Mönchengladbach: Wie der Busbahnhof Europaplatz wurde

Mönchengladbach : Wie der Busbahnhof Europaplatz wurde

Wo vor 100 Jahren Grünanlagen den Bahnhofsvorplatz zierten, ist heute der umstrittene Europaplatz. Vier Planungsbüros erarbeiten derzeit Ideen, was daraus werden könnte.

Festbälle, Feuerwerk und Besuch von höchster Stelle: Ganz Gladbach steht Kopf am 15. Oktober 1851. Es ist der Tag, an dem zum ersten Mal eine Dampflokomotive aus dem Bahnhof am heutigen Bismarckplatz zur Jungfernfahrt nach Viersen aufbricht.

Längste Kaffeetafel Deutschlands, Konzert mit Big Band, Lichtshow eines Künstlers: Ganz Gladbach steht wieder Kopf am 19. August 2000. Es ist der Tag, an dem der erste Linienbus den neuen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) auf dem Europaplatz, wie wir ihn heute kennen, verlässt. Zwei wichtige Tage in der Geschichte des öffentlichen Personennahverkehrs in Mönchengladbach. Allerdings auch zwei Tage, die in der Rückschau höchst unterschiedlich bewertet werden.

Der Busbahnhof mit Haus Westland, wie er im Jahr 1991 aussah: Die zelt-ähnlichen Dächer waren in orange gehalten, das Gestänge in blau. Foto: Werner Tressat

Während zu Ersterem bei Jubiläen etwa stets alte Dampfloks noch einmal über die Schienen schnaufen, wünschen sich nicht wenige Gladbacher, dass es im Falle des ZOB gar nicht erst große Jubiläen geben wird. Im Zuge des städtebaulichen Wettbewerbs zum Projekt "Haus Westland" tüfteln noch vier Planungsbüros an völlig neuen Lösungen für den Europaplatz und seinen 22.000 Quadratmeter großen Busbahnhof, den der Gladbacher Architekt Horst Schmitges einst ersann und mit seinen Ideen die Gladbacher Politik wie auch die damalige NVV AG überzeugte. Heute gibt Armin Marx, Vorstand des NVV-Nachfolgers NEW, unumwunden zu: "Der Zentrale Busbahnhof am Europaplatz bedeutet für die NEW einen hohen Aufwand für die Instandhaltung bei einer teilweise nicht optimalen Funktionalität. So ist der Schutz vor Regen nicht überall gegeben, und die Bussteige sind relativ klein."

Wie der Europaplatz denn einmal aussehen wird, weiß niemand, außer dass er auf seiner gesamten Breite fünf bis 20 Meter Raum an das Grundstück des heutigen Haus Westland für den dortigen Neubau-Komplex abtreten soll. Wie er aber in seiner Geschichte aussah, das zeigen historische Bilder, von denen es durchaus viele gibt. Der Hauptbahnhof, wie die Gladbacher ihn heute kennen, entstand erst 1909. Und damit entwickelte sich auch der Vorplatz: Schnell wurden Straßenbahnlinien gelegt, es gab einen ersten Parkplatz für Pferdefuhrwerke und die damals noch seltenen Autos - dafür war dann auch noch jede Menge Platz für zwei eingezäunte Vorgärten zum Verweilen. Etwa 20 Jahre später sah das schon anders aus: Es gab ein erstes Wartehäuschen auf dem Vorplatz, die Grünanlagen waren schon Geschichte. 1953, nur ein Jahr vor Haus Westland, entstand erstmals die heute bekannte Struktur auf dem Bahnhofsvorplatz: mit Bushaltestellen, Straßenbahn-Stationen und Straßen für die immer zahlreicher werdenden Autos. Fußgänger mussten durch Tunnels von Bus zu Bahn. Und vor allem: Es war der Beginn der Überdachung, aber sie war immer noch weit entfernt von dem, was 1998 und 1999 auf dem Areal entstehen sollte.

Im August 1999 eröffnet die damalige Oberbürgermeisterin Monika Bartsch ein gigantisches Stahlkonstrukt, das ein 1750 Quadratmeter großes begrüntes Dach aus Rankpflanzen erhalten sollte. Mit zum Teil bunten Glasdächern, die Farbtupfer auf das Pflaster werfen. Und Porträts von Persönlichkeiten in den Glaswänden an den Bussteigen. Und der neuen Elektronischen Fahrgast-Informationen namens "ELFI", die auch heute noch die tatsächlichen Abfahrtszeiten anzeigen. 28 bis 32 Buslinien halten damals dort, und man rechnet mit rund 100.000 Benutzern täglich. Insgesamt wurden rund 21,8 Millionen Mark verbaut, wobei das Projekt zu 80 Prozent aus Landes- und Bundesmitteln gefördert wurde. Eine der wesentlichen Maßgaben der alten Stadtwerke, die das Projekt als NVV-Vorläufer planten: "funktionstüchtiger, hochkomplexer Verkehrsknotenpunkt, der städtebaulich allen Ansprüchen genügt". Zumindest die Stadt hatte damals recht, als sie zur Eröffnung schrieb: "Der ZOB funktioniert als eigenwillige Visitenkarte für die Stadt."

(RP)
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