Mönchengladbach: Wie 14 Bilder verschwanden und zurückkamen

Mönchengladbach: Wie 14 Bilder verschwanden und zurückkamen

Der Kreuzweg von St. Gereon Giesenkirchen wurde in den 1960er Jahren aus der Kirche verbannt. 1996 kam er zurück.

Wie selbstverständlich behauptet der Kreuzweg von St. Gereon seinen Platz an den Wänden der Giesenkirchener Pfarrkirche. Doch es gab eine Zeit, da schien das Schicksal der 14 Stationen besiegelt. "Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gab es hier einen modernen Bildersturm. Da sollte der Kreuzweg zerstört werden. Stattdessen kam er aber erst einmal in den Keller. Pfarrer Nauen hat auch Teile davon verschenkt. Für ihn war der Zyklus Teil der alten Kirche, und er wollte eine neue", sagt Diakon Klemens Kölling. Er spricht von einer "unseligen Zeit", da damals auch andere vertraute Dinge der Kirche entfernt wurden.

Ein Teil der Giesenkirchener Bevölkerung soll ein Gefühl der Befreiung empfunden haben, für andere aber bedeutete die Situation den Verlust von Heimatgefühl, so Kölling. Nach der Kirchenrenovierung 1996 entdeckte Pfarrer Karl-Heinz Hendker die Stationen im Keller. Sein Aufruf an die Gemeinde brachte das eine oder andere der Stücke zurück in die Kirche. Vier Originale aber wurden niemals mehr aufgefunden. "Vielleicht wurden die entsorgt oder hängen jetzt in einem Wohnzimmer", mutmaßt Kölling.

Über die Recherche stieß die Pfarre auf eine Replik ihres Kreuzweges in einer Gemeinde bei Aachen. Die Stationen dort sind kleiner, die Hintergrundstruktur ist anders gestaltet, doch die Figurenkonstellation stimmt mit der in St. Gereon überein. Also wurden die Repliken der vermissten Stationen fotografiert und die Aufnahmen den Originalen angeglichen, so dass in der heutigen Hängung die Leidensgeschichte wieder in 14 Stationen erzählt wird. Da die Originale einen Meter im Quadrat messen, die Repliken aber nur 80 mal 80 Zentimeter, sind die Fotos entsprechend kleiner. Kölling findet das in Ordnung. Denn auf diese Weise ist die Bilderfolge wieder vollständig, während die Nachbildungen den Originalen nicht gleichgesetzt werden.

Der Kreuzweg wurde etwa 1928/ 1930 vom Kirchenmaler Edmonds-Alt geschaffen. Der war ein Bruder des damaligen Pfarrers Hubert Edmonds. Edmonds-Alt setzte die Szenen vor einen Goldgrund, der mit feinen Quadraten strukturiert ist. Im unteren Bildbereich gab der Maler den realistisch gemalten Figuren eine meist schlicht gehaltene Standfläche. Nur bei der ersten Station "Christus wird zum Tode verurteilt" sind ein aufwendigeres Bodenmotiv und eine Thronarchitektur ausgestaltet. Die erste Station zeigt wie die anderen einen erzählenden Stil in zuweilen dramatisch angelegter Komposition. Links ist Pilatus dargestellt, wie er seine Hände "in Unschuld" wäscht. Ein Knabe hält die Waschschüssel. Mit herrischem Blick schaut der römische Statthalter auf Jesus, der wiederum auf Pilatus´ Hände sieht. Der Geißelknecht seitlich der Jesusfigur hat einen lauernden Blick. Eine Schriftrolle verweist auf Pilatus´ Herrschaftsposition und das von ihm vollzogene Urteil. "Ich sehe mir die Stationen auch gerne mit Kindergruppen an. Dann frage ich zum Beispiel, was in den Personen vorgehen mag", sagt der Diakon mit Blick auf Gesichter und Gesten, die unterschiedlichste Beziehungen zwischen den Figuren erkennen lassen. So zum Beispiel auch in der Begegnung von Jesus mit den weinenden Frauen. Eine Frau kann den Anblick nicht ertragen. Eine andere blickt auf, während sich ein kleines Kind hinter der Mutter verbirgt. In der Darstellung der Muttergottes beim Kreuz zeigt Edmonds-Alt ein idealisiertes Verständnis der ewig jungen, schönen Frau. Diakon Kölling ist froh, dass der Kreuzweg den Weg zurück in die Kirche genommen hat. Er sagt: "Pfarrer Hendker hat an mich weitergegeben, dass wir die Schätze, die wir aus der Vergangenheit haben, wieder lebendig machen".

(RP)