Mönchengladbach: Wenn Divertikel im Darm zur Qual werden

Mönchengladbach : Wenn Divertikel im Darm zur Qual werden

Die Situation ist kurios: Dem Patienten geht's im Prinzip gut - und trotzdem soll ihm ein Stück Darm entfernt werden. Die Ursache seiner wiederholten Darmbeschwerden sind entzündete Divertikel. Es ist meist ein Problem älterer Menschen.

Der Schmerz kommt unvermittelt. Wie ein Wulst zieht er sich über den Unterbauch. Weil es Freitagabend ist, bleibt nur der Besuch der Notfallpraxis. Die Ärztin tastet den Bauch ab, es schmerzt mal rechts, mal links. "Haben Sie Divertikel?", fragt sie. Der Patient hat sich mehrfach Darmspiegelungen unterzogen. Aber Divertikel? Mit einem Antibiotikum verlässt er die Praxis. Das Medikament schlägt an.

Foto: dpa

Aber hat er Divertikel? Anruf beim Hausarzt, der den Befund des Gastroenterologen kennt. "Ja, Sie haben Divertikel. Wenn sie sich entzünden, kann der Darm an dieser Stelle perforieren", sagt er. Ein rissiger Darm - kein gutes Zeichen. "Notfalls muss der entzündete Teil des Darms operativ entfernt werden", sagt der Hausarzt.

Divertikel sind Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut. Sie finden sich vor allen bei vielen älteren Menschen. Meist sorgen sie für keine großen Probleme. Aber bei etwa 40 Prozent der Betroffenen entzünden sie sich, es kann zu Blutungen, Darmverengung und Veränderungen beim Stuhlgang kommen. Diese Entzündungen können auf Nachbarorgane übergreifen. Besonders gefährlich wird es, wenn Divertikel vereitert sind: Durchbrechen die Eiteransammlungen die Bauchhöhle, kann dies zu Bauchfellentzündung und Darmlähmung führen.

Anderthalb Jahre geht alles gut. Dann ist der Schmerz wieder da. Heftiger als beim ersten Mal, meist links, aber auch auf der rechten Bauchseite. Die Selbstdiagnose Divertikulitis bestätigt der Hausarzt. Er verschreibt ein Antibiotikum, dieses Mal schlägt es kaum an.

Eine Computer-Tomographie (CT) im Krankenhaus Neuwerk sorgt für Klarheit. Es besteht Handlungsdruck: An einer Stelle ist der Darm stärker angegriffen, die Darmwand ist perforiert. Der Körper reagiert darauf, dass er den Darm an dieser Stelle mit einer Art Puffer schützt. "Gedeckt perforierte Sigmadivertikulitis mit kleiner Luftblase" lautet der Befund.

Die Mahnungen von Professor Dr. Frank A. Granderath, Chefarzt der Abteilung Facharzt für Allgemeine Chirurgie und Viszeralchirurgie im Neuwerker Krankenhaus, sind deutlich: "Ich hätte Sie gerne in vier bis sechs Wochen hier zur Operation. Falls sich eine Veränderung ergibt, müssen Sie sofort kommen. Dann sind Sie ein Notfall."

Die Mahnungen fruchten. Der Patient vereinbart den Operationstermin drei Wochen später. Es ist ein komisches Gefühl. Der scheinbar Gesunde bezieht an einem warmen Herbsttag das Krankenzimmer. Dem Patienten geht's nicht schlecht, ihm geht's sogar gut. Und trotzdem soll er sich in ein Krankenbett legen, weil im Körper etwas ist, das Probleme bereiten könnte? Und wie verläuft so eine Operation?

Professor Granderath erklärt: Es gebe zwei verschiedene Wege, um den betroffenen Darmabschnitt zu entfernen: die herkömmliche Methode mit einen größeren Bauchschnitt. Oder drei sehr kleine Bauchschnitte, das Ganze unterstützt durch eine Bauchspiegelung. "Wir machen bei Ihnen die Laparoskopie mit den kleinen Schnitten. Nur bei überraschenden Befunden oder technischen Schwierigkeiten müssen wir die Operationstechnik ändern und auf die laparoskopische Operation mit dem großen Bauchschnitt wechseln", beruhigt er.

Als der Patient nach der OP aufwacht, steht fest: Es gab keine überraschenden Befunde. Aber die Situation ist trotzdem sehr gewöhnungsbedürftig: Aus dem Bauch führt aus einem kleinen Schnitt ein feiner Schlauch zu einem Blutbeutel. Ein Katheter ist angeschlossen. Ein weiterer Schlauch geht aus dem After heraus. Dazu noch die Infusion in die Vene des linken Arms.

Den größten Bauchschnitt, etwa vier Zentimeter lang oberhalb des Schambeines, nimmt der Patient da noch gar nicht wahr: Über ihn wurde das Darmstück entfernt. "Wir haben etwa 15 Zentimeter Darm beseitigt und die gesunden Darmenden mit einem Klammer-Nahtgerät verbunden", erklärt Granderath.

Es geht alles den normalen Gang. In den nächsten Tagen verschwinden die Drainagen nach und nach. Schwierig ist das Aufstehen aus dem Krankenbett - der Bauch schmerzt sehr. Der Stuhlgang ist schnell wieder regelmäßig, ihn aber längere Zeit aufzuhalten, ist schwierig.

Die Ergebnisse aus der Pathologie belegen, dass der Entschluss zu einer schnellen Operation richtig war: Es gab bereits eine vereiterte Stelle. Weil bei der laparoskopisch unterstützten Dickdarm-Teilentfernung Kohlendioxid in die Bauchhöhle gepumpt wird und das Gas sehr langsam abgebaut wird, passt keine Jeans mehr am Bund. Mit der Zeit normalisiert sich aber alles.

Trotzdem dauert es noch einige Wochen, bis der Patient weitgehend beschwerdefrei ist. Sein Körper muss die Bauchoperation verkraften. Geduld ist gefordert. Viel Geduld - subjektiv betrachtet.

(RP)
Mehr von RP ONLINE