiher vom Teich fern halten. Die skurrile Idee funktioniert.

In Hubert Jungbluths Leben gibt es mehrere Frauen. Da ist nicht nur Magdalena Jungbluth, seine Ehefrau. Da ist auch Ursula. Als Hubert Jungbluth Ursula sah, nahm er sie sofort mit nach Hause. Das kann man ihm auch kaum verübeln: Ursula ist ziemlich makellos. Ihre Haut weiß wie Porzellan, ihre Figur für immer schlank. Vor allem aber rede Ursula nicht, sagt Jungbluth und muss dabei lachen. Doch so romantisch alles klingt: Eigentlich wird Ursula nur ausgenutzt. Sie hat einen Zweck zu erfüllen. Die Puppe soll den Reiher von Jungbluths Teich fernhalten.

Hubert Jungbluth hat seine Ursula für dieses Vorhaben mitten in das Gewässer gesetzt. Dort hockt sie neben Ben. Ben wacht schon seit vergangenem Jahr über die dicken Koi-Karpfen und die Goldfische. Den fischhungrigen Reiher konnte Ben aber bisher nicht verscheuchen. „Mit dem hat er sich irgendwie angefreundet“, sagt Hubert Jungbluth.

Auf dem Weg vom Flohmarkt nach Hause durfte Ursula sogar im Beiwagen der restaurierten BMW R60 5 aus 1971 mitfahren. Foto: Jungbluth

Ursula ist da hilfreicher. Sie war obendrein noch ziemlich günstig. Kennengelernt haben sich Hubert Jungbluth und seine Ursula auf dem Flohmarkt – Liebe auf den ersten Blick zum Feilschen. Seine Frau hatte das schon kommen sehen: Früh am Morgen und schon vom Auto aus sah sie Ursula am Flohmarkt-Stand sitzen. „Ich dachte mir direkt: Hoffentlich sieht er sie nicht“, sagt Magdalena Jungbluth. Denn wenn sie eines kennt, dann den Frauen-Geschmack ihres Mannes. Ihm wird Ursula den Kopf verdrehen, da war sich Magdalena Jungbluth sicher. Sie sollte Recht behalten: „Ich habe Ursula für kleines Geld gekauft“, gesteht Hubert Jungbluth.

Nach dem Kauf kutschierte der 70-Jährige seine Ursula im Beiwagen seines selbst restaurierten, weißen BMW-Motorrads durch die Stadt. Und weil es auf dem Weg lag, wurde Ursula auch gleich Jungbluths Freunden vorgeführt. „Wo hast du die denn kennengelernt?“, lautete die erste Frage.

Vorführen ließ sich Ursula gut. Nur das mit dem Teich war ihr etwas ungeheuer: Dort wollte Ursula zunächst nicht so recht bleiben. Denn es ist so: Tief im Innern, da ist Ursula ziemlich hohl. „Ich habe sie unter Wasser gedrückt und gedrückt, aber sie kam immer wieder hoch“, erklärt Hubert Jungbluth. Damit seine Nachbarn bei diesem Vorgang nicht auf seltsame Gedanken kommen, hat der gelernte Werkzeugmacher Ursula dann lieber doch durchlöchert – so konnte das Wasser durch sie fließen – und sie anschließend mit zwei Metall-Stangen am Teich-Boden festgemacht.

Hubert Jungbluth neben seiner Ursula, die die Fische füttert. Foto: Maren Könemann

Und damit hatte Hubert Jungbluth Erfolg: Sobald Ursula im Teich saß, ließ sich der Reiher nicht mehr blicken. Doch nicht nur der: Auch Jungbluths Fische machten zu seinem Bedauern einen großen Bogen um die Frau im Wasser. Die Lösung: Ursula muss die Fische selbst füttern. Ursula erhielt kurzerhand einen reizenden Bikini gefüllt mit Fischfutter. Den zerlegten die Karpfen aber schnell in tausend Einzelteile. Also bekam Ursula neben einem neuen Bikini auch eine Babyflasche in die Hand, die Hubert Jungbluth nach einem etwas verlegenen Gespräch mit der Verkäuferin aus dem Drogeriemarkt besorgt hatte.

Vierzehn Tage später hatten die Fische den Dreh raus, das Saugloch abgeknabbert und Ursula ziemlich gern. Hubert Jungbluth braucht nur ein paar Mal mit dem Fuß auf den Boden zu aufzutreten, und schon scharen sich die Teichbewohner um Ursula und saugen das Fischfutter aus der Nuckelflasche. „Die großen Karpfen brauchen für eine ganze Flasche sogar nur drei Züge“, erzählt Hubert Jungbluth. Fische gerettet, Ursula sei Dank.

Und weil das mit Ursula so gut funktioniert hat, gibt es jetzt auch Ursula eins und Ursula zwei. Die beiden waren ein Geschenk von Bekannten. Natürlich sind sie aber nicht einfach so bei den Jungbluths. Jede Ursula erfüllt ihren Zweck. Ursula eins sitzt zum Beispiel hoch oben in Hubert Jungbluths Kirschbaum. „Damit die Vögel mir nicht die Kirschen klauen“, sagt er. Und Ursula zwei? Die posiert im feschen rosa Kleid auf einem Holzfass in Jungbluths Innenhof. Auch sie soll eine Art Tier fern halten: Aufdringliche Männer. Besucher seien oft dazu verführt, unter Ursulas Kleid zu schauen, sagt Hubert Jungbluth. Doch dort finden sie nicht das, was sie erwarten. „Ich habe eine Mausefalle darunter gelegt.“