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Wyenhütte: Wie eine Käseplatte

Wyenhütte : Wie eine Käseplatte

Einen Ex-Borussen hat Wyenhütte zu bieten. Dazu jedes Jahr einen neuen Bürgermeister, eine Gedenktafel, ein kleines "Heligehüske" und einen zweifachen Schützenkönig. Plus 2186 wiederverwertete Pflastersteine.

Das ruhige verwinkelte Örtchen hat viel mit einer kleinen Käseplatte gemeinsam. In der einen Ecke stehen die Häuser der Sorte "alt", die hauptsächlich von älteren Wyenhüttern bewohnt werden. In der anderen die der Sorte "jung", in der sich junge Familien niedergelassen haben. Und mittendrin reifen nach bester Gouda-Manier die "Mittelalten". "In den vergangenen vier Jahren hat sich in Wyenhütte sehr viel getan", erzählt Richmondis Vallen. Elf neue Häuser seien entstanden, dazu noch eine Einrichtung der Stiftung Hephata. Im Gegenzug wurde 1986 ein sechsstöckiges Wohnhaus der Weberei Dilthey abgerissen.

Die nächsten Scheiben

Für die nächsten "Käsescheiben" ist gesorgt: "Da wird immer noch gebaut und es sind noch Grundstücke frei", sagt Klaus Vallen. Das Ehepaar Vallen lebt in einem der zehn mittelalten Häuser, die 1984 bis 88 errichtet wurden. Ein Stück weiter oben an der schmalen Straße beginnt das alte Viertel. "Früher standen hier nur neun Häuser", erinnert sich Hilde Rübsteck. Die 81-Jährige wohnt in in einem 1850 errichteten Bauernhof. Drei solcher Höfe gab es einst: die der Familien Langerbeins, Hillers und Pflipsen. Dort, wo die Langerbeins lebten, haben es sich jetzt Richmondis und Klaus Vallen bequem gemacht. "Wir haben auf den Resten gebaut", sagt Richmondis Vallen. Sie verwerteten Steine aus Langerbeins Innenhof und pflasterten damit unter anderem ihre Einfahrt. "Insgesamt sind das 2186 Stück", erzählt die 60-Jährige und lacht.

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Doch nicht nur auf dem Grundstück der Vallens haben sich der alte und der mittelalte Teil der Wyenhütte verbunden. "Wir sind zusammengewachsen", findet Klaus Vallen. Nur die Neuen müssten sich noch dazugesellen, aber die seien ja auch gerade erst hergezogen. Vielleicht machen die Neuen in ein paar Jahren ja dann das nach, was im mittelalten Teil der Wyenhütte schon lange dazu gehört: einen Bürgermeister wählen. Für ein Jahr übernimmt ein Anwohner das Amt, derzeit ist es Janucz Wyduch. "Wir haben hier auch eine Nachbarschaft. Sie besteht aus sechs Ehepaaren", sagt Richmondis Vallen.

Diese Nachbarschaft organisiert zum Beispiel das Maibaumsetzen und weiß immer, wann bei wem ein Geburtstagsständchen und ein Geschenk fällig sind. Die Alt-Wyenhütter verzichten hingegen auf Nachbarschaft und Bürgermeister. Seit der Kindheit leben die meisten von ihnen schon im Ort, haben zusammen auf der Straße herumgetollt und gemeinsam die Schulbank gedrückt. "Früher haben wir uns immer zugerufen: ,Komm, we jon in de Hütt spiele", erzählt Thea Frentzen. Die Hütt war eine Scheune, in der ein Dachdecker so genannte Strohdocken herstellte. Sie wurden zum Dämmen an den Häusern unter die Dachziegel geklemmt und hießen wegen ihres puppenähnlichen Aussehens auch "Strüespoppe".

Spielen bei den Strüespoppe

"Etwa 1939 bis 41 war das, da haben wir oft in der Scheune Mensch ärgere dich nicht gespielt", erinnert sich Hilde Rübsteck. "Alles war voller Stroh", ergänzt Thea Frentzen und lacht. Mittlerweile ist die Scheune längst abgerissen, so wie das Wohnhaus der Weberei Dilthey, die für einige Wyenhütter Arbeitgeber war. Um das Gebäude tut es Klaus Vallen nicht leid: "Das war ein fürchterlicher Klotz", meint er. Kein Vergleich zu den Fachwerk- Backstein- und Neubauten im Ort.

(RP)