Mönchengladbach: Weiße Frauen und schwarze Krankheiten

Mönchengladbach: Weiße Frauen und schwarze Krankheiten

Heute Abend hat das experimentelle Theaterstück "Hässlich" im Projekt 42 an der Waldhausener Straße Premiere. Laura Heyer hat es geträumt, geschrieben und mit 20 Mitstreitern der Gruppe "Schrei auf" inszeniert.

Diese Energie ist mit Händen zu greifen. Dieser elementare Drang zur Selbstverwirklichung, diese Suche nach einer Alternative, einer besseren als der bislang erfahrenen Welt. Die junge Theatertruppe um Laura Heyer birst förmlich vor Lust, sich auszudrücken, sich in der sublimen Wirklichkeit der Bühne neu zu erfinden.

Ein paar Bretter vor roher Backsteinmauer - die Bühne. Bierzeltbänke im muffigen, dunklen Gewölbe - der Zuschauerraum. Zu trancigem Schummern aus den Lautsprechern tasten sich vier weißgewandete Gestalten aus einem Loch hervor, eine nach der anderen wankt, vibriert, torkelt zu vier Farbeimern. Mit blöde offenen Mündern und verzerrten Leidensgrimassen schmieren sich die vier "Schülerinnen" schwarze, weiße, graue Striemen auf Arme, Beine, Körper, Gesicht. Ein Schmink-Tutorial aus dem Netz flimmert über Körper und Wände. Die Leidensgestalten mutieren zu Zombies, am Ende lächeln sie vor Glück.

Quälend faszinierende fünfzehn Minuten dehnt sich diese Szene, eine zentrale des Theaterstücks "Hässlich", das heute Abend die (ausverkaufte) erste von vier Vorstellungen im Projekt 42 an der Waldhausener Straße sein wird. Was hier dem japanischen Butoh-Theater entlehnt Ausdruck und Körperbeherrschung ins Extrem führt, weist zum Kern des Anliegens der Akteure: Für Körperkult, Schlankheitswahn, gesellschaftliche Normierung und ihre krankmachenden, zerstörerischen Folgen einen befreienden, theatralen Ausdruck zu finden. Seit Oktober probt die Truppe, besucht Workshops, führt die Szenen und Elemente des Theaters zusammen. Von den 20 meist jungen Leuten stehen zehn auf der Bühne. Hinzu kommt eine vierköpfige Band, ein Soundtüftler, Licht, eine Sozialarbeiterin, ein Regieassistent. Und eben Laura Heyer, 23, Studierende der Kulturpädagogik an der Hochschule Niederrhein. Kopf und Herz des Ganzen.

"Ich habe das Stück geträumt. Schwarze Spinnen um kleine weiße Mädchen. Ich brauchte es nur noch aufzuschreiben", erzählt die junge Frau, die in der Mönchengladbacher Alternativ-Szene Mitstreiter für ihr bereits zweites Theaterprojekt fand. Und Unterstützer unter anderem im Kulturbüro der Stadt. Laura Heyer widmet sich seitdem "acht Stunden am Tag" diesem Projekt, das nicht nur für sie ein Schritt in ein eigenes Leben sein soll. Ein Theaterbus als Lebensraum, ein großer Bauernhof als Kreativzentrum mit Nachhaltigkeitsanspruch sind die Visionen, für die sie kämpft und arbeitet.

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Aus dem Spinnen-Traum entwickelte sie ein Stück zum Thema Essstörungen, die Spinnen stehen für die dunkle weibliche Kraft. Und im Lauf der Theaterarbeit wurden daraus vier weiße Frauen und vier schwarze Krankheiten. Hinzu kamen "Die Mutter" und "Das Monster", Figuren des "Außen".

Wir verraten: Das Stück ist dunkel, die Musik wird "hart, manchmal traurig", so Max, einer der Gitarristen der Band ohne Namen. Und das Ende könnte interaktiv werden. Erleben muss man dass alles aber selbst, eine Altersbeschränkung liegt bei 18 Jahren.

Vorstellungen sind heute (ausverkauft), morgen sowie am 14. und 15. Juni jeweils um 20 Uhr. Karten kosten 10 Euro, die gibt's bei Köntges, im Projekt 42 und in der Ticket Hall.

(RP)