Mönchengladbach: Was ist schon normal - und was nicht?

Mönchengladbach: Was ist schon normal - und was nicht?

Künstler mit und ohne Autismus sind in der Ausstellung "akku c/o Linie Kunst" im Foyer des Versorgers NEW zu sehen. Dazu gibt es ein großes Rahmenprogramm. Die Künstlerin Menia hatte die Idee, viele helfen ihr bei der Umsetzung.

Menia ist Autistin. Genauer: Sie leidet an hochfunktionalem Autismus. Sie ist Künstlerin und behauptet: "Kunst von autistischen Künstlern ist nicht anders als die von denen ohne Autismus." Möglicherweise würden vermeintlich gesunde Künstler nur nichts von ihrem Autismus wissen, sagt sie lachend. Menia heißt eigentlich Marzena Lewicka-Imam. 1965 in Polen geboren, kam sie 1989 nach Mönchengladbach, studierte an der Kunstakademie in Düsseldorf und gehört zum Kreis der c/o-Künstler des städtischen Kulturbüros. Schon einige Male hat sie andere autistische Künstler eingeladen, mit ihr gemeinsam auszustellen. Jetzt will sie eine neue Idee umsetzen - eine Ausstellung vieler Künstler mit und ohne Autismus und dazu ein riesiges Rahmenprogramm an unterschiedlichen Orten.

Das große Projekt kann sie nicht allein stemmen. Mit Menia im Boot sitzen deshalb neben dem Kulturbüro, das Team des BIS-Kulturzentrums, die Kulturküche, die Initiative Autismus, Kunst und Kultur (Akku), der mobile Ausstellungswohnwagen X.position mobile von Bernhard Jansen und die NEW. Im Foyer des Versorgers an der Odenkirchener Straße 201 wird am Freitag, 5. Mai, um 19 Uhr die Ausstellung "accu c/o Linie Kunst" eröffnet. Große und kleine Bilder, Objekte und Installationen werden gezeigt - von 29 Künstlern mit und ohne Autismus. "Ich habe die Idee, die Werke in der Ausstellung zu nummerieren und eine Liste auszulegen mit den Zuordnungen", sagt Menia. Ihre Hoffnung: Dann konzentrieren sich die Besucher auf die Kunst und nicht auf die Künstler - und auf eine mögliche Erkrankung. Sie wünscht sich, dass die Gäste neugierig auf Entdeckungstour gehen und ihre Seele berühren lassen.

Während der Vernissage wird Bernhard Jansen mit seinem x.position mobile vor dem NEW-Haupteingang parken. Auch in dem Wohnwagen ist Kunst zu sehen - unter der Fragestellung "Wie gestalten Künstler mit und ohne Autismus Gestalten?"

Im BIS-Zentrum wird am Mittwoch, 10. Mai, 20.30 Uhr, der Film "Anders Anders" gezeigt. Veranstalter sind Rainer Wassong vom Mönchengladbacher Autismus-Therapie-Zentrum (ATZ) und das Katholische Forum. Mädchen und junge Frauen beschreiben, was Autismus für sie bedeutet und wie es sich anfühlt, in der falschen Welt oder zumindest in der falschen Zeit zu leben. Der Eintritt ist an diesem Filmmittwoch frei.

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Am Dienstag, 23. Mai, geht es in der Kulturküche an der Waldhausener Straße weiter. Um 20 Uhr (Einlass 19.30 Uhr) tritt die Band Martians & Earthlings, das sind Musiker mit Autismus-Spektrum-Störung und ihre Betreuer Thomas Mentsches und Ali Ottmann aus dem "Haus Daheim" im Hardter Wald. Und auf der Terrasse ist Kunst im Wohnwagen zu sehen.

Am Mittwoch, 10. Mai, findet die 4. Mönchengladbacher Fachtagung zum Thema Autismus-Spektrum-Störung des Mönchengladbacher Autismus-Therapie-Zentrums (ATZ) statt. Der bekannte britische Psychologen Tony Attwood, der als Spezialist für das Asperger-Syndrom gilt, wird referieren. Informationen dazu gibt es auf www.achtsam-mg.de.

Die Ausstellung im NEW-Foyer endet mit der Finissage am Freitag, 9. Juni, 19 Uhr. Die Besucher werden Lesungen von Sam Becker, Jürgen Gansweid und Isabell von Linden erleben. Und natürlich noch einmal die Kunst entdecken können. On Zuordnungen zu Künstlern ohne und mit Autismus möglich sein werden? "Das bleibt dem Publikum überlassen", sagt Menia.

(RP)
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