Analyse: Wer wird zweiter Chef im Rathaus?

Analyse: Wer wird zweiter Chef im Rathaus?

Mit dem Ausscheiden des Kämmerers Bernd Kuckels wird auch der Posten des Stadtdirektors frei. Vier Beigeordnete zeigen Interesse. Es wird auf ein Duell zweier CDU-Männer hinauslaufen: Kulturdezernent Gert Fischer und Planungsdezernent Gregor Bonin.

Die Sitzungen von Ratsfraktionen gelten selten als spannend. Das dürfte am kommenden Montag bei der CDU anders sein. Im Zentrum nämlich steht nur ein Thema: Er oder er? Wer soll zwei Tage später dem Stadtrat als neuer Stadtdirektor vorgeschlagen werden? Der Posten wird mit dem von der Groko aus CDU und SPD forcierten Weggang des Kämmerers Bernd Kuckels (FDP) Ende des Monats frei.

Es treten an: Gert Fischer, Beigeordneter für Kultur, Bildung und Sport, auf der einen Seite, auf der anderen Gregor Bonin, Technischer Beigeordneter für Stadtplanung, Bauen, Verkehr und Umwelt. Der eine gilt als erfahrener Verwaltungsmensch, der Herausforderungen wie die Flüchtlingsunterbringung elegant gemeistert hat, der das Theater gesichert und die Sanierung von Sportplätzen nach vorne getrieben hat. Der andere steht für die Strategie der wachsenden Stadt, die unter dem Titel MG+ Mönchengladbach mit großen Neubaugebieten, Entwicklungen auf und rund um den Abteiberg, Ansiedlungen von Unternehmen und veränderten Verkehrskonzepten für noch mehr Aufwind sorgen soll. Beide haben ein CDU-Parteibuch und Anhänger in der Fraktion. Dass geheim abgestimmt wird, macht es unberechenbarer, wie das Rennen schließlich ausgehen wird.

Kandidat 2 für den Posten des Stadtdirektors: Planungs- und Verkehrsdezernent Gregor Bonin (57, CDU) gilt als Vorantreiber der Stadt. Foto: Isabella Raupold

Die SPD, die mit der CDU im Rathaus in der Groko seit 2014 eine stabile Mehrheit bildet, beobachtet das interessiert, bringt zwar ihre beiden Beigeordneten Dörte Schall (Soziales, Jugend, Recht, Verbraucher) und Matthias Engel (Ordnung, Personal, Feuerwehr) ebenfalls ins Gespräch. Fraktionschef Felix Heinrichs wird sich mit seinem CDU-Kollegen Hans Peter Schlegelmilch jedoch vorab einigen, welche Fraktion das Vorschlagsrecht für den Posten erhält. Am Ende wird die CDU dafür eine andere Postenbesetzung ins SPD-Körbchen legen müssen.

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Weshalb wird um die Position des Stadtdirektors so gerungen? Um Geld geht es nicht. Denn erst nach acht Jahren ist ein Zuwachs auf dem Besoldungskonto zu erwarten. Der Stadtdirektor ist kein eigener Posten, sondern ein Zusatz, den ein Beigeordneter erhält. Es geht vielmehr um Ruhm und Macht. Der Stadtdirektor ist der Erste Beigeordnete und damit der direkte Stellvertreter des Oberbürgermeisters in dessen Rollen als Chef der Stadtverwaltung. Oberster Dienstherr von rund 3000 Mitarbeitern - das ist vergleichbar mit einem Managerposten in einem Konzern. Als Stadtdirektor ist man bei allen wichtigen Terminen auf der Einladungsliste, kann in Kontrollgremien als Vertreter der Stadtspitze entsandt werden. Eine einflussreiche Position also und eine, in der man auch außen stärker sichtbar ist. Eine Pole Position für weitergehende Ambitionen. Oft, aber nicht immer, ist es der dienstälteste Dezernent, der den Zusatz Stadtdirektor erhält. Das Dienstalter bestimmt unter den Beigeordneten die Reihenfolge für die Vertretung bei Abwesenheit des OB, ist somit ein gutes Argument. Die meisten Dienstjahre hat im Mönchengladbacher Verwaltungsvorstand nach dem Ausscheiden von Kuckels Gert Fischer (61). Bonin (57) war 2015 aus dem Düsseldorfer Rathaus, wo er fast zehn Jahre Planungsdezernent war und den Umbau der Innenstadt maßgeblich mit vorangetrieben hat, nach Mönchengladbach gelockt worden. Es ist wahrscheinlich, dass der Posten des Stadtdirektors damals zum Lockmittel gehört hat.

CDU-Fraktionschef Schlegelmilch will sich nicht offen auf eine Seite schlagen. Die wachsende Stadt ist jedoch die gemeinsame Strategie von ihm und Bonin. Deshalb ist klar, wo seine Sympathien liegen. Andere in seiner Fraktion favorisieren hingegen Fischer. Weil sie dessen inhaltliche Arbeit schätzen - oder weil sie mit Bonin hadern. Er kündige viel an, liefere aber nicht entsprechend, so ein Vorwurf. 2020 steht die nächste Kommunalwahl an, da will man etwas vorzuzeigen haben. Bonins Lager wiederum hält Fischer für zu bürokratisch. In einem sind sich alle einig: Es wird knapp ausgehen am Montag. Aufmerksam wird deshalb verfolgt, ob Bonins Frau, die der Fraktion angehört, mit abstimmen oder Votum und Aussprache fernbleiben wird.

Und wen favorisiert Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners als Stellvertreter? "Ich äußere mich dazu weder gegenüber der Fraktion noch gegenüber einem der beiden", sagt der Rathauschef. Mit Bonin sei er privat befreundet, mit Fischer arbeite er länger zusammen, mit beiden könne er gut. Die Situation sei "in der Tat außergewöhnlich". Es bleibt also spannend.

(dr)